KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

einen Engel nach Jerusalem, um es zu schlagen... (16) Als nun David seine Augen erhob, sah er den Engel des Herrn, zwischen Himmel und Erde stehen, ein gezücktes Schwert in seiner Hand,..gegen Jerusalem ausgestreckt." Ähnliche Engel erscheinen am grossen Erntetage im Neuen Testament Matth. 13, 39 ff. Die hier in Mehrzahl erscheinenden Engel des Todes „ernten", sie sind also „Schnitter." Es ist höchst merkwürdig, dass der Tod als Per­son im Alten Testament häufiger erwähnt wird, als im Neuen Testament. Ausser dem apoka­lyptischen Reiter tritt der Tod im Neuen Te­stament nicht auf. Der Engel-Tod der hl. Schrift ist zwar Got­tes Bote, hat aber ein dämonisches und teuf­lisches Wesen. Dieser Engel wird nicht sofort mit dem klassischen Todes-Dämon vermengt, er muss erst in den jüdischen Apokryphen des Zeitalters Christi mehrere Übergangsstadien er­leben. Nicht nur die christl. Häretiker, sondern schon auch die Juden haben es versucht, ihre Religion der heidnischen Weltauffassung anzu­passen oder gegen jene heidnischen Religionen zu verteidigen, zu denen sie in den Diasporen en­ge Beziehungen haben mussten. In diesen Schrif­ten ist die Gestalt des Todes schon halb heid­nisch, obwohl sie dabei doch echt jüdisch bleibt. In der „Apokalypse des Baruch", die nach der Zerstörung Jerusalems geschrieben wur­de und in der Baruch erzählt, was unmittel­bar vor und nach der Zerstörung Jerusa­lem widerfahren ist, wird dem Würgengel Got­tes der Auftrag gegeben 1, die Menschen mit dem Schwerte mitten entzwei zu schneiden, sie durch Pest zu vernichten und die Kinder durch Dä­monen verfolgen und töten zu lassen. Hier sind also die Teufel schon Diener des Todesengels. Der Todesengel wird langsam mit dem König der Unterwelt, mit dem Oberhaupt aller Dämo­nen, mit Luzifer identifiziert. 2 In der „Verheissung Levis" (III. 18) im Testa­ment der zwölf Patriarchen, welches auf Grund einer jüdischen Schrift im ersten Jahrhundert nach Christus für Christen bearbeitet wurde, vernichtet der Erlöser das Schwert jenes En­gels, der den Adam aus dem Paradies trieb, und führt die Erlösten in das Paradies, um sie vom Holze des Lebens zu speisen. In der „Ascensio Isaiae" (9, 16) wird der Prophet von Gott beauftragt in die Unterwelt zu gehen, wo „der Engel des Scheols" (10, 10), der „Gott des Todes" (10—14) über alle Toten re­giert, über Gute und Verdammte gleichsam. Der Titel „Ascensio Isaiae" ist eigentlich der Titel des zweiten Teiles, während der erste Teil „Martyrium Isaiae" heisst. Der erste Teil ist im II. Jahrhundert n. Chr., der zweite Teil am Ende des III. Jahrhunderts entstanden. Der Engel des Scheols ist also kein Teufel noch. Im „Buche Henoch", das im II. Jahrhundert v. Chr. ent­1 wie bei Daniel 13, 55 , 59. 2 Apok. Baruch 21, 23. stand und Offenbarungen enthält, welche dem Henoch während seiner Wanderung durch Him­mel und Erde und in seinem Verkehr mit Gei­stern zuteil geworden sein sollen, regiert der En­gel Uriel über alle Toten, über dem Tartarus. Aber im Henoch-Buch, wie auch in der „Ascensio Isaiae" wird „Hades", der Aufenthaltsort der Guten, vom Strafort der Verdammten, „Abba don", getrennt. Im Neuen Testament 3 ist „Abbadon" schon nicht „der Aufenthaltsort der Verdamm­ten", sondern „Engel des Abgrundes". Nachdem Christus die Sünde, den Teufel besiegt hat, wird diesem der Abgrund als Herrscherort angewie­sen. Er wird zum „Teufel des Abgrundes." Der Tod ist hier also ein Teufel. Nach den späte­ren Apokalypsenerklärungen ist jener dritte Rei­ter, „der Tod", ebenfalls ein Teufel. Derselbe Entwicklungsgrad ist auch im Te­stament der zwölf Patriarchen zu beobachten, wo (IV. 2) Judas verkündet, dass Beliar — der auch mit dem Tod identisch ist — für alle Ewigkeit ins Feuer geworfen wurde. Der Erlö­ser wird den Beliar binden (Levi III, 8) und den Kindern Gottes die Macht geben, auf die bösen Geister treten zu können. Im Apokryph „Der Engel der Unterwelt" (10, 8) sind die Höllenengel Helfershelfer des Todes (10, 10). Diese Höllenengel sind mit den heidnischen Göttern des Todes identisch (10, 14). Nach Langen 4 ist die alte Auffassung der Juden, dass der Erzengel Michael der Beschüt­zer und Führer der Guten sei, auch durch den Einfluss dieser apokryphen Darstellungsweise des Todes nicht geschwächt worden. Das spätere Judentum steht unter dem starken Einfluss der griechischen Kultur. In den alexandrinisch-jüdischen Apokryphschriften tre­ten griechische Kulturelemenle immer mehr in den Vordergrund. Zu diesen griechisch beein­flussten Werken, deren Grundlage eine grie­chische Übersetzung der Bibel ist, kann man auch die sibyllinischen Bücher Philo's rechnen. 5 Dass nicht nur in jüdischen Schriften, son­dern auch im späteren Mittelalter die „Hölle" auch „Grab" genannt wird 8, das ist auf den hellenistischen Einfluss zurückzuführen. Grossen Einfluss auf die christliche Theo­logie hat Philo (Judäus) von Alexandrien (geb. im II. Jahrzehnt v. Chr.), der sich i. J 40 n. Chr. an der Gesandtschaft an Caligula beteiligte. 7 Er betrachtet den Leib als das Gefängnis der Seele und macht einen scharfen Unterschied zwischen dem körperlichen und seelischen Tod. 8 Der seelische Tod ist der ewige Tod des Ungerech­3 Ofienb. Joh. 9, 11; 9, 1. 4 Das Judentum . . . S. 479. 3 s. Atzberger: S. 130—136. 6 ebenda : S. 145-146. 7 ebenda: S. 147-148. 8 Lib. de poster, cain. 211,2 39; Leg. alleg. I, 33; I, 65 ; De profug. 21 I, 562—563 ; De praem. et poen. 12, II, 419: De Abrah. 44. II, 37.

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