KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

ten. Der erste Tod ist der körperliche. Dem zwei­ten Tod verfällt der Sünder am Orte der Ver­geltung, wo ihn o átőiOg &ávaxog empfängt und ihn den Finsternissen des Tartarus überliefert. In der Apologie des Philosophen und Mär­tyrers Justin 1 ist der Tod „Stammvater der bösen Engel". Der Urherber des Todes heisst otpig : Hag' i:Ulv jiFV ycig ö ágxrjysxrjg xtov xax&v óaifióvcov dipig xaJslxai xcti aaxaväg y.at diäßoÄog, cbg xcti ix xdöv r.uF­xégcov avyygufxfiúxcov égevvrjoavxeg [xccdsXv dvvao&e. Dieselbe Auffassung wird von den lateini­schen und griechischen Kirchenvätern verbrei­tet. Sie erklären sogar, dass die Schrecken des körperlichen Todes nicht so furchtbar sind, seit­dem der Heiland durch seinen Kreuztod den Tod besiegt und in den Hades geworfen hat. 2 Klemens 3 erzählt den Einzug des Todes in die Welt und wie der Tod durch den Neid des Teufels die Welt erobert. Athenagoras 4 ver­gleicht mit Bezug auf Homer II. XVI. 672 den Tod mit dem Schlaf. Der Sieg Christi über den Tod und Teufel ist der beliebteste Stoff der Apokryphen. Im 39. Hymnus der sog. „Nisibenischen Hymnen" des Syrers Ephräm 6 tritt der Tod sprechend auf. Er klagt, dass er vom tötenden Lanzenstoss, der dem Heiland die Seite öffnete, auch selber ge­tötet wurde. Wie einst 4. Mos. 25, 7—9 der Sperstoss jenes Phinehas, der zwei Personen auf einmal traf, das Volk vom Elend und von der Plage der Krankheit befreit hatte, so wurde die Menschheit durch den Sperstoss, der den Erlöser traf, von der Plage des Todes befreit. Vs. 80—93 sagt der Tod: „Erschreckt hat mich ferner die Lanze des Phinehas, der durch ihr Töten stellte das Sterben. Die Lanze verwahrte den Baum des Lebens. Erfreut bin ich worden, zugleich auch bekümmert, weil sie nun fern­hielt den Menschen vom Leben und weil sie fernhielt das Sterben vom Volke. Nun durch die Lanze, die Jesum durchbohrte, bin ich auch getroffen. Er ist der Durchstochene und ich muss wehklagen. Aus ihm sind geflossen Blutstrahl und Wasser. Gewaschen und lebend kehrt wie­der Adam ins Paradies." 6 Diese Szene am Kreu­ze, der Sieg des toten Heilands über den Tod, wurde unzähligemal illustriert, ja sogar die To­tentänze wiederholen sie gelegentlich. In vielen Schriften wird es betont, dass der Sieg Christi über Tod und Teufel sich wäh­rend seiner Höllenfahrt vollzogen hat. Cyrillus von Jerusalem erzählt, wie der Tod bei der Ankunft Christi im Limbus voll Schrecken die Flucht ergreift. Andreas von Kreta lässt den 1 I. c. 28 Otto p. 72. I. 2 Ignatius' Brief an die Römer II. e. Heiele p. 98 und Rom. IV. und Theophili Antiocheni ad Autolycum lib. II, 29 VIII. p. 138B. vgl. Joh. 8, 44. 3 Rom. I. Cor. c. 3. 4 12. Cap. der „Supplicatio pro Christianis". 6 Ephraemi Syri carmina Nisibena ed. G. Bickell 1866. Syr. Text. S. 71, hymn. 39, v. 80—93; latein. Über­setzung S. 155. 8 L. E. Iselin : Der morgenländische Ursprung der Grallegende. Halle a. S. 1909. S. 114. Hades, der den Erlöser im Tor der Unterwelt erblickt, also zum Tode sprechen : „Wehe, ich bin verloren ! Siehe den Nasarener, der die infernalen Grenzen überschreitet, mich mit einem Pfeile durchbohrt und meine Toten mit seiner Stimme erweckt I" 7 Eine sehr wichtige Variation der „Höllen­fahrt Christi" ist das Evangelium Nicodemi 8. Es besteht aus zwei Teilen, deren Enstehung in das IV. bzw. V. Jahrhundert fällt. Der erste Teil, „Acta Pilati", enthält eine Art Protokoll über die Gerichtsverhandlung, welche Pilatus mit Jesus anstellte, Kreuzigung des Heilandes, seinen Tod und seine Auferstehung, die Taten des Jo­seph von Arimathia und des Nicodemus, die Ge­fangennahme des Joseph und seine Befreiung durch den Auferstandenen. Dieser Teil ist im grie­chischen Urtext ca. 363—367 als Gegenschrift der heidnischen Pilatus-Akten verfasst worden und gibt sich in der Vorrede als ein von Nico­demus in hebräischer Sprache abgefasstes Werk aus. Die Acta Pilati werden schon in frühchrist­lichen Schriften häufig erwähnt : z. B. von. Ju­stin, Tertullian, Orosius und Eusebius. 9 Ähn­liche Gerichtsverhandlung ist auch der zweite Teil des Werkes: „Descensus Christi ad inferos." 10 Als Christus starb, sind mit dem grossen Erd­beben zugleich auch viele Toten auferstanden und in der Stadt erschienen. Auch die zwei Söhne des alten Simeon, Carinus und Leucius, sind auferstanden und sind in die Stadt Ari­mathia, in ihre frühere Wohnung zurückgekehrt, wo sie beide unbeweglich knien blieben und beteten. Als die Juden von der Auferstehung Christi hörten, Hessen sie die zwei Brüder holen, um sie einvernehmen zu können. Auf die Beschwörung des Hohenpriesters schrei­ben diese alles ab, was sie in der Vorhölle und in der Hölle gesehen haben. Sie beschreiben, wie Christus triumphierend erschien, wie er Adam und Eva, die Patriarchen und» Prophe­ten aus der Macht der Unterwelt befreit und wie er endlich den Teufel, den „Princeps mor­tis" besiegt hat. Es ist merkwürdig, dass hier der Teufel, das Oberhaupt der Unterwelt, zu­gleich auch Herr des Todes, also „der körper­liche Tod" ist. 1 1 Es ist bemerkenswert, dass die­ser Teil des Nicodemus-Evangeliums nicht nur die Weiterentwicklung der Todesgestalt för­derte. In den zwei Brüdern, die nach dem Tode Christi auferstanden sind und jetzt ihre Erleb­nisse in der Unterwelt erzählen, ist eigentlich 7 Wessely : Die Gestalten des Todes... S. 12. ff. 8 J. Carolus Thilo : Cod. Apocryphus Novi Testa­ment; torn. I. Leipzig 1832. S. CXV111 ff. und S. 487 ff.; C. Thilo : Acta Thomae ; Leipzig 1823 S. XXXV. ff. Hand­schriften ; L. Fr. K. Tischendorf : Evangelia apocrypha. Lips. 1853. 1872 3. 9 K. Thilo : Über die Schriften des Eusebius von Alexandrien und des Eusebius von Emisa. Halle, 1832 ; vgl. R. P. Wülcker, Das Evangelium Nicodemi in der a­bendländischen Literatur. Paderborn 1872; Borberg, Kir­chengeschichte Bd. 2. Kap. 2. 1 0 Tischendorf : Evang. Apocrypha, Leipzig. 1853 S. 73-75. 1 1 s. Thilo : S. 669 ff.. 673 und Cap. XV111. S. 675 ff.

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