KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

- 135 — ten (!) ist der Irrsinn und die Schrecken der Träume. Dieser Toten-Pfeil treibt den Menschen, das Opfer der Toten, mit eherner Geissei aus der Stadt und dieser Verfluchte kann sich am heiligen Opfer nicht beteiligen und muss weit von seiner Heimat und von der Rache seines toten Vaters verfolgt und von allen Menschen und Göttern verlassen in seinem schrecklichen Schicksal durch ekelhafte Verwesung ster­ben. — Die tiefe Bedeutung dieser Stelle ist nicht nur in der Verbindung der Toten mit der Erinnys zu erkennen. Obwohl die Erinnys von den Toten auf die Welt geschickt wird, verfol­gen die Toten den Menschen auch selber und ihre Pfeile töten ihr Opfer. Die Toten, die Le­muren also, spielen in einer Tragödie 500 Jahre v. Chr. schon die Rolle des mittelalterlichen Todes, der seine Opfer (wie Amor) ebenfalls mit seinen Pfeilen niederstreckt. Mit dieser Skelett­Lemuren-Gestalt des antiken Todes wurde die Gestalt des orientalischen Teufels-Todes in den Apokalypsenerklärungen des Bischofs Haymo in Halberstadt (XI. Jahrh.) verbunden. Wie die Gestalt der Erinnys (Lukianos), so steht auch die Lemuren-Gestalt des antiken Todes unter dem Einfluss der orientalisch-antiken Mysterien. Die mittelalterliche Todesgestalt hat antike und orientalische Motive in sich aufgenommen. Aber auch die Griechen und Römer sind mit dem Orient in enge Fühlung gekommen. Wir haben die Verwandtschaft römischer To­tengebräuche mit ägyptischen Totendarstellungen kennen gelernt (Trimalchio). Auch die Skelettgestalt des „Larven-Ker­Todes" hat zum orientalischen Totenzauber be­sondere Beziehungen. Das wichtigste Zeugnis für die engsten Be­ziehungen des Orients zur römischen Kultur ist die bekannte Apologie von Lucius Apuleius Madaurensis, der 125 n. Chr. in Madaura (A­frika) geboren, in Rom von seinen Feinden ge­rade wegen seiner orientalischen Abstammung der Magie verdächtigt und beschuldigt wurde. Apuleius verteidigt sich auf eine sehr interes­sante Weise. Aus den angeführten Beweisen der Apologie geht hervor, dass man ihn beschul­digt hat, er habe sich eine kleine Statue Merkurs (Mercuriolus), also des Seelenführers, in der Form eines „sceleton" („eingeschrumpfter Körper") oder einer „larva" („Skelett", „Knochengerüst") verfertigen lassen und er treibe mit diesem „Dämon" Magie. Seine Feinde hielten den Be­sitz einer Abbildung eines „eingeschrumpften Körpers" („forma diri cadaveris" = sceleton) oder einer „larva" für das sicherste Zeichen der Ma­gie. Apuleius liess aus seiner Wohnung die kleine Mercurius-Statue bringen, von welcher seine Feinde behaupteten, sie sei in der Form einer „Larva", eines Skelettes geschnitzt wor­den. Nachdem man die Statue angesichts al­ler Anwesenden aufgestellt, fragt Apuleius, ob diese Statue ein „sceletus" (eingeschrumpfter Körper) oder eine „larva" (Skelett) sei ? Ob es dieselbe Statue ist, die man ein „daemonium" nennt ? Ist diese Statue ein magisches Bild (d. h. eingeschrumpfter Körper oder Skelett) oder ist ihre Gestalt nicht genug feierlich und allge­mein bekannt ? Apuleius gibt die Statue in die Hand des Maximus. Er soll sie betrachten, ob sie nicht geheiligt ist. Wie schön ist das Ant­litz dieser Statue ! Wie schön der Kopf mit den lockigen Haaren ! Wie feierlich die Kleidung ! Es ist keine Spur von einer Skelettgestalt! Die Statue stellt eine volle Figur dar. Wer es also behaupten will, dass diese Statue ein „sceletus", ein eingeschrumpfter Körper sei, der kennt die üblichen Darstellungen der Götter kaum oder ver­ehrt sie nicht. Wer aber behaupten will, dass diese Merkur-Statue eine „larva" (also ein Skelett) sei, der ist selber ein Magier, ein Zauberer, den die Römer im allgemeinen „larvans" genannt ha­ben. Und im nächsten Kapitel wünscht Apu­leius seinem Gegner Aemilianus, der behauptet hat, dass diese Mercurius-Statue in magischer Form (als Skelett) geschnitzt worden sei und daher sicherlich gelogen hat, dass ihm durch die besondere Gnade des Gottes der Unterwelt die verschiedensten Totengespenster, alle Schat­ten, Lemuren, Manen, Larven, die es nur gibt, fortan immer erscheinen sollen, um ihn wegen seiner Lüge zu strafen. Es sollen ihm alle Schrecken der Nacht, alle Entsetzen der Leichen­verbrennung, alle Ekel der Gräber geoffenbart werden, von denen er ja ohnedies nicht mehr sehr weit ist. Zwei wichtige Motive sollen besonders hervorgehoben werden. Jener Motivwechsel, dass die Larven als Dämonen, Seelenführer und Menschentöter die Rolle Merkurs und des Tha­natos-Todes gespielt haben, war also zur Le­benszeit des Apuleius in allen Kreisen des rö­mischen Volkes so eingebürgert, dass man je­manden, der eine Merkur-Statue besessen hat, wegen Magie anklagen konnte. So sicher wa­ren die Feinde des Apuleius, dass diese Statue ein Skelett ist. Bezüglich des lateinischen Namens des „Zauberers", „larvans", s. jenes Bild auf einem Achat, das von Gori veröffentlicht wurde. 1 Die­ser Greis bläst auf Steinen sitzend eine Dop­pelflöte und ein Toter erscheint ihm in der Form eines tanzenden Skelettes. Über dem Musizie­renden flattern zwei Schmetterlinge die mensch­liche Seele symbolisierend. Der Alte ist also ein Zauberer, ein „larvans". Durch die Töne der Doppelflöte kann er die Toten, die Gespenster aus der Unterwelt heraufbeschwören. Im Orient war die Form des Zaubers durch Tanz und Musik immer Mode. Heute befinden sich noch im Orient „Schlangen-Zauberer" oder „Schlangen­Bändiger", die auf einer Flöte ihren Schlangen zum Tanz aufspielen. Nicht umsonst wurden al­so auch diese tanzenden Skelett-Dämonen mit Schlangen abgebildet. Denn eigentlich hat ja die 1 Gori, Mus. florent. vol. I tab. 91. cf, Gorii obser­vat. ib. p. 175; weiter Galerie de Florence, ed. Wicar, tom. 111, p. 28.; Kastner, Les danses des m. S. 42—43; vgl. Wessely : Die Gestalten des Todes usw. Leipz. 1876. S, 33,

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