KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

Schlange mit der Verwesung des Leichnams nichts zu tun. Die Zersetzung des Totenkörpers geschieht ja durch Würmer und nicht durch Schlangen. Das Dämonische dieser Schlangen, sowie auch das Dämonische und Teuflische der Skelett-Gestalt musste also auch von den Römern aus dem Orient entlehnt worden sein. M. Alfr. Maury vertritt die Meinung, 1 dass das Bild auf dem Achat als eine Szene der „Compitalia" zu betrachten sei. Nach altrömi­scher Sitte wurden die Lares auf dem Kreuz­wege (compitum) auf ähn'iche Weise geehrt. Dass man diese Zauber-Szene gerade auf einem Achat abgebildet hat, beweist, dass man das Skelett als ein Zauberzeichen betrachtete und als Amulett trug. Auch in dieser Hinsicht müssen wir feststellen, dass man den Bildern des Skelett-Ker-Todes auf jenen Gemmen eben­solche magischen Zauberkräfte zugeschrieben hat, wie dem Larven-Gespenst auf dem genann­ten Achat und dass man das Bild des Skelett­Ker-Todes ebenso in Gemmen geschnitzt als Amulett getragen hat, wie die Zauberdarstellun­gen der Skelett-Dämonen. Mit anderen Worten gesagt, ist der Skelett-Ker-Tod mit den Dämonen, Lemuren, und tötenden, sowie seelenführenden Larven identisch. Das Skelett ist ein mystisches Zeichen der Alchimie. Als solches ist es „die Imagination, welche sich beim Freiwerden vom Leibe ergibt". 2 Das Skelett galt im Orient immer als ein hoch­geschätztes und mit grosser Ehrfurcht verehrtes, mystisches Zeichen für die vom Leiblichen und Irdischen befreiten Seele. Im Orient verglich man das Skelett mit dem Mond. Wie der Mensch in seinen Knochen die Stütze seines Leibes und Lebens und zugleich aber auch die letzten Reste seines Verwesungsendes in sich trägt, so reprä­sentiert die tote Schlacke des Mondes das Glei­che für den ganzen Kosmos. Der Grund, warum die Totenverehrung zum Mittelpunkt einer kultischen Zauberhandlung der Magie wird, ist im Glauben an eine Rein­karnation, in der Seelenwanderungslehre der orientalischen Religionen, der antiken Philoso­phen und einzelner Häresien zu suchen. Beson­ders wertvoll sind jene christlichen Dokumente, in denen diese Irrlehre der heidnischen Religio­nen erwähnt wird, um in ihr die Quelle irgend­einer häretischen Weltanschauung zu entlarven. Die Rede des Kaisers Konstantin 3 betont, dass nach Piatons Auffassung 4 die Seelenwanderung Strafe des sündhaften Lebens sei. Die Seele des Mannes, der sündhaft gelebt hat, muss nach dem Tode in ein Weib oder in ein Tier fahren. Erst nach einem solchen Sühneleben kann die Seele wieder in den Leib eines Mannes zurück­1 Revue archéol. 1848. 2 Basilius Valentinus : Zwölf Schlüssel, Cassel 1614; vgl. W. J. Stein : Weltgeschichte im Lichte des heiligen Gral Bd. 1. Stuttgart, 1928, S. 274-275. 3 Eusebius. Bd. I. Bibl. d. Kirchenv. Kap. IX. 4 Tim. 41 E ff. kehren. Die Männer reinen Lebens werden ewig belohnt. Auch nach Phaedo 113 ff. müssen die Seelen der Schlechten in den Fluten des Ache­ron und Pyriphlegethon wie Schiffstrümmer unstet hin und her treiben. Nach Hippolytus 5 haben die Schüler des Pythagoras, die Esoteriker (Py­thagoreer) und die nicht eingeweihten Exoteri­ker (die Pythagoristen) gleichsam die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, sowie von der Seelenwanderung zum Leitmotiv ihrer Weltbe­trachtung gemacht. Selbst Pythagoras sagte von sich, dass er vor der trojanischen Zeit Äthali­des, in der trojanischen Zeit Euphorbus gewe­sen sei. Dann soll er auch die Gestalt des Her­motimos aus Samos, des Pyrrhus aus Delos ge­habt haben. Diese Lehre des Pythagoras, über welche die Doketen meinten, 8 dass es seit der Erscheinung des Heilandes keine Seelenwande­rung mehr gebe, hat Karpokrates noch weiter ausgearbeitet. 7 Die christlichen Väter sehen aber in diesen Beispielen der Seelenwanderung eine leise Vorahnung der Wahrheit, welche in der christlichen Lehre von der Auferstehung zum Ausdruck kommt. So erwähnt Theophilus von Antiochien in dem I. Buch seines Autolykus 8 als heidnische Beispiele der Auferstehung He­rakles und Asklepios. Ersterer lebt unter den Göttern, obwohl er sich selbst verbrannte, letz­terer wurde später auferweckt, obwohl ihn der Blitz niederschlug. Und gerade dieser Asklepios ist Gegenstand der magischen Zauberkünste, von denen Celsus in seiner christfeindlichen Schrift „Wahres Wort" 9 erwähnt, dass sie von ägyptischen Magiern, „die auf den Märkten um wenigen Groschen die Seelen der Heroen be­schwören", häufig missbraucht werden. Wie der Klazomenier Anaxagoras, Schüler des Her­motimos, der nach Celsus 1 0 oftmals den Leib verliess, um ohne Leib verschiedene Orte zu be­suchen, 1 1 und wie Aristeas von Prokonnesos, der in göttlicher Weise aus den Augen der Men­schen verschwand und später zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten erschien und wunderbare Dinge verkündete 1 2 und dessen Bildsäule die Metapontiner den Rat des Apollo befolgend einer göttlichen Verehrung würdigten, so wurde auch Asklepios nach der eigenen Ver­sicherung der Griechen und Barbaren oft nach seinem Tode gesehen, „nicht ein blosses Trug­bild von ihm, sondern er selbst, wie er Krank­5 Philosophumena, Buch I. Kap. 2 ff. Bibl. d. Kir­chenv. Bd. 40, S. 20-21. 6 Hipp. Vlll. 8 ff., ebenda S. 225 ff. 7 Hipp. Vit. 32; ebenda S. 219-220. 8 Bibl d. Kirchenv. übers. Leitl. S. 22—24; Kap. 13. 9 zitiert im 68 Kap. des I. Buches der Schrift des Origines „Contra Celsum"; Bibl. d. Kirchenv. Orig. II. übers. P. Koetschau. München 1912, S. 96. 1 0 Orig. contra Cels 111. 32. Bibl. d. Kirchenv. Orig. II. Bd. S. 229 ff. 1 1 über Hermotimos vgl. Plin., Nat. hist. Vit. 52, 174; Lucián, Musae encom. c. 7, p. 96; Tertull. De an. c. 44. 1 2 vgl. Orig. contra Cels. 111. 26, ebenda S. 232; vgl. Pindar. Fr. 271 [194], Poetae lyr. gr. rec. Th. Bergk 1. 4. p. 466; Herodotos ÍV. 14, 15. Aelian. Hist. anim. I. 48; Plin., Nat. hist. VII. 174.

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