KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
Jüngling, in der Ker-Furie, in den Parzen und im Lemuren-Skelett von den klassischen Künstlern gleichzeitig personifiziert, ohne jenen Unterschied zwischen Ker und Thanatos zu kennen, den Lessing erwähnt. II. XXII. 208—213 : dW OTS dr; to xéxanxov írd XQOWOvg dcpixovxo, / xal TOT« dr] yovaeia nazrjQ íxhccive xáXicvxa, / ív d' íxiSei dvo xfjQS xavrjXeyéog Ihivázoio, / TTjv psv lAyi'Ű.f-og, rrjv d' " Exxogog ínnodáuoio. / íXy.s de yéaaa laßwv • déne d' "ExxoQog cuoifiov rjficcQ, / d'iyexo d' eig 'Aídao, . . . Grosse Ahnungen grosser Denker sind manchmal ein Fingerzeig für den Weg, den die wissenschaftliche Forschung einschlagen soll. Vielmals sind grosse Dichter durch ihr intuitives Schauen auf Ideen gekommen, die von der Wissenschaft erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten entdeckt und gerechtfertigt wurden. Goethe hat im zweiten Teil der Faustdichtung, in der Sterbeszene Fausts Lemuren auftreten lassen. 1 Unterbewusst hat er, der so viel Verständnis für Altertumskunde und für die Erforschung der mittelalterlichen Kultur hatte, das als Dichter inszeniert, was die Wissenschaft noch nicht zum Ausdruck bringen konnte. Er ahnte, dass die antiken Lemuren und Larven dem mittelalterlichen Tod sehr nahe stehen und dass der mittelalterliche Tod eigentlich ein dämonischer Toter sei. Im Faust sind die Lemuren die Knechte des tötenden Teufels, Mephistopheles, der hier die Rolle des Todes spielt. Mephisto scheidet die Seele vom Körper und die Lemuren sind nur Totengräber. Es ist kein Zufall, dass gerade jene Gespenster in der Rolle des Totengräbers auftreten müssen, die (nach antikem Glauben) deswegen auf der Welt umherirren, weil man ihre Körper unbeerdigt liegen liess. Uberhaupt ist die letzte Szene des Faustdramas eine dichterische Quintessenz der mittelalterlichen Literatur und der christlichen Philosophie (Ars moriendi). Die fragliche Szene des Faust spielt im grossen Vorhof eines Palastes. Faust ist der erblindete König, der die Arbeit seiner Untertanen inspiziert. Der Aufseher Mephisto ruft aber nicht die Arbeiter, sondern die Lemuren heran. Mephistopheles (als Aufseher voran) : Herbei 1 Herbei 1 Herein, herein 1 Ihr schlotternden Lemuren, Aus Bändern, Sehnen und Gebein Geflickte Halbnaturen ! Die Lemuren erscheinen mit Schaufeln in der Knochenhand und beginnen die Arbeit. Sie graben ein Grab für Faust und singen. Singend erzählen sie, dass sie einst auch Menschen waren, die gerne liebten und tanzten. Dann stolperten sie im Alter plötzlich über dem Tor des Grabes. Der blinde Faust vernimmt den Klang der schnellen Schaufeln und glaubt, dass seine 1 5. Akt. Ausgabe Ludw. Geiger. Berlin. 1887. III. Band. Goethe's Werke. S. 462—467. angebl. unter Einfl. der im Camposanto di Pisa gesehenen Bildwerke. Untertanen die begonnenen Bauarbeiten fortsetzen, und spricht seine Zufriedenheit über den aufbauenden Fleiss seiner Untertanen aus. Aber das hat eine symbolische Bedeutung. Die Menschenarbeit ist im Grundsatz doch nur das Graben des eigenen Grabes. Faust stirbt und die Lemuren legen ihn irts Grab. Ihr Gesang beschreibt die neue „Wohnung" des Körpers : Lemur (Solo) : Wer hat das Haus so schlecht gebaut, Mit Schaufeln und mit Spaten ? Lemuren (Chor) : Dir, dumpfer Gast im hänfnen Gewand, Ist's viel zu gut geraten. Lemur : Wer hat den Saal so schlecht versorgt ? Wo blieben Tisch und Stühle ? Lemuren : Es war auf kurze Zeit geborgt ; Der Gläubiger sind so viele. Hierauf beschwört Mephistopheles den Leichnam Fausts, die Seele freizugeben. Die Lemuren sollten auch die Seele in die Unterwelt, in das Reich des Mephisto führen, wie einst das auch die mit den Lemuren gleichwertigen Larven der antiken Mythologie getan haben. Die Seele Fausts wird aber nicht in die Hölle, sondern in den Himmel getragen. Goethes Ahnung, dass aus den griechischrömischen Plagegeistern, aus den Lemuren, der Begriff des mittelalterlichen Skelett-Todes entstand, wird durch die ältesten Zeugnisse des antiken Totenglaubens bestätigt. Im zweiten Stück der mächtigen Trilogie von Aischylos (525 oder 524. v. Chr. geb., starb 456v. Chr. in Gela, Siz.), in der Tragödie „Die Choéphoren" („Die Grabspenderinnen") erzählt Orest (Zeile 268—295 und später der Chorführer Z. 401—402) den Inhalt der Prophezeiung, welche ihm ApoIIon-Loxias mitgeteilt hat. Orest handelt im Auftrage der Götter, wenn er mit Pylades aus Phokis heimkehrt, um den schmählichen Tod seines Vaters, Agamemnon, zu rächen. Wollte er den Befehl der Götter nicht vollstrecken, so müsste er sterben, denn die Rache der Ermordeten, der beleidigten Toten, ereilt ihre Verwandten, trotzdem sie schon im Grabe liegen. Wenn die Verwandten die Ermordung der im Grabe liegenden Toten nicht rächen, so werden sie von schrecklichen Krankheiten heimgesucht, welche ihren Körper, ihre Nerven in Fetzen zernagen. Apollon spricht von der Erinnys, die mit ihren vielen Schwestern, mit einem Heere der Furien aus dem Blute des ermordeten Agamemnon steigt. Diese Strafe sendet der Tote aus der Tiefe seines Grabes, da er ja alles sieht, was auf der Erde geschieht, wenn er auch selber in der Finsternis des Grabes lebt. Der Tod Agamemnons beschwört die Erinnys aus der Unterwelt auf die Erde herauf, und die Furie des Gewissens muss die Ermordeten verteidigen und die Hinterbliebenen zur Rache anspornen. Der schwarze Pfeil der To-