KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

des Aschylos. Der Maler Theophrastus Poly­gnotus aus Thasos (ca. 463 v. Chr.) hat die Xéaxrj oder Gasthalle von Delphi mit Gemälden über die Verwüstung von Troja und über die Un­terwelt geschmückt und personifizierte „die Ver­wesung" in einem Dämon, der in einer schreck­lichen Gestalt erscheint und die Leichen benagt. 1 In seiner berühmten Reisebeschreibung nsQirjyrjms zrjg c EUáóog (10, 25—31) gibt Pausa­nias (ca. 160—174 n. Chr.) eine ausführliche Be­schreibung des Bildschmuckes, den er in Delphi persönlich bewunderte. In der Gegend von Del­phi soll der merkwürdige Glaube gelebt haben, dass wenn die Toten zu den infernalen Woh­nungen gelangen, Eurynome die Leiber der To­ten mit ihren blutgierigen Zähnen zerfleischt und dem unterirdischen Leben der Toten nur das Skelettgerüst überlässt. 2 Abgesehen davon, dass wir es hier mit einem unbestreitbaren Beweis des Vorhandenseins des Gisant-Typs in der griechischen Antike zu tun haben, hat das Bild­werk des Polygnotus auch noch die Bedeutung, dass der Begriff des körperlichen Todes und der Verwesung schon nach antiker Vorstellung mit dem Teuflischen und Dämonenhaften verwandt war. Dieser Zug der klassischen Kunstvorstel­lung hat übrigens schon mehrere Jahrhunderte v. Chr. orientalische Quellen. 8 Der Todesgott einzelner orientalischer Religionen ist meistens mit dem bösen Prinzip identisch. Dabei ist es mit besonderem Nachdruck hervorzuheben, dass die meisten Lichtgottheiten oder teuflischen We­sen der wedischen Religion, sowie jene des aus ihr entstandenen Brahmanismus und Hinduismus zugleich auch einen weiblichen Doppelgänger haben. Dieser Umstand würde es leicht erklärbar machen können, warum die Todesgestalten des Altertums, sowie dieselben des Mittelalters auch in einer weit üblichen Furiengestalt, in der Form eines weiblichen Todes erscheinen. In den Pu­ränas, in der Sammlung von mythologischen Märchen der Hindus, wird z. B. der Gott der Vernichtung, Schiwa, fürchterlich charakterisiert. In einem Gefolge von Dämonen und Geistern tritt er auf, nackt, mit zerzausten Haaren, mit menschlichen Knochen und Schädeln be­deckt, grässlich brüllend, mit drei glühenden Augen. Er ist mit einem Dreizack bewaffnet. Die ihm entsprechende Frauengestalt ist Dewi oder Bhäwani. Sie ist nach der Vorstellung der Bengalenbewohner schwarz, mit Blut bespritzt, mit Schlangen bedeckt und mit einem Kollier aus Menschenknochen und Menschenschädeln ge­ziert. 4 Auch bei den Persern ist das schlechte Prinzip, Ahriman, der ebenfalls als Führer der Däwen erscheint, gleichzeitig zum Todesgott ge­worden und behauptet einen Gegensatz zum Lichtgott Ormuzd, zum Gotte des Lebens. 6 Der Dualismus wird bei den Ägyptern in Osiris und 1 Plin. n. h. 7, 205. 2 Pausanias, 10, 28. 3 G. Kastner, Les danses d. morts. Paris 1852. S. 27 ft. 4 vgl. bei Kastner a. a. 0. pl. I. fig. 7. 5 Plut. Is. 46; Alex. 30. Set, in Isis und Nephtys, in Horus und Apo­phis personifiziert. Typhon, das Ungeheuer der Griechen, welches im Kampfe gegen Zeus zeit­weise siegend seinem Gegner die Hippe ent­reisst und dadurch schon die Rolle des mit einer sensenähnlichen Waffe bewaffneten To­desdämons spielt, 6 wird mit Set, dem Gegner des Osiris identifiziert. Von ihm stammen die bösen Geister und die Harpyien, 7 die zwei mär­chenhaften Hunde, Orthrus und Cerberus, die Chimära 8 und der Löwe von Nemea. 9 Der mit Hippe bewaffnete Todesdämon der Griechen ist also ein Weltungeheuer und wurde zur Paral­lelerscheinung jener orientalischen Gottheiten, in denen das böse Prinzip verkörperlicht wurde. Auch im Mittelalter wächst die Todesge­stalt aus den verschiedenen Teufels- und Dä­monengestalten heraus. Die mittelalterlichen Maler vereinigten im mittelalterlichen Teufel alles, was die antike Kunst an dämonischem, tiermenschlichem, sa­tyrischem Charakter geboten hatte. Während aber der Typhon der ägyptischen Religion die Personifikation des Sturmes, der Ahriman der Perser die Personifikation des bö­sen Prinzips ist, kennt die christliche Religion kein böses Prinzip, das als ein Gegenpol des Prinzips des Lichtes, Gottes aufgefasst werden könnte. Luzifer oder Satan ist „Lichtträger", ein Engel hohen Ranges, der aber von Gott abge­fallen in die Harmonie der Schöpfung störend eingreift. Der logische Gegensatz des christlichen Teufels ist nicht Gott, sondern der getreue Engel. Homer nennt II. XXII. 208-213 die Ker und Thanatos gleichzeitig, fj Krjo (KrjQÓg) ist die „Göttin des Missgeschickes" und zugleich „das Missgeschick", ein mystisches Etwas, das die Stunde des Sterbens entscheidet. Hektor wird von Achilles verfolgt und nur die Götter wis­sen, was sein Schicksal sein wird. Als die beiden Helden schon das viertemal rings um die Stadtmauer gelaufen waren, hielt Zeus, der Vater, seine goldene Wage hoch und warf in die eine Wagschale „die Ker" des Achilles und in die andere jene des Hektor — und die Schale des Hektor senkte sich in den Ha­des, so dass ihn sein Beschützer, Apollon, ver­hess und er sterben musste. Hier entscheidet Zeus darüber, welcher von den beiden sterben soll. Dasselbe Motiv kehrt im Mittelalter wieder : der Engel hält eine Wage in der Hand und wiegt die guten Taten und Sünden, indem die Schale der Sünden von einem Teufel hinunter­gezogen wird. 1 0 Dieser von Homer erwähnte unpersönliche Begriff der Ker wird im Thanatos­6 Apollod. 1, 6, 3.; Ov. Fasti. 1,573.4,492; vgl. An­ton. Liber 28; Hyg. poet. astr. 2, 28 : Ov. Met. 5, 321 ff. 7 Typhonides, Val. Flacc. 4, 428. 8 die Sphinx. Apollod. 3, 5, 8. 9 Hes. Theog. 306 ff.; Apollod. 2. 3, 1. 5, 1. 10, 11. 1 0 vgl. die Darstellung des Todes Heinrichs II. auf den Bildern der rechten Seite des Portals der Basilica di S. Lorenzo Fuori Le Mura in Rom aus dem XIII. Jh. und die Worte des Königs in der XVIII. Str. des spanischen Todes-Tanzes.

Next

/
Oldalképek
Tartalom