KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

tten drei Brüdern in voller Eintracht gelebt hat, dreileibig, d. h. mit sechs Händen, sechs Füs­sen und drei Köpfen vorgestellt haben. Wenn also die Gnostiker den Urmenschen nach grie­chischem Vorbilde mit dem „Mondhorn" ver­glichen haben, so haben sie das wahrscheinlich deswegen getan, weil sie die drei Phasen der Menschwerdung am Lebensrade mit den drei Phasen des Mondes in Beziehung brachten. Wenn also Hermes der Führer der Seelen am aufwärts und abwärts strömenden Lebens­Ozean ist, ja selbst zum Erklärer und Schöpfer des Gewordenen, Werdenden und Künftigen, zu einer Personifikation des Kreislaufes am Lebens­rade wird, und wenn weiter dieses eigenartige Le­bensrad als eine dreiteilige Konstruktion betrach­tet werden kann, welche aus einem Höhepunkt, aus einem Tiefpunkt und aus einem Zwischen­stadium bestehend auch auf den Gisant-Typ der Everyman-Gestalt übertragen wurde und schon bei den Gnostikern mit der Urform der späte­ren Todes-Sichel, mit dem Mondhorn in Ver­bindung trat, so musste auch die Hermes-Mer­kur-Gestalt infolge ihrer Lebensrad-Eigenart am Werdegang der Skelettgestalt des Thanatos teil­nehmen und als das personifizierte Skelett-Sta­dium des Lebensrades erscheinen. In dem Skelett-Merkur der Fig. 9 bei Kast­ner wird also noch zur Zeit der klassischen Kunst-Hegemonie der Begriff des mittelalterli­chen Todes mit dem Lemuren- oder Larven-Ker­Tod, d. h. mit dem als Skelett verkleideten kör­perlichen Moira-Tod des Altertums gleichwertig. Oder ist der mittelalterliche Tod noch mehr, als diese antike Skelettgestalt des Todes ? Un­bedingt. Obwohl auch er den Körper eines To­ten trägt und als ein teuflischer Toter erscheint, um die Lebenden zu töten und in die Hölle zu führen, hat er auch andere Eigenschaften, die zwar nicht so entscheidend sind, aber ein Geheimnis verraten, das für den mittelalterlichen Tod ebenso wichtig ist, wie für den antiken Skelett-Tod das Geheimnis des „Leichen-Tha­natos" entscheidend war. Dieses Geheimnis des mittelalterlichen To­des ist, dass er eigentlich trotz seiner Ähnlich­keit mit dem antiken Skelett-Keren-Larven-Tod der Gemmen doch nicht die direkte Fortsetzung des antiken Skelett-Todes ist. Die ersten zehn bis zwölf christlichen Jahrhunderte haben die antiken Motive gemieden. Man entlehnte jene orientalischen Motive, deren Charakter in der apokryphen Literatur christianisiert wurde. Und dann ? Dann beginnt die Entwicklung der „To­desgestalt" wieder vom Anfang an 1 Jener Grund­satz, den wir als das allgemein gültige Gesetz der Entwicklung der Todesgestalt bezeichnet haben, ist ein allgemein menschlicher. Was Wunder, wenn die mittelalterliche Todesgestalt die Ent­wicklung wieder von neuem anfängt und sich nahe denselben Regeln der Skelettgestalt nähert, wie der antike „körperliche Tod" ? Erst der Humanismus und die Frührenais­sance-Zeit können nähere Beziehungen zur anti­ken Todesgestalt aufweisen. Die Wiederholung des antiken Furien-Motivs taucht schon frühzei­tig auf und wird immer häufiger. Ja, knapp vor der Entstehung des Totentanzes aus der Ge­samtlegende wird das Motiv der Furie mit dem Skelett-Tod vereinigt. 1 Woher soll aber die Skelettgestalt des mit­telalterlichen Todes stammen ? Nachdem sich die orientalischen Motive bis zur Todesfurie ent­wickelt hatten, haben derselbe Humanismus und die Renaissance samt der Furie auch die Skelett-Gestalt des körperlichen Todes nach an­tiken Vorbildern erschaffen ! Dabei ist freilich die Idee des christlich­mittelalterlichen Todes grundverschieden vom Inhalt der antiken Todesidee. Der Tod ist nach der Vorstellung des klassischen Altertums ein Naturgesetz, dem sich der Mensch ebenso er­geben muss, wie das Tier (das ist der tiefe Sinn der Seelenwanderung, nach der die mensch­liche Seele in ein Tier übertragen wird ; mei­stens durch Hermes). Aber die christliche Re­ligion will die Vergänglichkeit nur als Übergangs­stadium betrachten. Der Tod ist für den Men­schen nicht natürlich, er ist nur die Folge, bes­ser gesagt, die Strafe der Sünde. Obwohl der Tod, die Vergänglichkeit, auch heute noch nur als Naturgesetz der Materie betrachtet werden kann, wäre nach der christlichen Weltanschau­ung der ursprünglich paradiesische Zustand des Menschen, in dem Gott durch eine besondere Gnade das Naturgesetz des Sterbens für den Menschen aufgehoben hat, natürlicher. Auf Grund dieser grundsätzlichen christli­chen Auffassung beginnt die Entwicklung des mittelalterlichen Todes. Die Ausdrucksform für die christliche Todesidee fand man teils in orien­talischen, teils in klassischen Traditionen. Dieser Entwicklungsgang ist nicht allein­stehend. Auch die mittelalterliche Teufelsgestalt hat eine ähnliche Entwicklung mitgemacht. Die Idee des mittelalterlichen Teufels ist von der antiken, sowie auch von der orientalischen Idee des Teufels ebenfalls grundverschieden. 2 Die griechisch-römische Mythologie kennt eigentlich keinen Teufel, nur teuflische Wesen, wie die Furien, Keren, Parzen, Larven, Lemuren, die aber nicht vollständig schlecht sind. Sie erschei­nen zwar auch den guten Menschen, aber sie verfolgen und töten nur die schlechten Men­schen, während sie manchmal die Guten sogar gegen die schlechten Menschen verteidigen. Erst später wird eine Parze oder eine Larven-Furie zu einer allgemein tötenden Macht für Gute und Sünder gleichsam. Aber ausser den teuflischen Geistern, die meist Seelenführer sind, kennt die antike Mythologie auch andere teuflische We­sen : Orcus, Sisyphos, Tantalos, Tityos, der ge­blendete Polyphem.die Kentauren und die Furien 1 Subiaco s. die Illustrationen des Danse Macabre­Bandes. 2 J. E. Wessely : Die Gestalten des Todes und das Teufels in der darstellenden Kunst. Leipzig 1876. S. 77. ff.

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