Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Ferenc Gosztonyi: Ein richtiger Roman. Die 1905 herausgegebene Mednyanszky-Monographie von Dezső Malonyay
Zeitraum 1903-1905 jährlich ein Manuskript abzuliefern. 8 Malonyay wusste also bereits Ende 1902, dass er ein Buch über Mednyánszky schreiben würde (Abb. I). 1. „Wir »Genetisten«' jrsni zsii.Mosii Zsigmond Justh (Vasárnapi Újság, 8. November 1894. 769) „Die Familie Mednyánszky war einst, in fernen Zeiten polnisch. Der erste Mednyánszky, der schon der unsrige war, kam zur Zeit des ungarischen Königs Andreas II. nach Ungarn; [...] laut Familienüberlieferung um 1221." 10 Mit diesen Sätzen beginnt die Monographie, und auf den folgenden Seiten erhalten wir eine detaillierte Schilderung der Familiengeschichte. Der Text ist mit Bildern illustriert, die - nach der Rasse das Milieu - die Familienzentren Beckov (Beckó) und Strázky (Nagyőr, Nehre) zeigen. In der Hand des Monographen sind dies beredte Beispiele für den Determinismus durch Geschlecht und Umwelt. Unter diesem Aspekt erhält alles eine Bedeutung. Wie Malonyay berichtet, gingen die Fenster des jungen Baron in Beckov genau auf die Ruinen der Burg seines Urahnen, des unbarmherzigen Woiwoden Stibor; in Strázky wiederum durchstreifte er als Kind die Keller, in denen der Überlieferung nach einst die verbannten Templer ihre geheimen Zeremonien abhielten. Und Malonyay - er war schließlich Belletrist - bemerkt an einer Stelle des Textes auch mit einem Stoßseufzer: „Denn Stibor war ein gar mächtiger hoher Herr! Seine befehlende Stimme und sein harter Blick geisterten womöglich noch immer durch die Gegend." 11 Dieser für Künstler-Monographien ungewöhnliche Beginn ist wichtig, denn auf jenen etwas trockenen, pergamentartigen Seiten baute Malonyay die Konzeption des Bandes auf. Indem er diesen Weg beschritt, verfuhr er ganz im Namen und entsprechend den Traditionen der bis 1905 allerdings zumindest schon scheintoten Interpretationsgemeinschaft des Kreises Justh-Czóbel. Ich will nicht behaupten, dass er es direkt und programmatisch tat (dafür gibt es keinen Quellenhinweis), wohl aber, dass er überhaupt nicht anders konnte. In diesem Kreis, durch sie hatte er gelernt, Mednyánszky zu sehen und zu verstehen. Wenn er über ihn schrieb, sprach er in ihrer Sprache, wiederholte er ihre Worte. Als Erklärung für das Leben und die Kunst Mednyánszkys akzeptierte er die auf der Evolutionstheorie fußende - später noch ausführlicher zu behandelnde - „fin de race"-Interpretation. Ein paar Seiten weiter deckte er im Zusammenhang mit der Geschichte der sechs Schlösser von Beckov durch ein Schlüsselwort auch ganz eindeutig seine Karten auf: „In den sechs Schlössern lebten die Familien Révay, Jakusits, Pongrácz, Nádasdy, Eszterházy und Mednyánszky, sie bildeten eine völlig separate kleine feudale Welt, - und damit die Dekadenz noch verhängnisvoller werde, suchten sie auch das Eheweib nicht jenseits der Burgschanzen, sondern heirateten untereinander." 12 Das sind bekannte Sätze, und bekannt ist auch das hervorgehobene Wort. Das ist die Welt von Fuimus. Zsigmond Justh (1863-1894) gab in dem erst ein Jahr nach seinem Tode erschienenen Roman Fuimus mit der Schilderung von drei Familien ein Bild vom „Niedergang der Welt der Oligarchen Oberungarns". 13 Das Zitat aus der Mednyánszky-Monographie geht im wesentlichen auf Jusths Beschreibung zurück: „Die Familien Márfay, Graf Niffor und Baron Czobor waren die angestammten Geschlechter des sich lang an der Waag dahinstreckenden Komitats. Márfa war der Sitz derer von Márfay [...], Feketevár [Schwarzburg] gehörte dem Geschlecht Czobor, Újvár [Neuburg] dem Geschlecht Niffor. [...] Von diesen uralten Burgschlössern aus erledigten sie schon seit vier- oder fünfhundert Jahren die Angelegenheiten des Komitats; die Familien heirateten ständig untereinander." 14 Der Zusammenhang ist also vorhanden, die Geschichte der miteinander im Dialog stehenden Texte - und Autoren - begann aber bereits früher (Abb. 2). Die im späteren zu verfolgenden Fäden laufen am auffälligsten in diesem anderen Buch, in dem postum erschienenen Werk Fuimus, zusammen. Das Vorwort zu dem Band verfasste Malonyay gemeinsam mit Gyula Pékár (1867-1937). Die Hauptakteure des Romans sind - mit veränderten Namen - die Gründungsmitglieder des Kreises Justh-Czóbel: der Religions- und Kulturhistoriker István Czóbel (1847-1932) und seine Schwester, die Dichterin Minka Czóbel (1855-1947), sowie László Mednyánszky und der Autor Zsigmond Justh selbst. István Czóbel hatte 1887 Mednyánszkys Schwester, Margit Mednyánszky (Miri), geheiratet. Justh war 1889 von Mednyánszky den Czóbels vorgestellt worden, und von dem Zeitpunkt an bis zum Tode von Justh 1894 können wir das Wirken des Kreises datieren. Als „Schüler" gehörten noch die SchriftstellerEntdeckungen von Justh, Gyula Pékár und Dezső Malonyay, zu dem Kreis. Der Roman Fuimus entstand als ein Band der geplanten - und von István Czóbel benannten - , allerdings nur fragmentarisch verwirklichten Studienreihe A kiválás genezise [Die Genesis der Auslese]. 15 Justh hatte Malonyay in Paris kennengelernt, wie er am 5. Oktober 1893 in einem Brief an Minka Czóbel berichtete: „Wir haben auch einen jungen Schriftstellergefährten, Dezső Malonyay, der von unseren Ideen entzückt ist und in diesem Sinne Briefe für das Pesti Napló schreiben will." 16 Es war charakteristisch für Jusths Methode der Kontaktaufnahme, dass er, nachdem er seine Freunde mehrfach in Briefen auf Malonyay aufmerksam gemacht hatte, am 31. Oktober 1893 den gerade in Paris weilenden Pékár aufforderte, Malonyay doch unter der angegebenen Adresse unbedingt aufzusuchen. 17 Aus dem Treffen wurde eine enge Freundschaft, für die sich Pékár im November in einem begeisterten Brief - und mit einer psychologischen Bravourleistung - bedankte: „Ich danke dir, dass du mich mit den Malonyays zusammengebracht hast. [...] Dezső habe ich in diesen Wochen lange studiert und ihm meine Beobachtungen auch mitgeteilt: er ist ein nördliches, etwas sentimentales und vor allem tödlich, bis zu Gewissensqualen selbstanalytisches Temperament, das in der ultramodernen Luft von Paris vielen Gefahren ausgesetzt ist. Schöpferisches Schaffen und abermals schöpferisches Schaffen! Aber hier in Paris gibt es so viele Onanisten-Analysten, dass ich ihm das Lesen einiger Bücher, z. B. das ,à rebours' [Gegen den Strich], entschieden