Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Ferenc Gosztonyi: Ein richtiger Roman. Die 1905 herausgegebene Mednyanszky-Monographie von Dezső Malonyay
verboten habe." 18 Dem frühen literarischen Schaffen Malonyays ist - hauptsächlich was seinen Roman Az utolsó [Der Letzte] (1896) betrifft - zu entnehmen, dass das Verbot des im Brief erwähnten Huysmans-Buches nichts fruchtete. Die Freundschaft zwischen Malonyay und Pékár vertiefte sich trotzdem zusehends, wie Malonyay in einem Brief an Minka Czóbel - schon nach dem Tode Jusths - begeistert berichtete: „Pékár gehört zur Familie, ist mir wie ein leiblicher Bruder. Alles unternehmen wir ohne Ausnahme gemeinsam, wir arbeiten und planen zusammen." 19 Pékár war ebenfalls von Justh in die Gesellschaft eingeführt worden, jedoch schon Jahre vor Malonyay. Über die etwas komischen Umstände, unter denen ihre Freundschaft begann, erfahren wir aus den tagebuchähnlichen Aufzeichnungen, die Pékár - sicher beeinflusst von Justh - unter dem Titel Emberi Documentumok [Menschliche Dokumente] führte: „31. Okt. 1891. Im Mai habe ich Zsiga Justh kennengelernt. Ich hatte einen Artikel bei A Hét. Justh, gerade von Kairo zurückgekehrt, sah ihn und glaubte wegen der Ähnlichkeit der Schrift zunächst, er hätte ihn geschrieben. Er las ihn, und der Text gefiel ihm. Auf der Andrassystraße stieg er aus dem Wagen, sprach mich an und stellte sich vor. Fast zehn Tage lang waren wir sehr viel zusammen." 20 Justh hatte Malonyay und Pékár auch mit nach Strázky genommen und sie den Mitgliedern des Kreises vorgestellt; mit Mednyánszky hatte er sie ebenfalls bekannt gemacht (Abb. 3). 1.1. Justh, Mednyánszky und Fuimus Unter dem Datum 7. Mai 1889 notierte Justh in seinem Tagebuch über Mednyánszky jene Zeilen, die nicht nur als Vorläufer des 1890 veröffentlichten Artikels Báró Mednyánszky Lászlóról [Über Baron László Mednyánszky] gelten können, 21 sondern uns auch den Schlüssel zu seinem postum erschienenen Roman Fuimus (mit Sicherheit sein Hauptwerk) geben. „Dort schläft in einer Ecke des großen Ateliers auf einem riesigen Bärenfell der moderne Sokrates, mein Vetter in Stibor, der gefühlvollste ungarische Künstler: László Mednyánszky. Und zudem einer der genialsten Sonderlinge, der gute Medi. Hier sein Porträt: Kahler Schädel, struppiger, langer Bart, eine im Vergleich zum Kopf kleine, platte Nase, winzige blaue Augen mit verschleiertem Blick und dem Ausdruck eines Kindes. Unordentliche, schmutzige und vernachlässigte Kleidung. Zynisches Äußeres von Körper und Seele. Überhaupt spielt er den Zyniker, wenn gleich in seinem großen Herzen eine ganze Welt Platz fände. Sein eigenes unendliches Leid, seine Tragik haben ihn Mitleid gelehrt, die Liebe zu der schwachen Marionette Mensch. Aus seinen Bildern, aus seinen mildblickenden, gütigen Augen - aus seiner Seele spricht die Religion des menschlichen Leidens. Die letzte Station auf dem Wege eines uralten Geschlechts. In ihm kulminieren Dekadenz, Krankheit, ja womöglich die Vergehen von Jahrhunderten. Von dieser Art sind wir unser vier im Vaterland: er, Géza Batth[yány], István Forgách (zumindest laut Mednyánszky, ich kenne ihn nicht) und meine Wenigkeit. Wir sind der Nation, aus der wir hervorgingen, um Jahrhunderte voraus, darum werden wir nicht verstanden, darum können wir nicht verstanden werden. An uns wird schon der Beginn der Zerstörung spürbar. Es ist eine nur zur Arbeit, zum künstlerischen Schaffen - nicht aber zum Leben fähige Rasse. Die Kunst des Lebens und des Wohlergehens ist uns nicht gegeben. Unser homogener Boden wäre in einer viel älteren, erschöpfteren Zivilisation zu finden - Paris zieht uns alle an!" 22 Justh hat seine Begegnung mit Mednyánszky von 1889 in zwei Schriften aufgearbeitet. Die eine war für die Öffentlichkeit bestimmt und manifestierte sich in dem Artikel Báró Mednyánszky Lászlóról [Über Baron László Mednyánszky], der 1890 in A Hét erschien. 23 Zunächst kurz darüber. In der kleinen Studie vollbrachte Justh eine große Tat. Er sprach als erster von der Einheit zwischen dem Leben und der Kunst Mednyánszkys und behauptete, dass sich das eine nicht ohne das andere erklären lasse - damit war der Interpretationskreis für immer geschlossen. Justh löste diese scheinbar komplizierte Angelegenheit mit einer winzigen logischen Verschiebung. In einem Satz sprach er noch davon, dass sich Mednyánszky nicht ideell („obwohl seine Malerei [...] voller Philosophie ist"), sondern über den Trost, den seine Bilder spenden, verständlich macht. Im folgenden Satz verschmolz er beides schon zu einer Einheit - was dann nie mehr getrennt werden sollte: „Aber sein Leben war wie seine Bilder. Er ist bemüht, für andere zu leben, denn für sich allein könnte er nicht leben." 24 Darauf folgt das konkrete, erschütternde Beispiel: „Manchmal aber fanden wir ihn in einem solchen Zustand, dass in der Tat kaum jemand irgend etwas hätte für ihn tun können [...] zumindest nichts greifbares." 25 Wir sind schon so daran gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr auffällt, aber die Studie von Justh ist die erste Schrift, in der solche Sätze vorkommen! Er war es, der - mit diesem Artikel - in der Mednyánszky-Literatur den Begriff Indiskretion nicht nur relativierte, sondern auch als Vorbedingung für das tiefere Verständnis festlegte. Dezső Malonyay und - wenngleich sehr viel später - Gyula Pékár waren auch darin seine besten Schüler. Die Czóbels fanden ebenso Gefallen an dem Artikel. „Sehr erfreut haben wir deinen herrlichen Artikel über László gelesen, besser und feinfühliger hätte der alte Hund nicht charakterisiert werden können." So schrieb István Czóbel am 22. Juli 1890 an Justh. 26 Das war also die Schrift für die Öffentlichkeit. Die andere - oben des öfteren zitierte - Schrift war für den internen Gebrauch bestimmt und half Justh selbst, sich über das Erlebnis klar zu werden. Daraus wurde - wie ich annehme - Fuimus. Den Zusammenhang zwischen beiden Schriften - hier: die Gleichzeitigkeit - belegt Justh in einem Brief von 1890 an Minka Czóbel: „Ist der alte Hund also gekommen? In meinem Roman spielt er eine große Rolle. So eine Art Vorsehung. Was gut zu seinem großen kahlen Schädel passt!" 27 Bestimmt war schon damals, 1890(!), von Fuimus die Rede. Mednyánszky hatte seinen Anteil an der Grundkonzeption von Fuimus, das geht auch daraus hervor, dass unter den Aufgezählten eine Person war, die nur Mednyánszky kannte, Justh aber nicht! Sie beide hatten, als