Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919
11 László Mednyánszky: Téli est (Tátrai téli táj) [Winterabend (Winterlandschaft in der Tatra)], ausgestellt im Jahr 1914, auf der Frühlingsausstellung der Kunsthalle (Heute UNG, Inv.-Nr. 4670, Öl auf Leinwand, 80 X 100 cm) Anlässlich derselben Ausstellung schrieb Lajos Fülep eine zweite Kritik über Mednyánszky: „In Mednyánszkys Bild Oszi világ [Herbstwelt] fühlt man, dass sich die mächtige, in ihrer harmonischen Ruhe lebende Natur äußert. Dieses prachtvolle Sterben, welches nur die Natur erträumen kann, im herbstlichen Untergang der entschwindenden Sonne, wo sich der Tag in der Nacht auflöst. Dieses Bild ist nicht im Freien verfertigt worden, Mednyánszky hat es empfunden, und diese Empfindung hat er als monumentales Poem auf die Leinwand gemalt. Er sah aber, was er malte, weil nur die ersehene, beobachtete und erlernte Natur dermaßen ihre Schätze dem Pantheisten zur Verfügung stellt, der sich an den Blütenblättern der kleinsten Blume erbaut, und ihre getreue Wiedergabe, Modellierung und Reproduktion erlernt. Und auch er musste bei der Wahrhaftigkeit lange stillhalten, ehe er zum Schönen gelangt ist." 51 Fülep brachte in die Interpretation von Mednyánszky einen neuen Aspekt ein. Er konkretisierte, formulierte die Weltanschauung des Malers und glaubte als Grundlage von dessen Naturanschauung den Pantheismus zu erkennen. Wenig später, diesmal nicht anlässlich einer Ausstellung, sondern in einem Artikel, der sich mit den aktuellen Problemen der modernen Kunst auseinandersetze, schrieb Fülep eine kurze Würdigung, die wohl zum ersten Mal das Problem von Mednyánszkys Verhältnis zur modernen Malerei anreißt: „László Mednyánszky ist ein wirklich hervorragender Beobachter und Poet der Natur, er ist ein einsamer Künstler, der in seiner eigenen, in einer Welt für sich lebt, wo auch immer er sein mag. Er hat die Inspiration in sich, und deshalb ist nichts falsch, was er gibt. Wo andere Maler malerische Probleme lösen, dort erklingen bei ihm große Geistesemotionen. Er ist einer der größten ungarischen Poeten. Seine breite Schilderung umfasst Welten, und was er mit seinen Gefühlen, Sinnen nicht erreichen kann, dort träumt sein Gedanke weiter. Seine Entwicklung hat er selbst erlebt, er war sein eigener Entdecker und Bearbeiter; er war gegenüber der externen Entwicklung der Kunst genauso empfindungslos, wie gegenüber der Welt und den Menschen; er versteht nur das, was unmittelbar ihn selbst betrifft, und vielleicht mag er sich für die neuesten, großen Änderungen der Kunst interessieren, doch beeinflussen ihn diese nicht. Er ist vollkommen unzugänglich, er ist der Typ, der nach dem ersten Schwanken instinktiv seinen eigenen Weg findet und von diesem nicht abkommen wird. Man versteht ihn noch nicht ganz, viele aber kommentieren ihn. Im Allgemeinen halten ihn wenige für einen großen Künstler, viele sehen in ihm einen tollkühnen Verfälscher der Natur. Sie behaupten, er sei sehr eigenmächtig, er male in einem Atelier, gleichwie die Barbizoner. Als Mensch und als Künstlerpersönlichkeit (diese Frage gehört zwar nicht hierher) gehört er nicht zu uns, dies fühlt er auch selbst, und hält sich deshalb vom Schauplatz fern. Aus dem Zusammensein mit der Natur werden seine Werke geboren, die die große Einsamkeit, Ruhe und Stille der Natur widerspiegeln." 52 Nach der Meinung von Fülep ist Mednyánszky also ein Künstler, ein „Poet", der „nicht malerische Probleme löst", der „gegenüber der externen Entwicklung der Kunst empfindungslos ist", den die „neuesten, großen Änderungen der Kunst" nicht beeinflussen. Er kann in keine Entwicklungsfolge eingeordnet werden, man kann ihn nicht in irgendeine Schublade der aufeinander logisch folgenden Strömungen stecken. Auf diese Problematik weist ein Jahr später eine weitere Bemerkung von Fülep hin: „Es mag sein, dass Károly Ferenczy ein besserer Maler ist, als Mednyánszky, aber als Künstler ist Mednyánszky größer; doch ist die Malerei relativ und verderblich, die Kunst ist dagegen absolut." 53 Vielleicht ist es damit zu erklären, dass Mednyánszky weder Anführer, noch Mitglied einer modernen Strömung oder Gruppierung geworden ist. Dies bedeutet aber nicht, dass Mednyánszky aus dem öffentlichen Leben der Kunst ausgezogen wäre, denn auch in den folgenden Jahren nahm er an den Ausstellungen der Kunsthalle, des Nationalen Salons (Nemzeti Szalon), sogar des Künstlerhauses (Müvészház) teil. Die Kritik konstatiert jedoch immer häufiger, dass seine Kunst ermüdet sei, nichts neues bringe, nicht modern sei, sich selbst wiederhole. Hinsichtlich seiner Ausstellungstätigkeit war für Mednyánszky das Jahr 1909 am ereignisreichsten. Er präsentierte viele seiner Bilder, sowohl Landschaften, als auch figürliche Darstellungen. Auf der Frühlingsausstellung der Kunsthalle zeigte er, neben mehreren Landschaftsbildern, das Bild Siesta (Kat. 181). Die Meinungen teilten sich auch diesmal, in einigen Fragen widersprachen sie einander sogar. József Nyitray etwa bewertete die Zeichnung als sicher und suchte in der Figur des Darstestellten eine Parallele zur Persönlichkeit von Mednyánszky: „Von Baron László Mednyánszky ist jetzt unter anderen auch ein figürliches Bild zu sehen. Ein Stadtstreicher, der in der grünen Nacht auf einer Sitzbank vor sich hinträumt, mit einer sicheren Zeichnung, die man auf einigen Werken des Meisters wohl vergeblich suchen würde. Dabei ist auch dies eine Menge von verschwommenen Flecken, auch dieses Bild spiegelt die träumerische, eigenartige Persönlichkeit von Mednyánszky wider." 54 Ödön Gero dagegen (von seiner früheren, positiven Meinung abweichend) kritisierte Mednyánszky ziemlich hart: „Baron László Mednyánszkys Gemälde mit dem Titel Siesta ist auch im ersten Saal. Der Fleck, der merkwürdige starke Fleck, der die Form verschlingt und die Zeichnung inhaltslos, unbedeutend scheinen lässt: dies ist die Sehenswürdigkeit dieses kleinen Bildes. Und auch deren Lehre. Etwas, was zur Impression, und als solches zu nichts wird. Das Malerische, wenn es wider seinen Willen zur Literatur, lediglich zur Literatur wird. Das Malen dieses Bildes wurde ganz gewiss von einer malerischen Idee inspiriert, diese malerische Idee offenbart sich jedoch erzählend. Man versteht, was es sein sollte, man versteht aber auch, warum es nicht sein konnte, wofür man es bestimmte. Auf den übrigen Bildern von Mednyánszky, auf den großen Landschaften melden sich [dagegen] malerische Impressionen als poetische Stimmungen." 55 Im November desselben Jahres wurde bekannt gegeben, dass man in der Kunsthalle für das Jahr 1910 eine Ausstellung des Lebenswerkes von Mednyánszky plane. „Der vorzügliche Meister der ungarischen Malerei und Lieblingskünstler des kunstliebenden Publikums: Baron László Mednyánszky veranstaltet im folgenden Jahr, im Jubiläumsjahr der Landesgesellschaft für bildende Kunst (Képzőművészeti Társulat), zwischen der Winter- und Frühlingsausstellung eine kollektive Ausstellung all seiner Werke in der Kunsthalle beim Pester Stadtwäldchen.