Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919
ARPAD TIM AR Mednyánszky in der ungarischen Presse 1876-1919 l László Mednyánszky: Mindszentek napján [Zu Allerheiligen], vor 1888 (Verbleib unbekannt. Repr. Vasárnapi Újság, 48. 1888. 787) Die ungarische Presse verfolgte die Tätigkeit, die künstlerische Laufbahn László Mednyánszkys mit lebhafter Anteilnahme, zumeist günstig, und mit verständnisvoller Absicht. Der Maler wurde bereits während der Zeit seines Studiums entdeckt, noch bevor er mit seinen Werken an die Öffentlichkeit trat. So berichtete etwa Gyula Pasteiner 1876 in der Zeitung Kelet Népe, dass sich Mednyánszky auf seine erste Ausstellung vorbereitet hatte, um ein Bild in den Pariser Salon zu schicken. 1 Auch mehrere andere Budapester Blätter schrieben über diese Kunstausstellung. 2 In Ungarn trat Mednyánszky mit seinen Bildern erstmals - nach unseren derzeitigen Kenntnissen - im Jahre 1877 auf, und zwar präsentierte er seine Werke in der Kunsthalle, dem neuen Ausstellungsraum der Landesgesellschaft für bildende Kunst (Képzőművészeti Társulat) in der Andrassystraße, die im Herbst dieses Jahres fertiggestellt worden war. Fast alle Zeitungen und Zeitschriften berichteten über das Gebäude, über die Eröffnungsfeier und die erste Ausstellung, die dort stattfand. Auffallend ist, dass mehrere Zeitungen das Erscheinen einer neuen Landschaftsmaler-Generation hervorgehoben haben. László Berényi, ein Kritiker der Zeitung Nemzeti Hírlap, beschäftigte sich mit den jungen Malern, am detailliertesten mit dem Bild von Mednyánszky: „Unsere Landschaftsmalerei wird von einigen jungen Künstlern hervorragend repräsentiert. Zwar bewegen sich die Einzelnen nicht in dieselbe Richtung, trotzdem verfügen sie alle über dieselbe Grundstimmung. Sie entwickeln die modernen Strömungen eigenständig und bezeugen durch ihre Werke, dass ihr Hauptmeister die ewige, wahre und schöne Natur ist. Sie bedürfen keiner externen Mittel, um zu wirken, dies wird durch die mittels poetischem Gemüt und dichterischer Stimmung aufgefaßte und wahrgenommene Landschaft vollbracht. Hinsichtlich der Landschaftsmalerei ist Baron Mednyánszky eine ganz besonders beachtenswerte Erscheinung. Sein auf der Ausstellung präsentiertes Bild mit dem Titel Őszi est az erdőben [Herbstabend im Walde] ist reine Poesie, dabei wird der Waldteil mit vollem Realismus wiedergegeben, ohne jede Spur von Idealismus. Dies ist die Elegie der Natur, frei von jeder Sentimentalität. Das melancholische Licht wirkt vorzüglich auf die dunkelnden Büsche und Bäume. Der Rauch des Feuers in der Mitte steigt langsam zwischen die ihr Laub verlierenden Äste hoch. Die Dämmerung (claire-obscure) bewirkt eine hervorragende Stimmung durch die charakteristische Färbung. Die Luft ist im Verhältnis zur Beleuchtung schön durchsichtig. Das Knospen der Bäume ist meisterhaft veranschaulicht. Kurzum: das ganze Gemälde weist tiefes dichterisches Gemüt auf, welches seine Inspiration aus der Natur schöpft. Die Komposition ist von tiefer Auffassung und wird durch die sorgfältige Technik zusätzlich verstärkt." 3 Die Kritik erkannte also nicht nur das Talent von Mednyánszky, sondern auch die wesentlichen Charakterzüge seiner Kunst. Schon in den ersten Rezensionen hörte man die Schlüsselwörter - „reine Poesie", „dichterisches Gemüt", „Stimmung", „Dämmerung", „melancholisches Licht", „Elegie der Natur" -, die die Beschreibung und Interpretation der Landschaftsbilder von Mednyánszky bis zum heutigen Tage begleiten. Eine allgemeine Meinung in der Fachliteratur ist, dass Mednyánszky zwar von Anfang an auch figürliche Bilder gemalt hat, diese aber nicht oder nur selten ausgestellt hat. Aufgrund der Pressestimmen der Gemäldeausstellungen ist diese Aussage jedoch zu korrigieren, denn der Maler hat schon die zweite Ausstellung in der Kunsthalle im Frühling 1884 mit dem großformatigen Bild einer Person in ganzer Figur beschickt (Kat. 26). Diese Darstellung wurde jedoch nicht so positiv (oder zumindest nicht so eindeutig positiv) aufgenommen, wie das kurz zuvor präsentierte Landschaftsgemälde. Doch gab es einige Kunstkritiker, die Mednyánszkys Werk ohne Vorbehalt akzeptierten. So betonte etwa János Szendrei nur die Vorzüge des Künstlers: „Von den neueren Malern ist Baron László Mednyánszky zu erwähnen, der unter dem Titel Az elítélt [Verurteilter] eine kniende, halbnackte Person mit zusammengebundenen Händen präsentierte. Das ganze ist eine Studie, nach einem Modell - allerdings eine ausgezeichnete Studie, eine fabelhafte Zeichnung. Wir gratulieren dazu. "* Andere Rezensenten vermissten dagegen die Vollendung des Bildes und warfen die Frage auf, ob die Darstellung für die Ausstellung angemessen sei (obgleich auch sie das Talent und Können von Mednyánszky anerkannten). Unter den „Widerwilligen" gab es auch angesehene, renommierte Kritiker. So meinte Tamás Szana etwa, dass der Verurteilte eher an eine Aktstudie erinnere, denn an ein fertiges Bild. Zwar seien die Einzelheiten mit großer Beobachtungsbereitschaft, stellenweise mit wirklicher Bravour gemalt, „hinsichtlich der Aussage ist die Darstellung aber nicht stark genug, um die in seinem Titel indizierte Situation im ersten Augenblick begreiflich zu machen." 5 Eine ähnliche