Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919
Meinung hatte auch der bekannte Rezensent József Prém. Seine Kritik ist aber in dem Sinne beachtenswert, da hier das erste Mal Mednyánszkys „Extravaganz" formuliert wird: „Einer der Originellsten, doch ein extravagantes Mitglied der jungen Generation, Baron László Mednyánszky, hatte sich auch diesmal nicht verleugnen können. Sein lebensgroßes Bild mit dem Titel Verurteilter ist ein bizarres Bild, doch eine gewissenhafte Studie, die aus einem ausgezeichneten Modelleur- und Zeichentalent resultiert. [...] Im Ganzen genommen erhebt sich dieses Bild von Baron László Mednyánszky aber nicht über das Niveau einer Atelierstudie. Als solches aber ist es lobenswert." 6 Auch der Kritiker der Zeitung Fővárosi Lapok beschäftigte sich sehr ausführlich mit Mednyánszky und bewertete seine Arbeit als das interessanteste Bild der Ausstellung - „schon aus dem Grund, da es Mednyánszky malte, den man in Künstlerkreisen stets für ein großes Talent hielt, obwohl er ziemlich wenig produzierte; zwar malte er vieles, aber immer nur Skizzen und Studien, an den Ausstellungen nahm er selten mit größeren, bedeutenderen Arbeiten teil. Jetzt zeigt er endlich eine lebensgroße Gestalt. [...] Sein Bild ist, als ob es nicht vollständig ausgearbeitet wäre und wirkt wie eine Art von Skizzenstudie; dabei sieht man, dass es viel anspruchsvoller angefertigt worden ist, als eine reine Aktstudie. [...] Auf dem Bild sind einfache, und gerade deshalb viel wahrhaftigere Kunstelemente, die nahezu verblüffend sind. Die ganze Pose, das gesenkte Haupt und die Linie des Rückens bekunden einen tiefen Kunstsinn. Selbst wenn man in Höhe der Hüfte die einfachen Falten betrachtet, ist auf der Bekleidung (hinsichtlich der Details) zu bemerken, dass der Künstler von der Vielfalt der möglichen Falten gerade eine ausgewählt hat, welche sich an den Charakter des Motivs seines Bildes am meisten anschmiegt, welches am besten ,passt', ,stimmt', wie man es in den Ateliers zu sagen pflegt; all diese Einzelheiten verstärken konsequent denselben Ton, denselben Charakter. Dazu ist nur ein tiefer künstlicher Geist fähig. Das ein wenig monotone graue Kolorit, in dem Mednyánszky das ganze Bild hält, ist auch nicht uninteressant, die wahre Kunst ist auch hier nicht zu verleugnen, doch könnte man kaum behaupten, dass er ein markanter Kolorist ist. Die Augen des Menschen wünschten wohl eine größere Valeur hinsichtlich der Farben, einen stärkeren Kontrast hinsichtlich der gegenseitigen Effekte, denn dies bringt den Farben Lebendigkeit. Gerade deshalb scheint die Farbe des Fleisches nicht lebendig zu vibrieren, die Schatten wirken deshalb schwer, insbesondere z. B. der Schatten auf dem Rücken; dies kann nur in irgendeinem Atelier von stumpfem Reflex vorkommen, aber nicht in Pleinair. - Dass er kein Künstler mit einem gewöhnlichen Talent ist, hat Mednyánszky mit diesem Werk bewiesen. Wir wünschen, dass er auch in der Métier-Technik und der Routine eine Stufe erreicht, welche seinen Fähigkeiten würdig ist." 7 Aus diesen Worten wird ersichtlich, dass kritische Stimmen bereits bei der Präsentation von Mednyánszkys erster Figurendarstellung laut wurden, was sich übrigens auch in Zukunft nicht ändern sollte: merkwürdig, bizarr, nicht den Ansprüchen des Publikums entsprechend, seine Bedeutung innerhalb des Rahmens der traditionellen Gattungen und der Ikonographie sei schwer zu erklären. Trotzdem wurde während seiner langen Laufbahn in der Kunsthalle (unseres Wissens) keines seiner Bilder zurückgewiesen. Es kann kein Zufall sein, dass Mednyánszky nach diesem zwiespältigen Entrée zur Kunsthallenausstellung im Herbst 1884 nur Landschaftsbilder geschickt hat. Der Kritiker der Zeitung Fővárosi Lapok (sich auf Mednyánszkys Position unter den Zeitgenossen beziehend) würdigte auch diesmal seine Werke und berichtete darüber ziemlich ausführlich: „In der diesjährigen Gruppe der Landschaftsmaler ist Mednyánszky als Kuriosität die frappanteste Gestalt. Über Mészöly weiß jeder, dass er hervorragend ist; Spányi, Ligeti haben ihr eigenes Renommee; Tölgyessy, Feszty sind anerkannte Talente; [...] was Mednyánszky betrifft: es wird nur in intimeren Künstlerkreisen herumgeflüstert ,was für ein riesiges Talent er sei!' und mit welcher Hingabe er seine Gegenstände studiere; doch hatte er der Öffentlichkeit keine bedeutende Arbeit vorgelegt. [...] Seine Gemälde sind durchaus nicht so geartet, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer schlagartig auf sich lenken zu können; oberflächliche Zuschauer bemerken sie höchstwahrscheinlich gar nicht, da ihre Wirkung sehr bescheiden ist. Was ihre Wirkung betrifft: seine Bilder gehen neben den anderen fast unter; sie werden von den umliegenden Gemälden sozusagen ,erschlagen', wie es die Maler zu sagen pflegen; einige lebhafte Farben in der Nachbarschaft genügen, um seine Farben zu unterdrücken, da es auf seinen Bildern keine Grelle gibt, überhaupt, jeden ,lärmenden' Effekt zu vermeiden, wie es Mednyánszky tut, kann man wohl kaum. - Wenn man aber vor den Werken von Mednyánszky stehen bleibt (insbesondere vor den Werken Falu végén [Am Ausgang des Dorfes] und Áradás [Hochwasser] und sie länger betrachtet, bis die Wirkung all der technischen Virtuosität der anderen Bilder vergeht, dann ist es unmöglich, von der tiefen monotonen Stimmung nicht hingerissen zu werden, dieser einheitlichen, tief empfundenen, einfachen, melancholischen, düsteren Poesie, die in seinen Landschaften erwacht. Und diese Bilder sind nicht farblos, sondern sie streben einfach nach keiner Farbwirkung; würde man sie separat sehen, beispielsweise in einem Atelier, und nicht zwischen so vielen Farben, fiele ihre Farblosigkeit möglicherweise überhaupt nicht auf, und man könnte sagen: es sind diskrete Farben. Das Wichtigste aber ist, dass wir in Mednyánszky ein selbständiges, seelenvolles, wahres Künstlertemperament sehen. Und wir sind fest davon überzeugt, wenn er sich die notwendige Routine verschafft und seine Künstlerindividualität hervorkehrt, dass seine Bilder aufgrund der enormen künstlerischen Qualität hoch geachtet sein werden." 8 In den folgenden Jahren beschickte Mednyánszky fast jede der Ausstellungen in der Kunsthalle. Größere Resonanz erzielte er jedoch erst im Jahre 1888 auf der Herbstausstellung. Der Kritiker von Egyetértés meinte: „Das Landschaftsbild von Baron László Mednyánszky [...] ist eine Waldlandschaft, im unverkennbaren Welken des Herbstes. Es ist Morgen, dessen schwere, feuchte Dünste mit tiefem Grau die Tiefe des Waldes bedecken. Es ist ein wirklich gut gemalter Wald, im Zwielicht der Tiefe, in der Stille der Einsamkeit. Nur die Stämme und Äste László Mednyánszky: Alkony [Dämmerung/ Okraj lésa v mesacnom svite], ausgestellt im Jahr 1897, auf der Winterausstellung der Kunsthalle, Kat.-Nr. 55 (Heute SNG, Inv.-Nr. O 6710, Öl auf Leinwand, 97,5 X 71 cm)