Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Zsófia Kiss-Szemán: Mednyánszky und der Wiener „Stimmungsimpressionismus"
Künstlers, das Außergewöhnliche eines Naturausschnittes, also den einzigartigen Moment der Naturerscheinung aufzufangen. Zur Veranschaulichung dieser Naturwahrnehmungen war es unabdingbar, im Freien, also vor der Natur zu malen - was in Barbizon bereits seit den 1830er und 1840er Jahren gepflogen wurde und seit den 1870er Jahren in ganz Europa als pleinairistische Malerei, als eine der möglichen Verfahren der modernen Malerei, voll entwickelt war. 18 Die Bezeichnung dieser Richtung und die Bestimmung von z. B. nationalen, thematischen oder rein stilistischen Spezifika, gehört in den Bereich der Kunstwissenschaft. In der neueren Fachliteratur widmete sich Sabine Grabner der Bestimmung dieses Begriffes in der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts in Österreich. Ihrer Meinung nach entstand „der Stimmungsimpressionismus" in der österreichischen Landschaftsmalerei. Der Terminus stammt von Klaus Demus 19 aus dem Jahr 1959 und bezieht sich vor allem auf Schindlers Zyklus Die Monate, also auf die Zeit der zweiten Hälfte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Dieser Begriff wurde für das gesamte Schaffen Schindlers angewandt und verbreitete sich auf ähnliche Erscheinungen in der österreichischen Landschaftsmalerei, vor allem auf den nahen Kreis um Schindler - auf das Werk von Eugen Jettel und Rudolf Ribarz. Er wurde jedoch immer mit gewissen Einwänden interpretiert: „von Impressionismus im herkömmlichen Sinn kann nur in Bezug auf das grundlegend gemeinsame Interesse am Momentan-Erscheinungshaften gesprochen werden, dem der Wunsch, das Licht in allen seinen Facetten wiederzugeben, zugrunde liegt. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch unterschiedlich: während die „impressionistischen Maler" in Frankreich den Bildausschnitt einengten, die Komposition vereinfachten und mit einer mathematisch genauen Farbzerlegung quasi eine Entkörperlichung der Gegenstände anstrebten, blieben die Österreicher dem Naturvorwurf in seiner gesamten inhaltlichen Erscheinung verbunden." 20 Deshalb ähnelt die Art der Malerei der österreichischen Repräsentanten des „Stimmungsimpressionismus" - wie Grabner fortsetzt - eher der dem Impressionismus vorangehenden französischen Landschaftsmalerei, insbesondere der Barbizoner Malkunst. Die typischste Bemühung der Wiener Maler dieser Richtung ist es, einen unbedeutenden Ausschnitt aus der Natur mit all seinen Stimmungselementen einzufangen und ihn nach der persönlichen „Impression" in ein Bild zu formen. Laut Grabner „ist die österreichische Landschaftsmalerei von einer verstärkten Tendenz zur Wiedergabe subjektiver Eindrücke geprägt, die sich in einer Betonung des Witterungsmäßigen, Stimmungshaften ausdrückte". 21 Auch hier ist die Anknüpfung an die Malkunst von Barbizon zu unterstreichen und das um so mehr, als im Jahre 1873 an der Weltausstellung in Wien eine umfangreiche Auswahl von Werken der Maler von Barbizon präsentiert wurde, wobei dieses Ereignis zwei namhafte Repräsentanten des „Stimmungsimpressionismus" anregte, nach Paris zu übersiedeln. 22 Sicherlich wäre es genauer, von „Stimmungsmalerei" zu sprechen, weil die österreichische Malerei der siebziger Jahre mit dem zeitgleichen Impressionismus nicht verglichen werden kann. Der Terminus „Stimmungsimpressionismus" hat sich jedoch in der österreichischen Kunstgeschichte weitgehend manifestiert, wobei das Wort „Stimmung" eindeutig zur Präzisierung der Begriffsbedeutung beiträgt. Das Wort „Stimmung" war damals so geläufig, dass es von jedem, der sich mit der Landschaftsmalerei beschäftigte, benützt wurde. Erst später verlor dieses Wort aufgrund seiner allzu unpräzisen Anwendung seine ursprüngliche Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Auch Mednyánszky verwendete diesen Terminus gerne in seinem Tagebuch, ebenso in seinen ungarischen Texten, wobei er ihn sowohl auf deutsch, also „Stimmung", als auch auf ungarisch: „hangulat" notierte. Nicht zuletzt darauf wird bei Mednyánszky der österreichisch-ungarische Ursprung dieser Erscheinung bezeugt. Mednyánszky war beständig von seinem Interesse für das Stimmungshafte bestimmt. Aufgrund seiner Tagebucheintragungen erhalten wir ein klares Bild von seiner Auffassung dieses Begriffes, sowie darüber, wie er diesen in seinen Arbeiten umgesetzt hat. Schon an der Wende von den 1870er zu den 1880er Jahren tritt das Wort „Stimmung" gehäuft auf. „Es ist ein Gefühl, das vor meinen Augen irgendwie in der Form eines Bildes erschien, als ich mir die Stimmung vorstellte, die es vor dem Eingang in eine Kirche geben kann..." schrieb er einmal, dann wiederum sprach er von der „Stimmung des Vorfrühlings", berichtete von einem „Feldbrunnen mit einer Tränke mit zwei Krähen. Die allgemeine Stimmung ist eine Vorfrühlingsstimmung, überall schmelzender Schnee" und fragt sich ein andermal: „Was ist noch bis zum Ende des Monates zu tun? [...] einige Frühlingsstimmungen wie in der Natur." 23 Schon diese Zitate bezeugen, dass für ihn das Wort „Stimmung" etwas Komplexes bedeutete, eine Gesamtheit von Gefühlen, die sich aus mehreren Eindrücken zusammensetzt und die auch an konkrete Bilder, bzw. Vorbilder in Mednyánszkys Vorstellungen knüpfen konnte. Dies sollte ein immerwährender Bestandteil seines Schaffens bleiben. Aus dem Jahr 1895 etwa stammt eine Tagebucheintragung, in der er sich noch immer auf den Ausdruck der Stimmung in seiner Malerei konzentriert: „Die Richtung der Stimmung, nur darin sehe ich alles. Die suche ich in den Farben, in der Qualität der Luft, wie auch im Duft der Blumen, in der Wirkung der erschöpfenden Wärme wie auch in der Kälte." 24 Mednyánszky stellte es sich zur Hauptaufgabe, die Stimmung einzufangen, denn: „Was wichtig, was beständig ist - die Stimmung." 25 Dabei identifiziert Mednyánszky die Stimmung mit etwas objektiv Existierendem, mit etwas, das nur zu sehen und zu erleben ist. Die rein objektive Reflexion des Gesehenen im Sinne der Impressionisten steht Mednyánszky, wie auch den Wiener Malern fern. Das Wort „objektiv" beziehen sie eher wortwörtlich auf „die gegenständliche Wiedergabe", also auf eine Darstellung, die sich vom real existierenden Gegenstand nicht trennt. In dieser Art des Denkens sind auch gewisse Verallgemeinerungen zulässig, doch geht es dabei eher um die Verallgemeinerungen eines Naturausschnittes oder einer Stimmung in der Landschaft, wo der Komplex der Natur nur als ein Teil, als Pars pro Toto zu verstehen ist. Der Einfluss der französischen Landschaftsmalerei wirkte also auf die gesamte europäische Kunstentwicklung, die Paysage intime wurden für die folgenden Generationen von Landschaftsmalern bestimmend. Die österreichi2 László Mednyánszky: Frau in weißem Tuch / Dedincanka V bielej satke, um 1878, Öl auf Leinwand. 65 X 53 cm (SNG, Inv.-Nr. O 4986)