Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Zsófia Kiss-Szemán: Mednyánszky und der Wiener „Stimmungsimpressionismus"

László Mednyánszky: Porträt eines jungen Mannes IMlady pohonic, um 1878, Öl auf Leinwand, 52,7 x 32,8 cm (SNG, Inv.-Nr. O 6739) sehen Maler nehmen heute mit ihrer spezifischen Art der Freilichtmalerei in Mitteleuropa eine bedeutende Position ein. Mednyánszky kannte viele Vertreter der Wiener Kunstszene, deren Namen sich auch in der 1905 von Friedrich Pollak verfassten Monographie über die österreichischen Künstler finden. 26 So wird Theodor von Hörmann genannt, der den Nebel, den Morgendunst, die Dünste überhaupt im Bild wiedergab, der die Waldmotive bei Fontainebleau malte und die „Wahrheit des Gesehenen" durchsetzte. Ein anderer Maler war Eugen Jettel. Dieser wandte sich - ähnlich Mednyánszky - der weiten ebenen Landschaft zu, nicht ohne Anspruch auf die symbolische Bedeutung der endlosen Natur. Obzwar Jettel die philosophische Tiefe, die Unendlichkeit des Raumes, die bei Mednyánszky evident ist, nicht erreichte, gilt es zu bedenken, dass sich Mednyánszky dieser neuen Landschaftssicht erst wesentlich später, im beginnenden 20. Jahrhundert zuwandte. Rudolf Ribarz (1848-1904) widmete sich mit Vorliebe der von Menschenhand veränderten Natur. Mednyánszky empfand für diese Richtung kein Interesse, auch wenn ihm diese Art der Landschaft nicht fremd war; darüber hinaus standen Ribarz' Werke mit ihren zumeist stark konturierten Formen (die nach dessen Rückkehr aus Paris im Jahr 1892 in einer Hinwendung zur Sezession mündeten) in krassem Gegensatz zu den feinen Farbnuancierungen und zu dessen strukturaler Form. Die pompös angelegten Gemälde des um eine Generation älteren Hans Canon (ursprüng­lich Straschiripka, 1829-1885) wiederum, die in ihrem Farbenreichtum an die alten Venezianer, Flamen und vor allen an Rubens erinnern, wurden von Mednyánszky wahr­scheinlich nur studiert und bewundert. Anders verhält sich das Interesse Mednyánszkys hinsichtlich der Werke von Robert Russ (1847-1922), der an der Wiener Akademie bei dem bekannten „Ultramodernisten" Albert Zimmermann studiert hatte. Zimmermann orientierte sich am Pleinair und malte nach Studienaufenthalten in Holland, Deutschland, Venedig und Rom zahlreiche feine Stimmungslandschaften. Mednyánszky erwähnte in seinem Tagebuch auch öfters den Namen Alfred Zoff. Über eventuelle Parallelen zwischen Mednyánszky und Zoff schreibt Csilla Markója folgendes: „Wiederholt begeg­net man zum Beispiel dem Namen Alfred Zoff. Mednyánszky bewunderte besonders seine Seebilder. Ich erwähne hier eine Meeresstudie von Zoff zusammen mit Courbets Meeresstrand: an beiden sticht die niedrige Horizontlinie ins Auge, die von Mednyánszky später, besonders im Krieg fast als hauptsächliches Kompositionselement eingesetzt werden sollte. Auch die durch Rosatöne belebte Vorfrühlingslandschaft Zoffs findet zahlreiche Analogien bei Mednyánszky, sie werden heute überwiegend im Schloss Strázky bewahrt. Wie wir wissen, malte Mednyánszky in zahlreichen Manieren, und in allen virtuosenhaft." 27 Die Parallelen zwischen Mednyánszkys Werken und den schimmernden Rosafarben auf den Gemälden Zoffs sehen wir z. B. in: Abendlandschaft mit Fluss und Baumgruppe, Herbstlandschaft. Spiegelung, und Hang im Herbst mit Baum. 1 * Wie in manch anderen Fällen, bleibt auch hier die Frage offen, woher der niedrige Horizont auf Mednyánszkys Gemälden stammt, wann dieser zum ersten mal auftrat, ob ihn wirklich die flache Landschaft um Szolnok Inspiration war, oder aber, ob ihr Ursprung bereits bei Millet oder Courbet zu suchen ist. Es steht aber fest, dass Mednyánszky bereits in der ersten Hälfte der 1870 Jahre Gemälde mit niedrigem Horizont malte und dieses Darstellungsmittel sein gesamtes Werk hindurch anzutreffen ist. Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts verkehrte Mednyánszky wohl am intensivsten mit Tina Blau (1845-1916), Emil Jakob Schindler (1842-1892) und vor allen mit Wilhelm Bernatzik (1858-1906), von dem wir übrigens die meisten Informationen über Mednyánszkys Kontakte zu den Wiener Malern dieser Zeit haben. Weitere Aufzeichnungen finden wir in den Erinnerungen von Mednyánszkys Schwester Margit Czóbel 29 und in den frühen Tagebucheintragungen. 30 Obwohl Mednyánszkys Arbeiten der 1880er Jahre sich von Bernatziks Schaffen wesentlich unterscheiden, sind doch einige Parallelen zwischen den beiden Künstlern evident. Mednyánszkys Auffassung steht das Bild Herbst, das Bernatzik 1888 gemalt hat, am nächsten. Dem sitzenden alten Mann, der sich auf einen Stock stützt, kommt dabei eben so viel Bedeutung zu, wie dem Naturausschnitt, also dem herrlichen herbstlichen Garten, der von alten Häusern umgeben ist. Diese Art von Malerei findet man seit dem Beginn der 1880er Jahre mehrmals auch in Mednyánszkys Œuvre, und auch später kehrte er gerne zu diesem Bildtypus zurück. 31 Schöne Beispiele dafür sind die bereits erwähnten Bilder Der sitzende Junge und Der Junge am Bienenhaus? 1 Zu weiteren konkreten Parallelen mit Bernatziks Schaffen kommen wir noch zurück. Mednyánszky begegnete der österreichischen Malerin Tina Blau, die auf Pettenkofens Anregung in den Jahren 1873-1874 in Szolnok war, mehrere Male, auch traf er sie während seines Studienaufenthaltes in Rom im Jahr 1878. Aus Mednyánszkys späteren Tagebuchaufzeichnungen (z. B. aus dem Jahre 1917) wissen wir, dass er ihre Werke sehr schätzte. 33 Aus derselben Quelle wissen wir auch, dass Mednyánszky Tina Blaus Werke an seine eigene Jugend und zugleich an die Werke Paáls, Munkácsys und Schindlers erinnerten. Tina Blau wurde in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt, als man nach vielen Jahrzehnten in Wien eine umfangreiche Ausstellung ihrer Werke veranstaltet hat. 34 Tina Blaus Malerei wirkt äußerst skizzenhaft, die sehr frischen, kleinen Farbflächen erscheinen wie zufällig aufgetragen und wirken nahezu unverarbeitet; die groben bis pastosen Pinselzüge verleihen den Gemälden Intensität und eine äußerst hohe Spannung. Diese Ungezwungenheit und Aufrichtigkeit, die in Blaus Gemälden von der frühen bis zur späten Phase evident sind, zeigen sich auch in einigen Gemälden Mednyánszkys. Dabei weisen sie klar auf seine Entwicklung hin, in der sich, ähnlich wie in seinem ganzem Schaffen, diese beson­dere Variante der Landschaftsmalerei präsentierte. 35 Die meisten Berührungspunkte mit Mednyánszkys Werk zeigen sich jedoch in den Arbeiten des bedeu­tendsten österreichischen Repräsentanten des Stimmungsimpressionismus, Emil Jakob Schindler. Die beiden

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