Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)

BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Arbeiten für den Dessauer Hof sovie für Auftraggeber in Dresden und Leipzig. In Nachstichen überlieferte Werke (1714-1723)

Bezügen eben durch diese Figur am Beispiel der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts an: Die Geste des Greises, seine grübelnde Haltung ist ebenso Rembrandtschen Vorbildern nachempfunden wie die malerische Lösung, der Gebrauch eines - nur in diesem Teil des Gemäldes eingesetzten ­gelblichbraunen Lasurs, so daß diese Figur auch in der Maltechnik, in der Art der Pinselführung deutlich von der anderen Figur abhebt. Dieser Unterschied im Anblick der Figuren - hinzukommen noch die unterschiedlichen, jeweils einer Figur zugeordneten Valeurs der warmen gelblichen Töne einerseits beziehungsweise der kalten Grün- und Blautöne andererseits - schneidet die Szene gleichsam entlang der Trennlinie der zwei verschiedenen Maltechniken entzwei. Dieses Bild führt uns modellhaft vor Augen, wie sich in der Malerei Mänyokis bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, Jahrzehnte vor seiner bewußten Historisierung in der „holländischen Manier", die beiden Mal Stile, die dem repräsentativen beziehungsweise dem „historischen" Thema entsprechen, voneinander abheben, in diesem Fall gebunden an die einzelnen Personen der Darstellung. Eine stilistische Unterscheidung entsprechend der Gattung beziehungsweise der Thematik läßt sich als eine wohl bekannte Erscheinung bis Ende des 18. Jahrhunderts genau beobachten; die Abstimmung des Themas und der stilistischen Lösung aufeinander zeigte in den deutschen und niederländischen Gebieten - nach Rembrandt - in der historisierenden Auffassung und in der malerischen Ausführung gerade bei den alttestamentarischen Themen die meiste Konsequenz. Dafür findet sich aber kaum ein weiteres Beispiel, daß das repräsentative Bildnis und eine in der historisierenden Tradition stehende Gattung, samt ihren jeweiligen stilistischen Eigenarten, innerhalb eines und desselben Bildes gemeinsam auftreten, nicht einmal im Bereich der Allegorie, die zwischen den Gattungen eine gewisse Durchlässigkeit zuläßt. Dieses Gemälde nimmt in meinen Augen innerhalb des gesamten Lebenswerkes von Mányoki insofern eine Sonderstellung ein, daß es von den malerischen Qualitäten beziehungsweise von deren Schranken das meiste verrät. Unter Qualität möchte ich hier die Art und Weise der selbständigen Ausführung des malerischen Gedankens und die Bildorganisation verstehen. Der unterschiedliche, der gattungsmäßigen Konvention entsprechende Malstil der Figuren zeugt aber davon, daß Mányoki nicht in einer einheitlichen Komposition, in einem Gesamtanblick von stilistischer Folgerichtigkeit dachte, sondern in einfigurigen Lösungen, die er laut Aussage dieses Gemäldes nach einem additiven „Konstruktionsverfahren" zu einem gemeinsamen Anblick zusammenzufassen bemüht war. Die sonst bezeichnende Eleganz seiner Bildnisse kommt hier nur in der Figur des Prinzen Friedrich Heinrich Eugen zur Geltung, aber seine Fertigkeiten reichten nicht mehr dazu aus, die Figur des Greises, die auch nach dem Maßstab nicht genau angepaßt ist, mit der entsprechenden Leichtigkeit in die Komposition einzufügen. Dieses Bild bezeugt nicht nur, daß Mányoki nur bei Einfigurenkompositionen auf seinem eigenen Niveau leisten konnte, sondern ist auch ein Beispiel dafür, daß ihm seine Ausbildung und die Art seiner künstlerischen Erziehung auf dieser hohen Stufe der Aufgaben bereits Schranken setzte: Vor übertriebener Ehrfurcht vor den Stiltraditionen der einzelnen Gattungen vermochte er - eine bezeichnende Haltung eines Kleinmeisters - deren Bindung nicht zu überwinden. An einem weiteren Bildnis, einer Komposition von größerem Bildausschnitt und mit Nebenfiguren, sticht die gleiche Schwerfälligkeit der Konstruktion und die gleiche formale Ungeschicklichkeit ins Auge, so daß ich dieses Bild außer wegen der für ihn bezeichnenden Malweise und Detaillösungen eben wegen dieser Eigenarten für ein Werk Mányokis halte. Das bislang unveröffentlichte Gemälde, ein Kniebild in der Landschaft, das einem unbekannten Maler zugeschrieben wird, zeigt einen Verwandten der fürstlichen Familie Anhalt-Dessau als Jäger mit einem Mohrenpagen, der einen Jagdhund an der Leine führt, und mit der Figur eines Jägers, der im Hintergrund zwischen den Bäumen ein Jagdhorn bläst (Kat. Nr. 76). Dieser Bildtyp - mit einer „größeren Anzahl" von Nebenfiguren - steht im bis jetzt bekannten Lebenswerk Mányokis beispiellos da. Zusammen mit dem allegorischen Bildnis des Prinzen Friedrich Heinrich Eugen ist es als Ergebnis einer seltenen Periode anzusehen, in der Mányoki in unterschiedlichen Typusvarianten und in anspruchsvollen, komplizierteren Kompositionen die Möglichkeiten der „thematischen" Darstellung erprobte. Nach dem Auftritt von Louis de Silvestre am Dresdener Hof scheint Mányoki weniger beschäftigt worden zu sein. Obwohl er 1717 zum Hofmaler ernannt wurde, erhielt er keine Aufgaben mehr vom Ausmaß der ersten Dresdener Jahre. Dadurch läßt sich ein entschiedener Schritt des Malers erklären, der auch den Grad seiner Zurückstellung zur Genüge anzeigt, daß er nämlich um 1718 trotz seiner Ernennung zum Hofmaler nach einem neuen Kreis von Auftraggebern umsah und in Leipzig Aufträge übernahm. In der charakteristisch bürgerlichen Kunst der reichen protestantischen Handelsstadt war das Bildnis

Next

/
Oldalképek
Tartalom