Fehér György szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1992-1994 (Budapest, 1994)

Raoul H. Francé-emlékülés - GEORG SIEBENEICHER: Justus Liebig, Raoul Francé, Sir Albert Howard — drei Begründer biologischen Landbaues

Justus Liebig, Raoul H. Francé, Sir Albert Howard — drei Begründer biologischen Landbaues Georg E. Siebeneicher Warum gerade diese drei? — Weil sie auf vier Ebenen bedeutend waren: 1. Grundlagen­forschung. 2. Wirkung auf Wissenschaft und Praxis. 3. Lehre und Publizistik (Bücher, Vorträge). 4. Weltweites Wirken. Justus Liebig und der Kreislauf der Stoffe Ist das Thema dieses Vortrages — mit Justus Liebig als erstgenanntem nicht pro­vozierend? Gilt Liebig nicht als Begründer der "Mineraltheorie", der Grundlage der 'modernen', chemisch überfremdeten Landwirtschaft?! Welches sind die wichtigsten Grundsätze biologischen Landbaues? Und was hat Liebig damit zu tun? 1. Ausgeglichene Fruchtfolgen mit Ackerfrüchten und Futterpflanzen, darunter vor allem Leguminosen; 2. planmässige, sorgfältige Nutzung von Stallmist und Jauche; 3. Kreislauf Wirtschaft durch Kompostierung, einschliesslich städtischer Abfälle (Schlacht­hof, Gewerbe); 4. Gründüngung; 5. Verwendung von Gesteinsmehl — alle diese und weitere Verfahren, wie Anbau tiefwurzelnder Pflanzen zum Aufschluss von Minerali­en aus dem Unterboden, sind in Liebigs Schriften wohlbegründet, vor allem in "Na­turgesetze des Feldbaues" (2. Teil der 7. Auflage der "Agrikulturchemie") und volkstümlich in "Chemische Briefe". Wie Liebig diese Regeln begründete In zahllosen Analysen der Aschen organischer Stoffe fand Liebig immer nur mine­ralische Elemente wie Kalium, Phosphor und Magnesium, aber niemals Kohlenstoff und Stickstoff. Deshalb unterschied er grundsätzlich die unverbrennlichen, mineralis­chen Elemente aus dem Boden und die gasförmigen Elemente Kohlenstoff bzw. Koh­lendioxid und Stickstoff aus der Atmosphäre, mit anderen Worten feuerfeste und verbrennliche Elemente, nährende und treibende Elemente. In seinen Schriften formu­liert er diese Gegensatzpaare in vielfältiger Weise. Alle seine Ratschläge für den prak­tischen Landbau gehen zurück auf diese wissenschaftliche Erkenntnis und auf die dementsprechende Erfahrung: Nach Futter- und Gründüngungspflanzen wie Klee, Wic­ken, Luzerne ist ein Feld immer fruchtbarer als nach Getreidearten. Liebig führt so­gar den Begriff der Stickstoff-Ernte ein! Seine Regeln für Fruchtfolge, Gründüngung

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