Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Hauser, Albert: Bäuerliche Wirtschaft und Ernährung in der Schweiz vom 15. bis 18. Jahrhundert
auf den Tisch. Seit dem 18. Jahrhundert sind sie ebenfalls gedörrt worden. „Bohnenmues" scheint auf der Zürcher Landschaft, im Gegensatz zum Rheintal, selten gegessen worden zu sein. Schon im 15. Jahrhundert aß man in den Städten den in Italien gebräuchlichen Salat. Auf dem Land galt Salat als Speise des ärmeren Bauern. Wildwachsender Nüsslisalat diente sogar als Morgenessen. 20 Als Obst (alte Mundart: „Obs") sind ursprünglich alle eßbaren Baumfrüchte bezeichnet worden: „Mandeln, eichlen, nuss und derglichen opss", heißt es im Zürcher Tierbuch von 1563. 21 Um 1765 wird von „dürrem Bärund Steinobs und anderen essigen Speisen" gesprochen. Die Gegenüberstellung von Bär- und Steinobst ist kulturhistorisch interessant; unter „bärendem Baum" wurden ursprünglich der Fruchtbaum allgemein, dann aber besonders die Eiche und Buche verstanden. Recht mannigfach waren die Obstsorten namentlich in späterer Zeit; wir hören von Äpfeln, Birnen und Zwetschgen 22 , von Süßäpfeln, Weißäpfeln, Theilersbirnen, Magerbirnen, Langbirnen. Schlagund Fuchsbirnen 23 , von Kirschen (schon im Jahre 1394) 2/l . Gedörrtes Obst war eine weitverbreitete und billige Volksnahrung, die vielfach das Brot ersetzte. In der Literatur stößt man oft auf die Behauptung, daß früher bedeutend mehr Fleisch gegessen worden sei. Zweifellos haben die vielen Schilderungen vom üppigen Essen während festlicher Anlässe, bei denen das Fleisch im Vordergrund steht, zu dieser Annahme geführt. Es darf indessen nicht übersehen werden, daß uns frühe und sehr eingehende Schilderungen des Alltagslebens fehlen; die Chronisten überlieferten nur außergewöhnliche Festessen, und aus den vielen Predigten und Mandaten, die ohne Unterlaß gegen das üppige Essen, die Völlerei und Zechsucht wetterten, dürfen wir nicht auf allgemeine Zustände schließen. Sämtliche Angaben, die wir über die Viehbestände besitzen, zeigen, daß selbst habliche Bauern nur wenige Kühe hielten; so gab beispielweise einer der reichsten Bauern in der Herrschaft Wädenswil im 18. Jahrhundert lediglich 10 bis 14 Stück Großvieh an. Im Durchschnitt waren es in einem eigentlichen Hirtengebiet drei bis vier Kühe. 25 Große Viehherden konnten angesichts der mageren Weiden gar nicht gehalten werden. Die Bestellung mit Futterpflanzen, hauptsächlich mit Klee, wurde erst am Ende des 18. Jahrhunderts in größerem Umfange aufgenommen. Auch ist zu bedenken, daß ursprünglich selbst ärmere Bauern verhältnismäßig viele Ziegen und Schweine halten konnten, weil sie diese zur Nahrungssuche frei in die ausgedehnten Wälder treiben konnten. Im Laufe der Jahrhunderte ging aber der Wald stark zurück, und um weitere Zerstörungen durch das Vieh aufzuhalten, wurden mannigfache Wendeverbote notwendig. Aus all diesen Gründen kam Fleisch nur bei festlichen Gelegenheiten auf den Tisch 26 ; im Alltag 20MESSIKOMMER, H. op. cit. 17. 21MESSIKOMMER, H. op. cit. I. 62. —HEER, A. Die Holz-Korporation Zoliikon. Bülach/Dielsdorf 1928. 19. 23 HÖHN-OCHSNER, W. op. cit. 45. — Vgl. auch das Verzeichnis der Apfel- und Birnensorten im Idiotikon. S'iGESSLER, E. A. Zürcher Tafelfreuden vor 600 Jahren. Neue Zürcher Zeitung 20. 4. 1956, Nr. 672. 7. 25HAUSER, A. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. 77 ff. 26Staatsarchiv Zürich. III A Ab 1. Gedruckte Zürcher Mandate 1701—1720. Nr. 499.