Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Maksay, Ferenc: Struktur der ungarischen Dorf Siedlungen zur Zeit der traditionellen Landwirtschaft
Siedlungen auch auf deren bessere Verteidigungsmöglichkeit und auf die technischen Fortschritte der Architektur bedacht.) Geht man zeitlich weiter in die Vergangenheit zurück, gelangt man zu der Feststellung, daß für das 10—12. Jahrhundert statt einer Ballungstendenz ganz im Gegenteil eine auffallende Streuung der Siedlungen bezeichnend war. Die unbewohnten Randgebiete des Landes wurden ebenso wie die nur spärlich besiedelten und ungenützten Dorfgemarkungen im Landesinnern um diese Zeit bevölkert. Es war jene Zeit, die für ganz Europa eine hohe Prosperität der Getreideproduktion mit sich brachte und in deren Verlauf auch in Ungarn die Felderbewirtschaftung neben Viehzucht und Fischerei wachsende Verbreitung fand. Die einander ablösenden Generationen der Besitzer und ihrer Dienstleute benützten jede sich bietende Gelegenheit zur Entlastung der übervölkerten Siedlungen und zur getrennten Niederlassung. Um abschließend noch kurz auf die Anfänge im 9—10. Jahrhundert einzugehen, so deuten sowohl die Ausgrabungsergebnisse wie auch die zeitgenössischen Beschreibungen der nomadisierenden Steppenvölker auf eine der damaligen gesellschaftlichen Gliederung entsprechend stark differenzierte Siedlungsstruktur. Stammes- und Sippenhäupter lebten in einsamen oder nur von den eigenen Diensvölkern umgebenen, ständig „wandernden" Siedlungen (in Zelten) und ließen sich nur zeitweilig in Erdburgen, Wohntürmen oder römischen Gebäuderesten nieder. Die kriegsgeübte, disziplinierte Mittelschicht wohnte in kleinen, geregelten und gleichfalls mobilen Zeltlagern, die Massen der armen Leute in wesentlich ortsgebundeneren Hüttenagglomerationen. Häufig lebten mehrere hundert Familien beisammen oder einander unmittelbar benachbart, in innen völlig ungeordneten Flecken, mit einem seinen Platz immer wieder wechselnden kleinen Ackerland in ihrer Umgebung. Wie wir sehen, hat ein halbes Jahrtausend mit dem Wandel der Bewirtschaftungsmethoden und der gesellschaftlichen Struktur die Formen der Anfangszeiten nahezu völlig verdrängt. Im 15. Jahrhundert wahrten bestenfalls wenige über die Große Ungarische Tiefebene verstreute Haufendörfer die Erinnerung an die einstigen Siedlungen der Unfreien und dieser oder jener Weiler das Andenken an den früheren Aufenthaltsort der Wachposten. Als hätte sich mit der im 13—14. Jahrhundert eingetretenen großen Wende alles ins Gegenteil verkehrt. Die Masse der Unfreien (der späteren Hörigen) fand von nun an in geregelten Straßendörfern ihren Wohnsitz, während die Nachfahren der im Dienst des Königs stehenden Krieger (in den Adel erhoben und nahezu von aller Abhängigkeit entbunden) ihre Siedlungen als regellos ineinander verschachtelte und gedrängte Wohnstätten anlegten. In den Gemarkungen der Dörfer traten nunmehr allmählich an Stelle der einst ständig wachsenden, aber meist ohne jedes geregelte System benutzten Ackerflächen die auf die geeignetsten Stellen konzentrierten, planmäßig bewirtschafteten Felder des Zelgensystems.* *Eine ausführliche Dokumentation der vorstehenden Erörterungen findet man im soeben erschienen Buch des Verfassers: A magyar falu középkori településrendje (Mittelalterische Siedlungsordnung des ungarischen Dorfes). Budapest 1971.