Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Kothe, Heinz: Form- und Funktionswandel an Vierkantpflügen

selbstverständlich nicht ein deutsches „Rad", wie RICHTSTEIG 93 , MUCH 94 , BRAUNGART 95 und andere meinten, auch nicht das slawische orati, das in damaliger Zeit zweifellos arati 96 hätte lauten müssen, sondern vermutlich das heute noch in der gleichen Gegend 97 gebräuchliche -erat, das beispielsweise in den oberbayrischen Wörtern Gräderat oder Krauterat als Sammelbezeichnung 08 vorliegt. Gräderat ist das „Räderwerk" am Pflug, das „Rädergestell" oder „Rad­vorgestell", der zweirädrige Pflugkarren. Dieser ist aber offensichtlich gemeint mit der Bemerkung „duas addere tali rotulas", nämlich ein Gerät mit zwei „Speichenrädern" 99 , „quod genus vocant plaumorati". Wir gelangen so zu der Schlußfolgerung, daß man die beiden Wörter Gräderat und plaumorati gleich­setzen darf, daß also in dem Bestandteil plaum m die Bedeutung ,,tali rotulas" enthalten ist, wie es in ähnlicher Weise auch bei der keltischen carruca und dem tschechischen nákolesník der Fall ist. LESER 101 hat demnach recht behal­ten, als er 1931 zur Etvmolosie des Wortes PfluQ schrieb: ,,Das Auftreten des Radvorgestells könnte am ehesten, scheint mir, den Anlaß zu einer neuen Benennung gegeben haben." Eine eindeutige Bestätigung dieser LESERschen Vermutung gab be­kanntlich schon KOREN 1950 aus Tirol 102 . Er machte hier die Beobachtung, daß 03RICHTSTEIG, G. H. De nostrae aetatis indole et conditione rerum rusticarum et de optimo agricolationem rationalem propagandi modo. Accedit excursus de aratro Hesiodeo et Virgiliano. Vratislaviae (1812). 85. 04MUCH, M. Uber den Ackerbau der Germanen. Mitteilungen der Anthropo­logischen Gesellschaft in Wien 8: 1879. 256. 95 BRAUNGART, R. Die Urheimat der Landwirtschaft aller indogermanischen Völker. Heidelberg 1912. 118. 9CSCHWARZ, E. Das Vordringen der Slawen nach Westen. Südost-Forschungen 15: 1956. 92. Der Versuch SIMEKs (1953), das Wort plaumorati aus dem Altslawischen zu erklären, sei „lautlich unmöglich". 97 Die Tatsache, daß die römischen Legionen nach der Eroberung Rätiens (15 v.u.Z.) bis zum Jahre 16 u.Z. bei Augsburg lagen, läßt vermuten, daß der entspre­chende Bericht („non pridem inventum") aus jener Gegend stammt. PLINIUS lebte bekanntlich von 23 bis 79 u.Z. 98MUCH, wie Anm. 94, S. 257. M.U. KASPAREK nennt für Niederbayern Grä­deret, Grädert, Grederat, Grötterat usw. (Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1966/67. 149). Nach E. HEINISCH sagt man in Oberösterreich Grädarat „Räderwerk, Pfluggestell" (Heimatgaue 7. Linz 1926. 153). "Das Wort tali bezieht sich wohl kaum auf eine Art „Pflugschar", wie LESER 1931 (S. 236) meint, sondern talus läßt hier im Vergleich zu lalea „Stab" eher die Bedeutung „(Speichen-)Stab" erkennen. 100 Wohl aus plö(um). Ein Wechsel von ö zu au ist in jenen Gegenden auch sonst bezeugt. Man denke etwa an plaudo = plodo, plausor = plosor, plaustrum = plo­strum usw. 101 LESER, P. Entstehung und Verbreitung des Pfluges. Münster 1931. 530 (Anm. 143). Auch 567, Nr. 6: „Das bisher noch immer unerklärte Wort Pflug bedeutet nicht ... Beetpflug, sondern ebenso wie charrue oder nakolesnik ausschließlich Gerät mit Radvorgestell." Vgl. dagegen 236 unten: „Für noch verfehlter halte ich den Versuch, das Wort plaumoratum für den Namen der rotulae zu halten"! * 02 KOREN, H. Pflug und Arl. Ein Beitrag zur Volkskunde der Ackergeräte. Salzburg 1950. 215. Schon LESER (wie Anm. 101) konnte auf die Tatsache verweisen, „daß das Radvorgestell ähnlich verbreitet ist wie das Wort Pflug" (gut zu erkennen auf den Karten II und III bei BRATANlC, wie Anm. 11; vgl. auch HAUDRICOURT/ DEI AMARRE, Karte VI). 5* 67

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