Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Kothe, Heinz: Form- und Funktionswandel an Vierkantpflügen
die Arl nur dann als „Pflug" bezeichnet wird, wenn sie ein Rädergestell besitzt: „Bleibt das Radvorgestell weg, heißt der Pflug in der Regel wieder arl." Was also sollte uns hindern, das Wort plaum in der ursprünglichen Form *plo(g)um m im Sinne von „tali rotulas" mit der norditalischen Wagenbezeichnung plaustrum oder plöstrum zu vergleichen oder gar in der Bedeutung „talus" mit nhd. Pflock, ndl. plug, mnd. plugge, norw. plugg, wie es bereits verschiedentlich geschehen ist? Wäre dieser Vergleich berechtigt, so läge hier ebenso wie bei dem indogermanischen Wort rad- (rat-) eine Bedeutungsentwicklung von „Speiche" über „(Speichen-) Rad" zu „Räderkarren" vor 104 . In diesem Sinne könnten wir natürlich das pl- in dem Worte plog oder plug in gleicher Weise auf ein ostalpines *quel- zurückführen, wie es schon durch WALDE —POKORNY 105 für die oben genannten Wagenbezeichnungen geschehen ist. Der Wandel von qu zu p ist aber primär weder bei den Kelten noch bei den Venetern erfolgt, sondern •— wie ich erst kürzlich in einer Arbeit über den Apollon-Namen zeigen konnte — allein bei den bronzezeitlichen „Pelunern" im pannonisch-mährischen Bereich 106 . Der Ursprung des Wortes plug wäre also am ehesten hier zu erwarten, und wir hätten demzufolge den Urtyp des Beetpfluges etwa in der mittleren oder späten Latènezeit 107 dort zu suchen, wo ihn bereits KOVÁCS 1937 vermutet hat, in dem Land nämlich, in dem unser heutiger Kongreß tagt und in dem die Pflugforschung durch die vorbildliche Arbeit eines IVÁN BALASSA einen so hohen Stand erreicht hat. 103 „Schwund der auslautenden Gutturalis", nämlich Pflua statt Pfluag, gibt es nicht nur im Oststeirischen (L. BEIN, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. 44: 1914. 179), sondern auch in Nieder- und Oberbayern, vgl. etwa KASPAREK, wie Anm. 98: Pfloureitn, oder MUCH, wie Anm. 94: Pfluográdevát (zu Graderat siehe Anm. 98). Eine Entwicklung von plog(um) über ploum zu Igb. plovum vermutet übrigens auch KRATZ, wie Anm. 40, S. 220. l04Vgl. etwa lat. radius „Stab, Radspeiche" zu mhd. rat, lat. rota, lit. rätas „Rad" und aind. râtha, lit. rätai „Wagen". Ähnlich auch griech. kfklos „Rad" zu tochar. kukäl „Wagen" (aus *k-k „Stab, Speiche"?). Ebenso slaw. kolo „Rad", kola „Wagen" zu *kol- „Stab"? 105 WALDE, A. Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen. Hrsg. von J. POKORNY. Bd. 2. Berlin und Leipzig 1927. 98: angeblich venetischer Herkunft. Nach H. WAGNER sogar keltisch (in: Etymologica, W. von Wartburg zum 70. Geburtstag. Tübingen 1958. 837). 106KOTHE, H. Apollons ethnokulturelle Herkunft. KZio 52: 1970. 223 ff. (Drei entstellende Druckfehler auf S. 224 und 230 entstanden durch Zusätze in der Fahnenkorrektur.) 107 Vgl. hierzu KOTHE, wie Anm. 85.