Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Kodedová, Oldriska: Hauptzüge der landwirtschaftlichen Entwicklung in den böhmischen Ländern und das landwirtschaftliche Schulwesen in den Jahren 1870 bis 1914

erhob die allgemeine Intensität der landwirtschaftlichen Produktion auf eine höhere Stufe — ein Zeichen der sich nähernden Konjunktur. Die Landwirt­schaft in den böhmischen Ländern ist zur höchstentwickelten Landwirtschaft in Zisleithanien geworden. Das alles erhöhte die Ansprüche und das Niveau der Fachkenntnisse der Bauern. Unter diesen günstigen Verhältnissen wurde jedoch die Entwicklung des landwirtschaftlichen Schulwesens durch die tschechisch­feindliche Schulpolitik der Taafe-Regierung negativ beeinflußt. Die Folgen der internationalen Spannung fingen an, in diese Entwicklung einzudringen, und von 1908 an spiegelten sich auch in der Landwirtschaft die Kriegsvorbereitungen wider. Bei Verfolgung der Entwicklung des landwirtschaftlichen Schulwesens kann man nicht die Tatsache übersehen, daß es von den 90er Jahren an zu einem Objekt der Erwägung der politischen Parteien wurde. Die gesamte Entwicklung des landwirtschaftlichen Schulwesens zeigte also vom Ende der 70er Jahre an immer deutlicher, daß die jungen Bauern nicht mehr mit den Erfahrungen ihrer Väter auskommen können. Ebenso zeigte die gleichzeitige Entwicklung, daß die bisherige Konzeption des Schulwesens nicht den derzeitigen Bedürfnissen entspricht. Daher kam es gleich zu Beginn der 80er Jahre zur Regelung des landwirtschaftlichen Schulwesens. Seine Struk­tur ging von dem mehrstufigen Unterricht aus und gab im Grunde dem land­wirtschaftlichen Schulwesen den Charakter, der bis zum Jahre 1914 bestehen blieb. Seit der Jahrhundertwende kam es auch im landwirtschaftlichen Schul­wesen zu einem verhältnismäßig bedeutenden Aufschwung. In der Fachbildung der Bauernjugend spielte eine nicht genügend ge­schätzte Rolle die Landlehrerschaft, die ein wirkliches Interesse an der Erhö­hung des Fortschrittes der Landwirtschaft und der soliden Kenntnisse auch der kleinen Bauern hatte. Was die gesamte Entwicklung des landwirtschaftlichen Schulwesens in den Jahren 1870—1914 betrifft, kann gesagt werden, daß es einen verhält­nismäßig großen Aufschwung durchgemacht hat. Sein charakteristischer Zug lag in der Verbreitung der niedrigsten Schultypen und der Bauernschulen mit Spezialeinstellung. Das Schulwesen hat stets den Klassencharakter bei­behalten. In der Landwirtschaftsentwicklung spielten eine wichtige Rolle die Fach­hochschulen, deren Errichtung in den böhmischen Ländern auf starken Wider­stand der Wiener Regierung und des österreichischen Ackerbauministeriums stieß. So sind sie erst am Anfang des 20. Jahrhunderts zustandegekommen.

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