Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn

DIE NEUZEITLICHE „LANDWIRTSCHAFTLICHE REVOLUTION UND IHRE ANFÄNGE IN UNGARN IMRE WELLMANN (Budapest, Hungary) Kann die tiefgreifende Umwälzung, die das Agrarleben Europas in der Neuzeit durchgemacht hat, als Revolution bezeichnet werden? Als eine „Agrar­revolution" in weiterem Sinne, die den ganzen Systemwechsel in sich faßt? Oder als eine „landwirtschaftliche Revolution", bei der sich unsere Aufmerksamkeit auf die Umwandlung der Agrarproduktion richtet? Das internationale Schrift­tum der Agrargeschichte vertritt diesbezüglich keinen einheitlichen Stand­punkt. Es steht außer Zweifel, daß man für die neuzeitliche Umwandlung der land­wirtschaftlichen Produktion und Technik eine derartige Konzeption der Re­volution, welche die bezeichnenden Züge dieser vor allem in einer von unten kommenden, plötzlichen, explosionsartigen, gewalttätigen Stürzung des Alten erblickt, schwerlich anwenden kann. Es steckt in der menschlichen Natur, daß unsere Aufmerksamkeit in erster Linie von dem erfaßt wird, was auffal­lender ist. Dies trifft auch für die auf einen Schlag vor sich gehende Wandlung jener historischen Erscheinungen zu, die — insbesondere wenn sie zur Ent­stehung einer neuen gesellschaftlichen Formation geführt hatten — mit Recht den Namen einer Revolution verdient haben. Man darf jedoch nicht ver­gessen, daß einerseits hinter jeder solchen explosionsartigen Wandlung die Spannkraft sich schon seit einer längeren Zeit angehäuft hat. Andererseits wäre die Auslegung des Begriffes „Revolution" eng und einseitig, wenn man ihr Wesen bloß in der Stürzung des Vorhandenen suchen würde. Die Benen­nung „Revolution" kann in positivem Sinne des Wortes nur jener Bewegung zugesprochen werden, die in dem Umsturz des Alten lediglich ein Mittel erblickt, um es mit etwas Neuem, Besserem zu ersetzen. Der Aufbau dieses Neuen ist aber selbst im Falle der großen gesellschaftlich-politischen Revolutio­nen ein langbefristeter Prozeß. Um so länger dauerte in der Vergangenheit „die Veränderung der Welt" auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Lebens, wo die Hauptträger der Ent­wicklung im allgemeinen nicht rasch ablaufende Ereignisse, sondern anhal­tende Prozesse waren. Würden wir jedoch den plötzlichen und gewaltsamen Charakter der Umwandlung für entscheidend halten, so könnte man auf diese Weise auch in der Industrie von keiner Revolution sprechen. Um so weniger auf dem Gebiet der Landwirtschaft, wo die Überhandnähme des das Alte ablösenden Neuen durch spezifische Umstände erschwert und gebremst wurde. So zunächst durch die gesteigerte Abhängigkeit von den Faktoren der Natur,

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