Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn

die sich den lokalen Gegebenheiten entsprechend auf sehr unterschiedliche Art geltend machten. Diese Mannigfaltigkeit, die jeder umfassenden Um­wandlung im Wege stand, wurde durch die für die Landwirtschaft bezeich­nende hochgradige gebietsmäßige Gliederung noch gesteigert, was eine Kon­zentration sowie eine rasche Verbreitung der neuen Errungenschaften gleicher­weise behinderte. Auch in bezug auf die Wirtschaftseinheiten zeigte sich eine starke Zerstückelung: das Grundgewebe der Landwirtschaft wurde zumeist von einer Vielheit von bäuerlichen Kleinbetrieben gebildet. Sogar schritt die Zerstückelung im Großteil Europas, wo das „open field" System herrschte, so weit fort, daß der Besitz von je einem Landwirten auf zahlreiche, unter die Besitzstücke von Anderen eingekeilte Parzellen verteilt war. Die daraus fol­gende gebundene Bewirtschaftung, der Flurzwang, hat jeder individuellen Aufwendung und jedem individuellen Bestreben nach etwas Neuem und Besserem Einhalt geboten. Der individuelle Fleiß hatte jedoch auch dort keinen Zweck, wo sich der landwirtschaftliche Betrieb, mangels entsprechender Absatzmöglichkeiten oder Unternehmungslust, im wesentlichen auf Selbstver­sorgung eingerichtet hatte. Ein weiteres schweres Hemmnis der Erneuerung der Landwirtschaft stellte auf großen Gebieten Europas das feudale Höri­gensystem dar, zufolge dessen das Eigentumsrecht über Grund und Boden dem Grund- bzw. Gutsherrn vorbehalten war, vom Bauern, der sich in abhän­giger Lage befand, in der Form von Zehntel (Neuntel) mehr weggenommen wurde, wenn er mehr produzierte, auch wurde Letzterer im Osten mit dem seine Arbeitskapazität stark in Anspruch nehmenden Frondienst belastet. Wo aber der Druck der Herrschaftsgewalt bereits nachließ, auch dort drückten von Vätern geerbte, mit Aberglauben und Vorurteilen vermischte Traditionen ihren Stempel der bäuerlichen Wirtschaft auf. Der Bauernsohn machte sich die herkömmlichen, zufolge des bäuerlichen Konservativismus im wesentlichen über Generationen hinaus gleichbleibenden Geräte und Methoden der Wirt­schaftsführung zu eigen. Es wurde an diesen ursprünglichen Sinn des Wortes Tradition gedacht, der auf der unmittelbaren Kenntnisübertragung beruht, als wir für die dritte Sektion des III. Internationalen Kongresses der Land­wirtschaftlichen Museen den Themenkreis „Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft" vorgeschlagen haben. Und wenn man bedenkt, daß diese sich vom Vater auf den Sohn vererbten Traditionen erst in der Neuzeit wissenschaft­lich fundierten Fachkenntnissen, die bereits durch die Fachliteratur, den Fachunterricht und die übrigen entwickelten Mittel der Verbreitung land­wirtschaftlicher Kenntnisse weiten Kreisen zugänglich gemacht wurden, das Feld räumten, so wird es klar, daß es sich dabei um die Probleme der neuzeit­lichen landwirtschaftlichen Entwicklung, des Übergangs von Feudalismus zum Kapitalismus handelt. Hatten sich schließlich in der landwirtschaftlichen Erzeugung die tech­nischen und methodischen Neuerungen dennoch in der Praxis durchgesetzt, so dauerte es auch dann gewöhnlich lange, bis der Systemwechsel von oben an­gefangen ganz unten bis zu den kleinsten, am meisten an die Scholle gebun­denen bäuerlichen Kleinbetrieben und damit im ganzen Agrarleben sich eine Geltung schaffen konnte. Um so mehr, als sich die „Agrarrevolution" der Neuzeit selbst auf gesellschaftlicher Ebene: bei der Bauernbefreiung nicht von einem Tag auf den anderen abgespielt hat. Teilweise bereitete die auf dem Gebiet der ProduLtion und Technik der Landwirtschaft vor sich gegangene

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