Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Jacobeit, Wolfgang: Die Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft in volkskundlicher Sicht

einem ganz 'anderen BMokwinikei als unter dem der Kriterien „vorindustriell" und „industriell". Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft bedeutet dann nämlich, daß sich dieser Vorgang im Rahmen der Ablösung einer ökonomischen Gesellschaftsformation durch eine nächst höhere vollzieht bzw. ein Teil davon ist, daß er in seinen Wirkungen keineswegs auf die ökonomische Basis der Gesellschaft begrenzt ist, sondern alle Seiten des gesellschaftlichen Lebens erfaßt 2 , und daß dieser Umwandlungsprozeß auch kein einmaliger Akt ist, sondern sich im Geschichtsverlauf unter entsprechend neuen Qualitätskriterien wiederholt, d. h. Umwandlungen der jeweiligen „traditionellen" Landwirt­schaft finden sowohl in der Epoche des Ubergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus, wie auch im Ablösungsprozeß zwischen kapitalistischer und sozialistischer Gesellschaftsordnung statt. Wenn wir nunmehr unter volkskundlichen Gesichtspunkten nach dem Umwandlungsprozeß „traditioneller Landwirtschaft" fragen, gehen wir von der Gegenstandsbestimmung der Volkskunde als einem kulturhistorischen Zweig der marxistisch-leninistischen Geschichtswissenschaft aus und formu­lieren sie folgendermaßen: Erforschung der Wesensmerkmale und Entwicklungs­gesetze von Kultur und Lebensweise der werktätigen Klassen und Schichten des Volkes innerhalb der Gesellschaftssysteme des Feudalismus, Kapitalismus und Sozialismus unter besonderer Berücksichtigung der schöpferischen Rolle und Bedeutung der Werktätigen und ihres Anteils am Kulturfortschritt. — Nach dieser aus neuester Sicht erwachsenen marxistischen Gegenstandsbe­stimmung stehen nicht die Einzelerscheinungen der materiellen oder geistigen Kultur, die Objektivationen als solche - d. h. isoliert vom konkret-historischen Prozeß — im Vordergrund, sondern der Gesamtkomplex von Kultur und Le­bensweise der werktätigen Klassen und Schichten als Ausdruck ihres Han­delns für den gesellschaftlichen Fortschritt. Auf die Umwandlungsepochen „traditioneller Landwirtschaft" bezogen, betrachtet es demnach die marxi­stische Volkskunde als ihre Aufgabe, zu untersuchen, wie z. B. die vom Feuda­lismus bestimmte Kultur und Lebensweise der werktätigen agrarischen Be­völkerung neue, der kapitalistischen Entwicklung entsprechende Ausprägun­gen annahm, wie sich also innerhalb der sozialen Klassen und Schichten des Dorfes der Umwandlungsprozeß vom Feudalismus zum Kapitalismus vollzogen hat. Diesen Vorgang wollen wir im folgenden am Beispiel der deutschen Geschichte demonstrieren. Wir wählen dafür den Zeitraum von 1789 bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts, jenen Zeitraum also, in dem die Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise zur Herausbildung des modernen Industrie- und Landproletariats geführt hat. Am Beginn dieser Periode ist die Situation wie folgt zu umreißen: Der zunehmende Widerspruch zwischen den herrschenden feudalen Produktionsverhältnissen und dem Ent­wicklungsstand der Produktivkräfte hinderte die Masse der feudal 2„Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze un­geheure Uberbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Um­wälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissen­schaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktions­bedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder phi­losophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten." MARX, KARL. Kritik der politischen Ökono­mie. In: Karl Marx—Friedrich Engels. Werke (MEW). XIII. 9.

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