Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Jacobeit, Wolfgang: Die Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft in volkskundlicher Sicht
abhängigen und unfreien Bauern, am allgemeinen agrarischen Fortschritt teilzuhaben'. Nach wie vor wurde der Bildungsgrad bewußt niedrig gehalten, stagnierte vielerorts die Entwicklung, bestimmten wie seit jeher die seit Generationen überlieferten, mündlich tradierten Erfahrungen und Gewohnheiten, die brauchtumlichen Bindungen, der patriarchalische Charakter der bäuerlichen Hoffamilie, die herkömmlichen Glaubensvorstellungen, eine tiefe, an die Kirche gebundene Religiosität usw. Kultur und Lebensweise der kleinen und mittleren Bauern/ 1 Demgegenüber gab es die Schicht der „großen Bauern", die in der Lage war, sich ein Mehrprodukt durch den Anbau und Verkauf preisintensiver Produkte zu schaffen, dadurch ihre Wirtschaft zu rekonstruieren, vor allem aber so viel zu akkumulieren, daß sie sich von feudalen Lasten freikaufen konnte. Nach der Niederwerfung Preußens 1806 gehörten die bürgerlichen Agrarreformen (seit 1807) zu den Maßnahmen, die eine sich nur zögernd vollziehende Ablösung der Feudalordnung einleiteten und die unmittelbaren Voraussetzungen für die Durchsetzung des Kapitalismus schufen. Im Bereich des Dorfes und in der Landwirtschaft vollzog sich ein sozialer Polarisierungsprozeß, der sich bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts deutlich abzuzeichnen begonnen hatte. Dieser Polarisierungsprozeß führte — von der bürgerlichen Forschung geleugnet — unter den Bedingungen des „Preußischen Weges" in der Landwirtschaft zur Ruinierung der Masse der werktätigen bäuerlichen Bevölkerung bei gleichzeitiger Herausbildung einer Schicht kapitalistischer Landwirte und endete schließlich mit der völligen Auseinanderentwicklung und Auflösung der Struktur der alten Bauernschaft. An ihre Stelle traten neue soziale Typen der Landbevölkerung, die dem kapitalistischen Gesellschaftssystem entsprachen und sich im Landproletariat bzw. dem Großbauern bürgerlicher Prägung manifestierten. Die breite Schicht der Mittelbauern tendierte je nach den Entwicklungsetappen dieses Polarisierungsprozesses zum Abstieg ins Proletariat oder zum Aufstieg in die bürgerliche Klasse. Dieser Prozeß mit allen seinen Folgerungen vollzog sich nicht überall gleichzeitig. Er war in Abiauf, Intensität und Ergebnis je nach den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen der einzelnen Landschaften verschieden und erstreckte sich über entsprechend kürzere oder längere Zeiträume. Im agrotechnischen Bereich erlaubte in Deutschland der Stand der Produktivkräfte bis zur Jahrhundertmitte noch keinen Einsatz von Produktionsinstrumenten aus der Fabrikindustrie. Der Formenreichtum an Arbeitsgeräten spiegelte in dieser Zeit den Höhepunkt der Zusammenarbeit zwischen Bauern 3 Diese Feststellung steht nicht im Gegensatz zu den Forschungsergebnissen von HANS-HEINRICH MÜLLER, der gerade im Spätfeudalismus ein beachtliches Anwachsen des Anteils der bäuerlichen Schichten am Fortschritt der agrikolen Produktivkräfte nachgewiesen hat. MÜLLER, HANS-HEINRICH. Märkische Landwirtschaft vor den Agrarreformen von 1807. Entwicklungstendenzen des Ackerbaues in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. (Veröffentlichungen des Bezirsksheimatmuseums Potsdam, 13). Potsdam 1967. 4 In ihren regional stark differenzierten und mannigfaltigen Formen war die weitgehend vom Feudalismus geprägte Volkskultur der „geistige Reichtum der Bauern, zugleich aber auch ihre Beschränktheit, da sie an den Schätzen der Literatur, der Musik, der bildenden Kunst der 'Hochkultur' nicht teilnahmen, nicht teilnehmen wollten und nicht teilnehmen konnten". STEINITZ, WOLFGANG. Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten, II. Berlin 1962. XXVI.