Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Jacobeit, Wolfgang: Die Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft in volkskundlicher Sicht
DIE UMWANDLUNG DER TRADITIONELLEN LANDWIRTSCHAFT IN VOLKSKUNDLICHER SICHT WOLFGANG JACOBEIT (Berin, German Democratic Republic) Es ist allgemein bekannt, daß sich die Volkskunde seit jeher mit der sogenannten „traditionellen Landwirtschaft" viel und gern beschäftigt hat. Die große Zahl der Monographien und die schier unübersehbare Fülle von Einzelstudien über die Arbeitsgeräte stellen den überzeugendsten Nachweis volkskundlicher Untersuchung in diesem Bereich dar. Es sind zum größten Teil Arbeiten, die ihren Gegenstand in der Zeit vom 18. Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts haben. Die Perioden über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus, die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts oder gar die Gegenwart finden in volkskundlichen Darstellungen zur Landwirtschaft kaum noch Berücksichtigung, denn — wie häufig von volkskundlicher und agrarhistorischer Seite betont wird — um die Mitte des 19. Jahrhunderts geht die „traditonelle Landwirtschaft" unwiderruflich zu Ende. Die Landmaschinenindustrie, die Landmaschinentechnik beginnt die Arbeit in Feld, Stall, Haus und Hof mehr und mehr zu beherrschen — und dies zu untersuchen, ist nicht Sache der Volkskunde, sondern der Agro-Technikgeschichte. „Traditionelle Landwirtschaft" wird also gleichgesetzt mit vorindustrieller Landwirtschaft und damit die Grenze zwischen zwei Kompetenzbereichen gezogen. Eine so vorgenommene Unterscheidung geht jedoch nur höchst einseitig und geradezu simplifiziert von eigentlich nur formalen Kriterien aus und wird so dem historischen Prozeß, den die Umwandlung der „traditionellen Landwirtschaft" ja letztlich und entscheidend darstellt, in keiner Weise gerecht, ja sie negiert ihn geradezu. Als Historiker aber muß es uns in erster Linie auf die Untersuchung und Erhellung eben dieses Prozesses ankommen, und erst von ihm aus ist die Analyse der Einzelfaktoren vorzunehmen, ist überhaupt die Frage nach der traditionellen Landwirtschaft und ihrer Umwandlung zu stellen. Wenn wir im folgenden zu dieser Problematik einige Ausführungen machen, so tun wir das von den Positionen des historischen Materialismus aus, d. h. wir basieren vor allem auf der Erkenntnis, daß „allein die Zurückführung der gesellschaftlichen Verhältnisse auf die Produktionsverhältnisse und dieser wiederum auf den jeweiligen Stand der Produktivkräfte eine feste Grundlage dafür [bieten], die Entwicklung der Gesellschaftsformationen als einen naturgeschichtlichen Prozeß darzustellen" 1 . Von dieser Grundlage ausgehend, steht die Frage nach der Umwandlung der „traditionellen Landwirtschaft" unter iLENIN, W. I. Was sind die „Volksfreunde"'? In: W. I. Lenin, Werke I. 131. 19* 291