Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Barabás, Jenő: Innovationszentren in der ungarischen Agrarkultur

INNOVATIONSZENTREN IN DER UNGARISCHEN AGRARKULTUR JENŐ BARABÁS (Budapest, Hungary) Heute wissen wir schon, daß die Volkskultur, und in ihr die bäuerliche Agrarkultur, kein statisches Gebilde darstellen, wie es die frühere und ziem­lich romantisch inspirierte Forschung meinte. Man kann natürlich auf Konti­nuität, Stabilität hinweisen, doch selbst die Änderungen sind nicht gegenwär­tigen Ursprungs. Neuerungen und Innovationen haben die Volkskultur immer geformt. 1 Es kann die Tatsache, daß die Dynamik der Änderungen, die Mobilität in den vorangegangenen Jahrhunderten beträchtlich niedriger war als in den letzten 200 Jahren, zu keiner optischen Täuschung führen. Das Erscheinen der die Änderung herbeiführenden Faktoren, der Neuerun­gen und Innovationen, sowie die der Innenentwicklung weisen gewisse Regel­mäßigkeiten auf, und eine dieser meldet sich darin, daß sich regionale Knoten­punkte herausbilden. In diesen Knotenpunkten oder Innovationszentren ver­dichten sich, häufen sich die Neuerungen. Eine scheint der anderen den Grund zu schaffen, die Volkskultur, ja sogar die ganze Gemeinkultur wird mobil, eine Anzahl von Elementen erneuern sich. In diesen Innovationszentren verbreiten sich am meisten die Neuerungen, und von ihnen aus strahlen sie in nä­here oder entferntere Bereiche. Bestimmte gesellschaftlich-wirtschaftliche Grün­de wirken natürlich mit, damit eine Region oder gar eine einzige Siedlung zum Innovationszentrum wird. Damit soll gerechnet werden, auch wenn die vorliegende Arbeit diese Gründe nicht behandelt, sondern nur die Ergebnisse anführt. Ich meine, zunächst sollen wir die Innovationszentren in Betracht ziehen, und erst in ihrer Kenntnis lassen sich die Auslösungskräfte klarlegen. Die Mehrheit der Innovationszentren ist nicht gleicher Richtung und gleichen Maßes in der Neuerung. Die Innovationsrolle einzelner Regionen tritt bloß in einem oder in zwei Sektoren zutage. 2 Wenn z. B. ein Bezirk Neuerer im Bereich der Viehhaltung ist, steht noch nicht sicher, daß er auch in Kleidung, oder Volks­dichtung einen ähnlichen Weg geht. Es kommt sehr häufig vor, daß die in einem Sektor Neuerungen hervorbringenden Bezirke in anderer Hinsischt ein durch­aus konservatives Bild aufweisen, für das bedeutende Stabilität charakteris­tisch ist. Indem wir versuchen, die wichtigeren Innovationszentren der Agrar­kultur in Ungarn in Betracht zu ziehen, will damit keineswegs gesagt werden, l BARNETT, H. G. Innovation: The Basis of Cultural Change. New-York —To­ronto —London 1953. 2 BRINGÉUS, N. A. Das Studium von Innovationen. Zeitschrift für Volkskunde 64: 1968. 161.

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