Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Barabás, Jenő: Innovationszentren in der ungarischen Agrarkultur

daß dieselben die Neuerungsbezirke auch in anderen Sektoren der Volkskultur wären. Eine derart begrenzte Bestandaufnahme ist jedenfalls nicht ohne Grund, denn sie lenkt die Aufmerksamkeit auf gewisse Feldlinien und Beziehungen, und bildet den Ausgangspunkt zu weiteren Untersuchungen. Innovationen lassen sich bereits in früh- und vorgeschichtlichen Perioden ausweisen, ja sogar zeichnen sich die Umrisse bestimmter Zentren ab. Ein zuverlässigeres, im allgemeinen an Einzelheiten reicheres Bild können wir uns aber erst vom Spätmittelalter an vorstellen, zwar bedeuten die mangelhaften Quellen auch zu dieser Zeit beträchtliche Schwierigkeiten. Wir verfügen aber über sicherere Anhaltspunkte in einigen charakteristischen Momenten. Ziem­lich gut läßt sich die Anwendung der Sense in der Getreideernte statt der Sichel im Bereich der früheren Innovationen in der ungarischen Tiefebene, näher in der Umgebung von Szeged feststellen. 3 Diese auch in sich selbst sehr wichtige und im 15. Jahrhundert schon nachweisbare Neuerung war mit weitge­henden Konsequenzen verbunden. Einerseits nahm dadurch die Produktivität zu, andererseits wurde sie zum Ausgangspunkt weiterer Neuerungen, und begründete damit die hochentwickelte Agrarkultur der Tiefebene im 15. Jahr­hundert. Die mit dieser Ernteart organisch zusammengebauten Elemente bildeten ein System, und gliederten sich in die bereits früher angewandte Entkörnung durch Austreten ein. Dieser mittlere Teil der Tiefebene hat seinen zentralen Charakter im Getreideanbau in den folgenden Jahrhunderten beibehalten. Hier gebrauchte man das zum nicht ausgedroschenen Getreide dienende speziale Rad­transportmittel allgemein, und auch hier taucht das Austreten durch Wagen, als ganz rationelle Form auf. 4 Auch die zweckmäßigste Zusammenstellung der während der Getreideernte mit Garbenbinden entstehenden Arbeitsgruppen erscheint hier, was vielleicht der Tatsache zu verdanken ist, daß man einen leichter als die Sichel handhabenden Getreidehaken entwickelt, und kein be­sonderes Mittel zum Garbenbinden verwendet, wenn Garben überhaupt ge­bunden werden. Hierzu kommt noch Austreten des Getreides auf dem Acker. Locker zwar, doch hängt damit der Ausbau eines Siedlungssytems im 17. und 18. Jahrhundert zusammen, dem zugrunde liegt, daß Betriebsstellen in der Flur entstehen, zunächst ohne Gebäude (aber auch in diesem Falle wird das Ge­treide hier ausgetreten), später errichtet man aber einige. Das Ausgangszentrum dieses Systems ist ebenfalls die Umgebung von Kecskemét und Szeged. 5 Offen­sichtlich als spätere Entwicklung, gehört zum Bereich des Getreideanbaus in dieser Gegend, daß man den zweckmäßigeren Sack statt des Leintuchs zur Aussaat verwendet. Allem Anschein nach ist das grundlegende Moment, die Sensenernte in diesem Innovationszentrum Ergebnis einer inneren Entwicklung, und nicht einer 3SZABÔ, I. Bács,. Bodrog és Csongrád megye dézsmalajstr ornai 1522-ből (Ze­hentregister der Komitate Bács, Bodrog und Csongrád aus d. J. 1522). Budapest 1954. —• TALASI, I. A termelés és a nyelv kapcsolata aratóműveleteinkben (Beziehungen von Erzeugung und Sprache in unseren Ernteverfahren). Ethnographia 68: 1957. 218. — BALOGH, I. A gabona betakarítása a XVI—XVII. században (Die Getreideernte im 16—17. Jh.). Ethnographia 68: 1957. 276. 4 GYÖRFFY, I. Takarás és nyomtatás az Alföldön (Ernte und Austreten des Korns in der Tiefebene). Néprajzi Értesítő 20: 1928. 17, 29. SMÁRKUS, I. Kertek és tanyák Nagykőrösön a XVII—XVIII. században (Garten und Einzelgehöfte in Nagykőrös im 17—18. Jh.). Kecskemét 1943. — SZABÓ, K. Kecskeméti tanyák (Einzelgehöfte von Kecskemét). Kecskemét 1936.

Next

/
Oldalképek
Tartalom