Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Markus, Michal: Gemeinsame Forschungsprobleme der Entwicklung von Landwirtschaft und Ernährung
orientierten die Forscher nur über das Mahl (die Gelage) der bevorzugten Klassen, der Herrscher und Adeligen. Uber die Speisen des Volkes, der breiten Masse haben wir nur ab und zu vereinzelte Angaben. Um diese doch irgendwie rekonstruieren zu können, müssen wir uns in erster Linie auf die Uberlieferungen der Volksernährung stützen. Ausgehend von der Gegenwart schreiten wir forschend in die Vergangenheit zurück, indem wir dabei alle Formen der vergleichenden Methode anwenden. Viel Hilfe bieten in dieser rekonstruierenden Arbeit die Hilfswissenschaften, wie z. B. Archäologie, Linguistik (Dialektologie), Ethnobotanik und die verschiedenen Auf zeichungen in mittelalterlichen Urkunden, handschriftlichen Chroniken und Legenden. Im Aufwerfen der Forschungsprobleme, Gesichtspunkte und in deren Lösung ist der Eifer der europäischen agrargeschichtlichen und agrarethnographischen Forscher vorbildlich. Sie konzertrieren ihre Aufmerksamkeit von Thema zu Thema zuerst nur auf einen Arbeitsgang oder ein Arbeitsgerät, und fangen erst nachher die synthetische Bearbeitung an. 3 Betrachten wir nun genauer die gemeinsamen Probleme, die in der Erforschung der Entwicklung von Landwirtschaft und Ernährung parallel zu lösen sind. Es handelt sich an erster Stelle um die verschiedenen älteren Kulturpflanzen, wie z. B. um verschiedene Arten der Hirse, den Dinkel, das Einkorn, den Buchweizen, von den Gemüsesorten um die Erbse, den Kohl und um die verschiedenen Rübenarten. Bis vor 1—2 Jahrhunderten haben diese archaischen Kulturpflanzen fast in ganz Europa zur Herstellung der täglichen breiigen Speisen' 1 und des flachen, oft sauerteiglosen Fladen gedient. 5 Formen des Anbaues, der Qualität, Aufarbeitung und Form der Konsumierung sowie die daranknüpfenden Überlieferungen interessieren die Forscher der Entwicklung des Agrarlebens und die der Ernährung gleicherweise. Mit ähnlichem Interesse verfolgen wir die historischen Beziehungen der neueren Kulturpflanzen, wie z. B. die der Kartoffel (der in den letzten 150 Jahren ungefähr 40 verschiedene Knollenpflanzen in Europa das Feld räumen mußten), des Maises, der Zuckerrübe usw. Jede dieser Pflanzen hat in der Ernährung der europäischen Völker bedeutende Wandlungen hervorgerufen. 6 Wenn 3Die Forscher der Agrarethnographie haben schon diese Fragen eingehend an einer Konferenz besprochen, deren Ergebnisse im Sonderheft Agrarethnographie, Vorträge der Berliner Tagung 29. 9. — 1. 10. 1955. Berlin 1955 veröffentlicht wurden. In gleichem Geist wurde auch die Zeitschrift Tools and Tillage 1968 gegründet, die vom Internationalen Sekretariat für die Erforschung der Geschichte, der Landwirtschaftlichen Geräte in Kopenhagen herausgegeben wird. 4 Zu den Problemen der breiigen Speisen s. : KISBÁN, E. Nyersanyag és technika (Ungarische breiige Speisen). Néprajzi Értesítő 1960. 5—27. STOKAR, W. Die Urgeschichte des Hausbrotes (Kap. „Brei"). Leipzig 1951. 94—110. — MAURIZIO, A. Die Geschichte der Pflanzennahrung von den Urzeiten zur Gegenwart. Berlin 1927. 5 Das Brot und die fladenartigen Gebäcke haben eine ansehnliche Literatur. Mit den europäischen Brotforschungs-Problemen haben sich zuletzt am meisten deutsche und ungarische Forscher: H. SCHÜRER-WALDHEIM, W. STOKAR, M. BRINGEMEIER, H. MEISE, R. RAPAICS, B. GUNDA, E. KISBÄN usw. eingehend beschäftigt. 6 Die Erforschung der europäischen Kulturpflanzen hat eine ziemlich umfangreiche Literatur. DE CANDOLLE, A. Origine des plantes cultivées. Paris 1883.