Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Andrásfalvy, Bertalan: Weidegang und Hirtenwesen in Transdanubien und in der Großen Ungarischen Tiefebene

WEIDEGANG UND HIRTENWESEN IN TRANSDANUBIEN UND IN DER GROßEN UNGARISCHEN TIEFEBENE BERTALAN ANDRÁSFAL VY (Pécs, Hungary) In Ungarn wurden bisher hauptsächlich das Hirtenwesen und die Vieh­haltung der Großen Ungarischen Tiefebene (Alföld) erforscht, weil man dort Überbleibsel eines nomadenartigen Hirtentums der landnehmenden Vorfahren zu finden glaubte. In der öffentlichen Meinung Europas ist das Bild der baum­losen Grassteppen, der Pußta, mit den auf dieser weidenden Herden so eng mit dem Begriff Ungarns verbunden, wie die Fjorde mit dem Begriff Norwegens. Auch verschiedene wissenschaftliche Fachstudien sind nicht frei von diesem romantischen Bild. Die neuesten Ergebnisse der historischen Pflanzengeographie beweisen je­doch, daß die Ungarische Tiefebene einst waldig war; kleinere baumlose Flächen befanden sich nur auf dem trockenen Grat der Lößrücken. Die baum­losen Gebiete entstanden erst später infolge menschlicher Tätigkeit: Wald­rodung, schonungsloses Weiden, Verwüstungen in Kriegszeiten, Regulierung der Flüsse und Kainalbau zum Austrocknen von Sümpfen. Infolge der letzteren entstanden auch die weiten Gebiete von Flugsand und unfruchtbarem Alkali­boden. 1 Aufgrund neuester Forschungen sind mehrere sowjetische Wissenschaft­ler der Meinung, daß auch die Moldau und Südrußland nicht so baumlos waren, wie wir es bisher allgemein vermuteten. 2 Und es war dieses Gebiet, zwischen den Ostkarpaten und der Wolga, wo die ungarischen Stämme einige Jahrhun­derte lang lebten, bevor sie im 9. Jahrhundert das Karpatenbecken besetzten. Die Steppen der genannten Zone sollen ebenfalls antropogener Herkunft sein. Auch die Tatsache, daß die Ungarische Tiefebene im Mittelalter von einem dichten Siedlungsnetz bedeckt war, schließt es aus, daß dort damals große, unbewohnte Pußten existierten, die man mit großen Herden von mehreren hundert Tieren so beweiden hätte können, wie es noch im vergangenen Jahrhundert zu se­hen war. 3 Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur der autarchen, patriar­chalischen ungarischen Bauernfamilie und des Bauerndorfes bedurfte keiner 'SOÖ, R. Az Alföld kialakulásának mai megítélése és vitás kérdései (Heutige Beurteilung und Streitfragen der Herausbildung der Großen Tiefebene). Földrajzi Értesítő 8: 1959. 1—26. 2 DARBY, H. C. The Clearing of the Woodland in Europe. In: Man's Role in Changing the Face of the Earth, edited by William L. Thomas Jr. Chicago 1962. 204. 3 SZABO, I. A falurendszer kialakulása Magyarországon (Herausbildung des Dorfsystems in Ungarn). Budapest 1966.

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