Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Andrásfalvy, Bertalan: Weidegang und Hirtenwesen in Transdanubien und in der Großen Ungarischen Tiefebene
gemeinsamen Herden, in denen man die Tiere, nach Geschlecht und Alter verteilt, durch Berufshirten bewachen ließ. Oft fehlten auch solche Flächen, die man nur durch Weidegang benutzen durfte. Ähnlich sind die Verhältnisse in den waldigen Gebieten Tramsdanubiens (d. h. des Gebiets westlich der Donau) bis zur Mitte, mancherorts auch bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts geblieben; deshalb gab es dort nur wenige Dorfhirten, Berufshirten. Die einzelnen Familien bzw. Großfamilien oder einige verwandte Familien ließen ihre Tiere (Pferde, Rinder, Schweine. Schafe und auch Gänse!) in getrennten, eigenen Häuften weiden. So bildeten die Tiere selbständige, natürliche Rudel, in welchen alle von einem Blut stammten und von einem Älteren geführt waren. Auf solche natürliche Rudel deuten die folgenden ungarischen Ausdrücke wie ménes, konda, ünöm (das letztere Wort wurde auf der Tiefebene aufgezeichnet). Die Älteren beschützten die Jüngeren, Schwächeren gegen Raubtiere, Fremde und Gewitter. Das Vieh weidete eigentlich hirtenlos, es hatte nur einen ständigen Aufseher, meistens einen unverheirateten Burschen von der Großfamilie, der immer in der Nähe des Rudels im Walde hauste. Diese Tiere konnte main nacht mit Peitschen oder Hirtenhunden treiben, nur locken und herbeirufen. (Die großen Hirtenhunde — komondor — wurden nicht zum Treiben, sondern als Schutz gegen Wölfe und Räuber gehalten, die kleinen Schäferhunde — puli — wurden nur sehr spät und nur auf baumlosen Weiden verwendet.) Diese Art und Weise des Weidegangs und des Hirtenwesens ist eng verwandt mit Formen der Viehhaltung in west- und nord europäischen Gebieten/' Aufgrund der erwähnten Tatsachen ist anzunehmen, daß die auf den waldigen Geländen Transdanubiens noch vor hundert Jahren lebendige und charakteristische Art und Weise der Weidegangs einst, vor den Verwüstungen der Türkenzeit auch in der Großen Ungarischen Tiefebene vorhanden war. Noch während der Türkenzeit entstanden hier jene großen Bauernstädte mit einer riesigen unbewohnten Umgebung, wo — infolge einer rascheren Entwicklung der Warenproduktion und der gesellschaftlichen Differenzierung — das Vieh, der Nutzung gemäß gruppiert, in großen gemeinsamen Herden, durch bezahlte Berufshirten extensiv gehalten und gehütet wurde. Die zwei geschilderten Formen des Hirtenwesens charakterisierten nur in einem gegebenen Zeitpunkt zwei Landschaften Ungarns. Zugleich aber bedeuten sie zwei Stufen in der Entwicklung des Bauernlebens, der bäuerlichen Viehhaltung und Landwirtschaft. Zur Bezeichnung der älteren Stufe (in deren Rahmen unser transdanubiscbes Modell des Weidegangs und Hirtenwesens gehört) verwenden wir mit Vorliebe den Ausdruck: traditionelle Landwirtschaft. 5 Doch dürfen wir, nach meinet Meinung, dem Begriff „traditionelle Landwirtschaft" nicht den Begriff „rationelle Landwirtschaft" entgegenstellen. Eine Bestrebung, aufgrund empirischer Erfahrungen zu handeln, ist bei allen wirtschaftlichen Tätigkeiten seit je nicht zu leugnen. Der entscheidende Unterschied zwischen der als traditionell bezeichneten Landwirtschaft und zwischen jener, die diese nach der landwirtschaftlichen Revolution ablöst und zurückdrängt, besteht in einer Bestre4SZABO, M. Herdar och husdjur. (Nordiska Museets Handlingar 73.) Stockholm 1969. — TRIER, J. Venus. Etymologien um das Futterlaub. Köln — Graz 1963. sSiehe die Studie von G. E. FUSSELL in diesem Band.