Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Smelhaus, Vratislav: Die Teiche als Faktor gründlicher Wandlungen in der böhmischen Landwirtschaft

DIE TEICHE ALS FAKTOR GRÜNDLICHER WANDLUNGEN IN DER BÖHMISCHEN LANDWIRTSCHAFT VRATISLAV SMELHAUS (Praha, Czechoslovakia) In gewissem Sinne ist jede wissenschaftliche Arbeit ein Kampf mit Vorur­teilen, ein stetiges Überholen der manchmal wissenschaftlich anscheinenden Vorurteile. Zu solchen gehörte in der tschechischen Geschichtsschreibung die Vorstellung, daß Südböhmen das klassische Gebiet und das 16. Jahrhundert eine Blütezeit der böhmischen Teichwirtschaft sind. Beides ist falsch. Erstes war grundsätzlich schon dem großen JOSEF SUSTA dem Älteren klar, dem, obzwar einem Laien in Geschichtsforschung und hervorragendem praktischen Landwirt, historisches Denken in höchstem Maße eigen war und dem wir das von methodologischem Standpunkt kaum überholbare Buch „Fünf Jahrhunderte der Teichwirtschaft zu Wittingau" verdanken, das schon im J. 1898 in Stettin deutschsprachig erschienen ist. SUSTA stellte u. a. ausdrücklich fest, daß die südböhmische, auf kargem Boden betriebene Teichwirtschaft zu Zeiten, wo die Karpfenzucht natürlich noch reine Weidwirtschaft war und sein mußte, niemals dieselbe wirtschaftliche Bedeutung haben konnte wie jene, die auf fruchtbarem Boden des ostböhmischen Elbgebietes betrieben wurde. Die Entwicklung der Teichwirtschaftssysteme in der ostböhmischen Ebene ist dynamischer als die der südböhmischen und man kann bei ihrer Durch­forschung mehrere, vom Standpunkt der Wirtschaftsgeschichte sehr interessante Ergebnisse feststellen. So wird z. B. klar ersichtlich (und es kann als typisch gelten), daß auf dem Gebiete der großen ostböhmischen Herrschaft Hradistko (d. h. des westlichen Anteils der späteren Riesendomäne von Chlumec n. C.) in dem Zeitraum zwischen 1517 und 1603 1 , also während der angeblichen gol­denen Zeit der böhmischen Teichwirtschaft, kein einziger Teich neu gegründet worden ist. Keinen einzigen neuen Teich haben da die Pernsteiner erbaut, denen diese Herrschaft im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts gehörte und die der älteren tschechischen Geschichtsschreibung als notorisch berühmte und erfolgreiche Teichbauer und -wirte galten. Mindestens für das gerade in dieser Hinsicht wirtschaftlich bedeutende Ostböhmen ist also als Zeit der Entstehung und grundsätzlichen Vollendung der großen Teichsysteme die zweite Hälfte ilntabulation DZV 3 D 23 und Urbárium der Domänen Chlumec n. C. und Hra­distko, das den Zustand 1571 u. 1670 (für Chlumec), bzw. 1603 u. 1670 (für HradiStko) vergleicht.

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