Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Hauser, Albert: Bäuerliche Wirtschaft und Ernährung in der Schweiz vom 15. bis 18. Jahrhundert

genspeise geworden ist". 44 Ähnlich wie die Kartoffel, hat auch der Kaffee die Nahrungsweise revolutioniert. Milchkaffee wurde im Verlaufe einer ver­hältnismäßig kurzen Zeitspanne zu einem .Nationalgetränk", das schließlich auch die bäuerliche Morgen- und Abendsuppe sowie das „Mus" verdrängte. 45 „Am Morgen gab es Milchkaffee mit Brotbrocken, am Abend zur Abwechslung Brotbrocken mit Milchkaffee." Im Gegensatz zum Kaffee wurde der Tee — wir sprechen zunächst vom Tee aus einheimischen Kräutern — fast ausschließlich zu Heilzwecken ver­wendet. Die gebräuchlichen Sorten waren Lindenblüten, Kamillen, Pfefferminz und Glarner Kräuter. Daneben gab es aber noch: Brennessel-, Wegerich-. Holunder-, Reckholder-, Kümmi-, Brombeerblätter-, Kirschenstiel-, Hafer­stroh-, Fenchel-, Schleedornblüten-, Gersten-, Wermut-, Schafgarben-. Stief­mütterchen-, Tausendguldenkraut-, Apfelschnitz-, Nußblätter-, Herezeicheli-, Müllerblüemli-, kleinen und großen Chostez-, Chäslichruut- und Hagebutten­tee. Es gab ja überhaupt wohl keine starkriechende oder dem Aussehen nach in die Augen stechende Pflanze, die nicht zu irgend einem Tee gebraut wurde, der nicht für irgend etwas gut war. Die Mehrzahl der Kräuter diente auch zu Bädern. 46 Der ostasiatische Tee ist auf der Landschaft im 18. Jahrhundert selten verwendet worden. Nicht ganz zu Unrecht befürchteten die Ökonomen, daß Tee und Milchkaffee den Weinkonsum und somit den Weinbau beeinträchtigen könnten. Tatsächlich bildete der Rebbau seit dem Mittelalter — er ist bereits in römischer Zeit nachgewiesen — einen bedeutenden Zweig der schweizerischen Landwirtschaft. Schon im alten Zürichkrieg schrieben Bürgermeister und Räte der löblichen Stadt Zürich ihren lieben Miteidgenossen, daß der größte und beste Nutzen, den die Stadt und die Zürichseegegend hätten, von den Reben komme. 47 Seit dem 15. Jahrhundert war der Weinbau fast ständig ein Sor­genkind städtischer Wirtschaftspolitik, gelang es doch nicht immer, das Pro­dukt an den Mann zu bringen, sei es, daß zu viel Wein, sei es, daß nur min­derwertiger vorhanden war. 48 Der Uberproduktion suchte man durch das Verbot der Anlage neuer Rebberge zu steuern. Daneben trachtete man seit dem 14. Jahrhundert, die Weineinfuhr zu regulieren; in einzelnen Jahren wurde sie gänzlich verboten. Schon früh versuchte man, den Wein durch allerlei Zugaben zu „verbes­sern". So berichtet der Zürcher Anton Schneeberger 1579, daß der Wein da­durch milder gemacht werde, daß ihm ein Mischtrank aus Wasser, Salz und Haferweizen oder in Butter geröstetem Mehl beigesetzt werden. Als Zugabe werde auch Schabzieger verwendet. 49 Ob wir es bei diesem Wein mit einem Gewürzwein (Ciaret) zu tun haben, wie wir ihn in der Stadt Zürich feststellten, ist nicht klar ersichtlich. Immerhin: was ursprünglich als Tugend angesehen wurde, erwies sich bald als Laster. Um 1649 wird darüber geklagt, daß Wein ^'WEHRLI, H. J. lieber die landwirtschaftlichen Zustände im Kanton Zürich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zürich 1931. 18. íSSCHINZ, H. Die landwirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde Vitikon am Albis. Zürich 1847. 29 ff. ^MESSIKOMMER, H. op. cit. 27 ff. ^Quellen zur Zürcher Wirtschaftsgeschichte. 548. Nr. 971. ^GEILINGER, E. Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte. 325. ^SCHNEEBERGER, A. „Gemma Amethyst". Zürich 1579. 211. (Mitgeteilt von GESSLER, E. A. Schweizerisches Archiv für Volkskunde Jg. 23, 115.)

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