Matolcsi János szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1967-1968 (Budapest, 1968)
Die Rolle der Scheune in der Bauernwirtschaft vom nördlichen Heves
DIE ROLLE DER SCHEUNE IN DER BAUERN WIRTSCHAFT VOM NÖRDLICHEN HEVES von ATTILA SELMEGZI KOVÁCS Das Komitat Heves (Nord-Ungarn) umfaßt die Bergketten der Mátra und Bükk, sowie das an diese anschließende Tiefland. Infolge seiner geographischen Lage ist dieses Komitat ein Ubergangsgebiet vom Bergland zur Tiefebene. Dieser Übergangscharakter spiegelt sich auch in der Wirtschaft wider. Die Seheunenwirtsehaft ist nur für das nördliche Gebiet des Komitates bis zum Rücken des Mátragebirges, bis zur Stadt Eger, bezeichnend. Die Scheunen im nördlichen Heves zeigen, mit Rücksicht auf den Grundriß, ein einheitliches Bild: sie teilen sich, senkrecht auf ihre Achse, in drei Abschnitte. In der Mitte befinden sich ein gangbarer Korridor und beiderseits Speicherungsräume. Diese Bauten lassen sich der Konstruktion nach in zwei Typen einreihen: 1. Die Scheunen der östlichen Gebiete sind aus Holz verfertigt; sie haben eine holzbewehrte Konstruktion. Ihre Wände wurden aus auf ihre Kante gestellten Brettern, oder aus Flechtenwerk verfertigt (Abb, 3—4). 2. Die Bauten der Scheunen im westlichen Tal (Abb. 1, 19—23) sind um die Jahrhundertwende bereits aus Lehm verfertigt, Diese sind von kleinerer Dimension, als die einstigen Holzbauten. Ein Raum in ihnen diente als Stall (Abb. 5.). Die Scheune spielte bis zur Jahrhundertwende eine zweifache Rolle : sie diente einesteils zur Lagerung des Getreides und des Futtergrases, anderenteils sicherte sie Raum für die Korngewinnung. Die verbreitetste Form der Korngewinnung unter der Scheune war das mittels Pferde verrichtete Austreten (ung. nyomtatás). Außerdem wurde auch der i^YegeMrusch (ung. kézicséplés), d. h. das Schlagen des Getreides mit Dreschflegel und das sog. rozsverés, d.h. das Anschlagen des Getreides zu einen festen Gegenstand, angewendet. Die Abweichungen des Verfahrens der Korngewinnung und des Gebrauchs des Speichers stimmen mit den Abweichungen der erwähnten Bautenformen überein. Im östlichen Teil wurden alle drei Verfahren der Korngewinnung unter der Scheune angewendet. Im westlichen Tal wurde die Scheune zur Speicherung des Getreides nicht verwendet. Die Korngewinnung wurde außerhalb der Scheune auf einer freien Scheuertenne (ung. szérű) verrichtet, Unter den Verfahren der Korngewinnung waren das Austreten und das Sehlagen des Getreides an einen festen Gegenstand bekannt. Auf Grund der mitgeteilten Angaben hat Verf. die Folgerung gezogen, daß die östliche Gegend des Komitates sich an die charakteristische Scheunenwirtschaft des nördlichen Berglandes anschließt, die Wirtschaft des westlichen Tales deutet dagegen auf die Wirtschaftsform ohne Scheune des Tieflandes hin. Die Verfahren der Korngewinnung sind durch das Masehinendresehen nach der Jahrhundertwende einheitlich geworden. Dadurch wurde die Scheune von ihrer ursprünglichen Rolle enthoben.