Technikatörténeti szemle 8. (1975-76)

A TECHNIKA FEJLŐDÉSÉNEK NÉHÁNY VONÁSA KÖZÉP-EURÓPÁBAN 1700–1848 KÖZÖTT CÍMŰ KONFERENCIÁN 1974. NOVEMBER 19/20. ELHANGZOTT ELŐADÁSOK - H. Bernhardt: Charles Babbage – ein Vorläufer der modernen Rechentechnik

Nach Beendigung des Studiums 1817 arbeitete er zunächst Uber "the Calculus of Func­tions", 1819 erschien eine Arbeit über Primzahlen, ein Jahr später eine Publikation über Glücksspiele, an die sich mehrere Abhandlungen über die Anwendung von Ma­schinen auf die Berechnung mathematischer Tafeln anschlössen, die in verschiedenen englischen Zeitschriften (Edin. Phil. Journal, Trans, of. Cam. Phil. Soc, Trans, of. Roy. Soc. of Edin., Memoirs of the Astron. Soc. u. a.) erschienen. Insgesamt um­fasst die Liste der gedruckten Publikationen Babbages etwa 80 Titel, die unterschied­lichsten Problemen auch weit ausserhalb der Mathematik gewidmet sind. Babbage war ein vielseitig interessierter und beschäftigter Mann. Neben seinen Bemühungen um die Konstruktion von Rechenmaschinen widmete er sich in heutiger Terminologie wissen­schaftsorganisatorischen Fragen, war Professor für Mathematik an Newtons Lucasian Chair, allerdings ohne je Vorlesungen gehalten zu haben, beschäftigte sich mit vielen naturwissenschaftlichen, sozial- und politökonomischen Fragen. Zahlreiche Reisen führten ihn in die Länder des europäischen Kontinents und brachten für seine vielfältigen Überlegungen manche Anregung. Im folgenden soll etwas über Babbage als Konstrukteur von Rechenmaschinen und über seine Tätigkeit als Wissenschaftsorganisator gesagt werden. I. Zur präzisen Motivierung seiner Beschäftigung mit der Konstruktion von Rechenma­schinen bemühte Babbage das Prinzip der Teilung der Arbeit, dass sich seiner Mei­nung nach mit Erfolg auch auf geistige Operationen anwenden lässt. Im Gefolge der französischen Revolution war französischen Mathematikern die sehr umfangreiche Aufgabe gestellt worden, mathematische, u. a. Logarithmentafeln zu berechnen, die die Einführung des Dezimalsystems erleichten sollten. Der mit der Or­ganisation dieser Aufgabe betraute von Prony hatte sich mit den "Untersuchungen über die Natur und die Ursachen des Nationalreichtums" von Adam Smith beschäftigt, in denen die Teilung der Arbeit am Beispiel der Nadelfabrikation abgehandelt ist. Nach diesem Prinzip sollten nun auch die Logarithmen "fabriziert" werden. Das ist ein eigenartiger und interessanter Anknüpfungspunkt und bedeutet die Übernahme eines methodischen Vorgehens aus der Sphäre der Gesellschaft in Prozesse, die mathema­tisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge betreffen. Zum Zwecke der Tafelberechnung wurden drei Arbeitsgruppen (Sektionen) gebil­det. Die erste Sektion bestand aus 5-6 hochqualifizierten Mathematikern, die die Auf­gabe hatten, "unter verschiedenen analytischen Ausdrücken für eine und dieselbe Funktion denjenigen aufzusuchen, welcher durch verschiedene, zu gleicher Zeit ange­stellte, Individuen am schnellsten auf einfache numerische Rechnungen übertragen werden konnte." (2, S. 197) Die zweite Sektion umfasste 7-8 mathematisch gut ausgebildete Mitarbeiter, die die "von der ersten Sektion übergebenen Formeln in Zahlen umzusetzen hatten". Die 60 - 80 nicht speziell vorgebildeten Angehörigen der dritten Sektion erhiel­ten von der zweiten Sektion bestimmte Zahlen, die sie lediglich zu addieren bzw. zu subtrahieren und zu Tafeln zusammenzustellen hatten. Hier nun setzten die Überlegungen Babbages ein: Er wollte durch die Vervoll­komnung der Rechenmaschinen ein "Substitut" für die 3. Sektion finden. Eine solche Maschine sollte die Aufgabe übernehmen, "to calculate and print a series of results accordlng to given laws", z.B. des Bildungsgesetzes der Dreieckszahlen oder anderer Bildungsgesetze und zwar mit Hilfe der ersten, zweiten, dritten und evtl. höheren Differenzen, wobei die Tatsache ausgenutzt wird, dass die letzte Differenz konstant belibt. 244

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