Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)
IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"
Untersucht man die einschlägliche Literatur bezüglich unseres Stückes, sieht man, daß Otto von Falke den sog. Matthias-Becher nur flüchtig erwähnt und ihn als ein 1518 angefertigtes Werk Ludwig Krugs anspricht. 61 Er gibt die Zeit des Stückes richtig als das zweite Jahrzehnt des 16. Jhs. an, obwohl sein Ausgangspunkt bei der Zeitbestimmung irrtümlich ist. In der Blätterverzierung meinte er nämlich das eigenartige Blattornament von Krug zu erkennen. Dieser stilkritische Fehlgriff kann nur daherrühren, daß Falke den Matthias-Becher nur nach seiner Fotografie kannte, und diese nicht mit Originalwerken verglichen hat, sind doch die als Ausgangspunkt seiner Bestimmung aufgezählten Werke Krugs vornehmlich nur als zeitgenössische Inventarzeichnungen auf uns verblieben. Nachdem wir mit stilistischen und technologischen Erwägungen nachgewiesen haben, daß die von Falke als Krug-Stil angesprochenen Zierden unseres Pokals jünger sind als der Pokal selbst, kann man die Hypothese Falkes bezüglich der Person des Meisters nicht akzeptieren. Diese unsere Meinung ist auch durch den Vergleich der originalen Krug-Werke und der besprochenen Ornamente des Matthias-Bechers belegt. Sándor Mihalik versucht in einer Studie 62 die Feststellungen von Otto von Falke zu widerlegen. Er meint, der hervorragende deutsche Forscher irre sich bei der Zeitbestimmung des Stückes um ein halbes Jahrhundert, wenn er dessen Entstehung auf 1518 ansetzt. Mihalik erklärt, der sog. Matthias-Pokal stamme nach Aussage der Jahreszahl 1465 auf dem auch seinerseits für später (aus dem 18. Jh. stammend) betrachtetem emaillierten Wappen aus der Schatzkammer des Matthias Corvinus. Es liegt jedoch auf der Hand, daß das etwa 250 Jahre später angefertigte Wappen und dessen Jahreszahl keinen Aussagewert hat. Mihalik versucht die Definition des Meisters oder dessen Kreises nicht einmal auf stilkritischem Weg. Sein Hinweis auf die Dürer-Zeichnungen ist infolge des angenommenen HerstellungsJahres 1465 und der Entstehungszeit des Dresdener Skizzenbuches (Tietze: 1502/3, Wölfflin: 1515/20 als äußerste zeitliche Grenzen), also einer Differenz von einem halben Jh., anachronistisch. Er widerspricht sich auch bei der Bestimmung der Herkunft des MatthiasBechers. Im Text seiner Studie behandelt er das Stück auf Grund des anerkannt authentischen Nürnberger Beschauzeichens — richtig — als Nürnberger deutsche Arbeit und Werk eines solchen Meisters, der Mitglied der Nürnberger Goldschmiedezunft war. Zugleich erwähnt er den Pokal in den einschlägigen Fußnoten als ein „Prachtwerk der ungarischen Goldschmiedekunst". Im Text schreibt er: „Die Inschrift der innen am Deckel angebrachten runden Emailplatte aus dem achtzehnten Jahrhundert berichtet, daß er sich schon im Jahre 1465 in der Schatzkammer des Königs Matthias befand. Er ist nicht Werk eines ungarischen Künstlers, sondern gehört unter die W T erke der deutschen Goldschmiedekunst. Dem an seinem Rande eingeschlagenen Beschauzeichen — dem Buchstaben N — zufolge wurde er in der Werkstatt eines Meisters hergestellt, der der Nürnberger Goldschmiedezunft angehörte" — und beruft sich auf Anm. Nr. 10.—Diese lautet aber: „Otto von Falke reiht dieses Prachtwerk der ungarischen Goldschmiedekunst — sich um ein halbes Jahrhundert irrend — unter die Werke Ludwig Krugs ein." 03 ig 61 S. Falke, a. a. O. Anm. 9. 62 S. Mihalik, a. a. O. Anm. 9. 63 Ich möchte bemerken, daß meinen durch neue Forschungen festgestellten Standpunkt auch Jolán Balogh bekräftigt (S. op. cit. — Dieses Werk ist während des Druk-