Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)

IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"

Unsere Beobachtungen zusammenfassend können wir feststellen, daß der sog. Matthias-Pokal Nürnberger Herkunft, der in der Esterházy-Schatzkammer des Budapester Museum für Kunstgewerbe aufbewahrt ist, seine in Kaltemail­technik ausgeführten Verzierungen und das die Jahreszahl 1465 führende Wappen im 17. Jh. erhielt. Als Lösung der Meisterfrage des Pokals, der nun seiner nachträglichen Applikationen bar, in seiner Originalform vor uns steht, bieten sich zweierlei Lösungen: 1. Sofern man die Tradition akzeptiert, wonach der Becher mit der Schatzkammer des König Matthias in Zusammenhang steht, mußte der Becher — auf Grund des ab 1480 gebräuchlichen Nürnberger Beschauzeichens — spätestens bis zum Jahre 1490 hergestellt und nach Buda gelangt sein. Zu dieser Zeit (Nach dem Tode von Holper : [1476]) kann neben dem ausgesprochen als Goldarbeiter tätigen Hans Krug d. Ä. — unseres Wissens — in Nürnberg nur die Tätigkeit des Goldschmiedemeisters Albrecht Dürer d. Ä. nachgewiesen werden. Da man die nächsten Analogien des Matthias-Bechers in den um 1520 angefertigten Buckelpokalen des „Meisters mit Rosette" erkennen kann, muß man annehmen, daß dieses Prachtwerk der Nürnberger Goldschmiede­kunst, dieses frühe Stück seines Typus, in jener älteren Werkstätte des 15. Jhs. hergestellt worden ist, wo der „Meister mit Rosette" selbst gelernt hatte. Diese könnte in erster Linie die Werkstätte des älteren Albrecht Dürer sein, von dem seine Söhne, der später zum Maler gewordene Albrecht und der Goldschmied Endres, ferner sein Neffe, der ältere Goldschmied Nikolaus, die Kunstgriffe dieses Handwerkes erlernten. Man könnte daher als Meister unseres Pokals Albrecht Dürer d. A. aner­kennen. Dieser Vermutung widerspricht jedoch die Entwurf-Serie im Skizzen­buch Albrecht Dürers d. J., die für seine Erneuerungsbestreben so sehr kenn­zeichnend sind; seine Bemerkung auf dem Rand des Blattes ist ein Verspruch, am nächsten Tag weitere Entwürfte zu zeichnen. All das weist darauf hin, daß auf dieses Blatt keine vorhandene Goldschmiedewerke gezeichnet sind, sondern daß Dürer neue Stücke entwarf und weitere solche versprach. Da sein Vater 1502 starb und diese Skizzen gewiß nach diesem Zeitpunkt entstanden sind, 64 konnte der Vater von den Zeichnungen seines Sohnes gewiß keinen Gebrauch machen. 2. Verwirft man die Überlieferung der Zugehörigkeit zur Corvinus-Schatz­kammer — deren Authentizität sowieso nicht nachgewiesen werden kann —-, kann man sich vergewissern, daß es überhaupt keinen konkreten Beleg für die Vorstellung gibt, daß der Becher vor 1490, d. h. im dem Tode des Corvinus vorangehendem Jahrzehnt hergestellt worden wäre. Die Ergebnisse der technologischen und stilkritischen Studien, die Folgerungen des Vergleiches mit zahlreichen analogen Stücken schließen eine neue Zeitbestimmung nicht aus, derzufolge der Prunkbecher um die Wende des 15.—16. Jhs., bzw. in den ersten Jahrzehnten der 1500er Jahre hergestellt worden sei. kes meiner Arbeit erschienen). Den sog. Matthias-Pokal reiht sie in die ehemalige Schatzkammer des Königs ein, jedoch nur unter die angeblichen Goldschmiedearbeiten. G4 Bruck : Das Skizzenbuch von Albrecht Dürer in der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Dresden. Straßburg, 1905. H. und E. Tietze : Der junge Dürer — hier wird das Blatt auf 1502/3 datiert, während es Wölff lin in Die Kunst Albrecht Dürers es zwischen 1515 — 20 ansetzt.

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