Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)
IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"
Gewiß verewigen Dürers Zeichnungen nicht so sehr die bei seinen Familienmitgliedern oder Zeitgenossen gesehenen Goldschmiedeobjekte, sondern sie sind entschieden Entwürfe, die er auf Ersuchen seiner Verwandten oder Bestellung seiner Zeitgenossen verfertigte. Seine eigenhändige Aufzeichnung in der Ecke des einen Blattes ist auch in dieser Hinsicht bemerkenswert: „Morgen will ich ir mer machn" (Abb. 13). Wir möchten bemerken, daß mehrere, nach Dürers Zeichnungen hergestellte Werke auch heute noch vorhanden sind, 55 und in diesem Zusammenhang sind auch die auf seinen Gemälden, Zeichnungen und Stichen dargestellten Goldschmiedewerke interessant: sie geben nicht nur ein getreues Bild der damaligen Goldschmiedekunst, 56 sondern sie beweisen auch den initiativen Anteil, den Dürer in diesem Bereich der Nürnberger Kunst hatte. Neben den Mitgliedern der Familien Dürer und Krug gibt es im 15. Jh. in Nürnberg lediglich den Goldarbeiter Peter Kunstler, 57 der 1491, ferner Jobst Eyßler, der 1497, 58 und schließlich den viel beschäftigten Hofgoldschmied Paulus Müllner sen., der erst 1502 Meister wurde. 59 Nach diesem Überblick der Goldschmiedekunst in Nürnberg zwischen 1480—1490 und in den danachfolgenden Jahren wird es klar, daß in den fraglichen Jahrzehnten des ausgehenden 15. Jhs. neben den älteren Mitgliedern der Familie Dürer entweder solche Meister zu finden sind, die ausgesprochen Goldarbeiter waren, oder solche, deren Wirken auf eine spätere Zeit fällt, und schließlich solche Goldschmiede, die in ganz anderem, von den Buckelpokalen abweichendem Stil ihre Werke schufen. Überlickt man nach den Meistern auch die auf unsere Zeit verbliebenen Werke, sieht man, daß neben den Arbeiten von „Krug-Typus" : aus Blättern gebildeter Sockel, Baumstamm-Stiel, Kuppe in der Form von Früchten oder mit gravierten Platten verziert — die in Nürnberg geläufigste Form für Prunkgefäße die folgende ist: auf einem Siebenpaßfuß und geripptem Stil erhebt sich ein Zwillings- oder Doppelbecher, oder ein einfacher Becher mit Deckel, lauter Varianten des Buckelpokals: also derselbe Typus, zu dem auch der Matthias-Pokal gehört. Bezeichnet sind sie mit dem frühesten „N"-Beschauzeichen, wie man es auf dem Matthias-Pokal antrifft; Meisterzeichen führen sie aber noch nicht. ;Sie wurden Ende des 15. — Anfang des 16. Jhs. hergestellt, was auch die oft .auf dem Mundrand abgebrachten Inschriften belegen. Diese in den folgenden Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten sehr verbreitete Form war bereits zu ihrer Zeit derart beliebt, daß es zum typischen Produkt der spätgotischen Nürnberger Goldschmiedekunst wurde und als solche, als der kennzeichnendste Typus betrachtet werden darf. 60 * 55 Grote, Ludwig : Deutsche Kunst und Kultur im Germanischen National-Museum. Nürnberg, 1960. S. 114 — 15. 56 Die Anbetung der Könige. 1504 (Ölgemälde, Firenze, Uffizi) ; Die babylonische Buhlerin aus der Holzschnittreihe „Apokalypse", 1489; Die Anbetung der Hl. drei Könige (Tuschzeichnung, Wien, Albertina). 57 Bosenberg, a. a. O. Nr. 3807. 58 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3808. 59 Rosenberg, a. a. O. Nr. 3735. 60 Es ist interessant zu beobachten, daß zu derselben Zeit in Augsburg, dem zweiten wichtigsten Zentrum deutscher Goldschmiedekunst, keine Buckelpokale zu finden sind.