Tanulmányok Budapest Múltjából 29. (2001)
A BUDAI KIRÁLYI PALOTA MŰVÉSZETI, KULTURÁLIS SZEREPE - Barta-Fliedl, Ilsebill: Die Geschichte des Kaiserlichen Hofmobiliendepots in Wien : von den Hofdiensten zu den Museen des Mobiliendepots 377-380
gefrorene Überfluß nie mehr tauen wollte. Es riecht nach gar nichts, nicht einmal nach Staub, der doch auch in seiner Art was Lebendiges ist. So ganz ungemütlich können nur Möbel aus einem verwunschenen Schloß sein... Nach dem Zusammenbruch von o du mein Österreich kümmerte sich niemand um das Hofmobiliendepot. Aber die braven Leute, deren Obhut es anvertraut gewesen, Diener und Handwerker, obhüteten weiter, taten weiter ihren Dienst, staubten ab, schoben zurecht, stellten her, die Schlosser nieteten, die Tapezierer flickten, die Schreiner leimten weiter die Möbel der allerhöchsten Herrschaft, wenn auch inzwischen die Herrschaft selbst aus dem Leim gegangen war. Jetzt haben die Leute vom Depot aus ihren Möbellagern eine Ausstellung gemacht. Das ging ohne viel Mühe. Sie hängten eine Tafel hin: „Es wird gebeten, die Gegenstände nicht zu berühren" und schrieben auf die Türen „Eingang" und „Ausgang". Damit war im wesentlichen die Verwandlung eines Magazines in eine Ausstellung vollzogen. Ihr Besuch ist lohnend und amüsant. In manchen Sälen sind die Möbel zu Wohnräumen zusammengestellt, die in ihrer frostigen Gewesenheit aussehen wie Totenmasken von Zimmern. In den vielen anderen Sälen stehen die Möbel speziesweise geordnet. Ein Auflauf von Tischen. Ein erstarrtes Meer von Nachtkästchen. Ein unübersehbare Zusammenrottung von Stühlen. Eine Riesentropfsteingrotte von Lustern. .. Ein Saal zeigt die stattlichste Versammlung von Wiegen: historische, in denen spätere Kaiser und Könige zu schreien geruht, und andere, in denen nur ganz gewöhnliche Erzherzoge gestrampelt hatten. Tu felix Austria nube: das Mobiliendepot war gerüstet! ... Unter den Möbeln gibt es wunderschöne Stücke. In verschiedensten Stilen, Empire und Barock, aber Biedermeiers bürgerliche Grazie... schlägt alles. Getischlerte Musik geradezu, Schubert in Esche. .. Auch ein paar richtige Musealstücke hat das Hofmobiliardepot. So die Buchdruckerei - Utensilien Josef II. Jeder Habsburger mußte bekanntlich ein Handwerk lernen, damit er, falls es mit dem Regieren nicht ginge, sein Fortkommen fände. Wie sehr an das Fortkommen der Herrscher das Glück der Völker geknüpft ist, das haben wir leider erst erkannt, als es um zehn Millionen Tote zu spät war." Zur Sammlungsstruktur Ein prägendes Element der Struktur des Mobiliendepots und der museologische Definition seiner Sammlungen ist sicher auch die Tatsache, daß nicht herkömmliche, von ganz bestimmten Interessen ausgehende, museale Sammlungsstrategien vergangener Zeiten die Ansammlung so vieler Objekte verursacht haben, sondern es ist in erster Linie der Nachlaß einer Institution, eines Hofamtes. Seine Aufgabe war die Repräsentation des Kaiserhauses im öffentlichen und privaten Bereich. Dem Ansammeln von Möbeln und anderer Teile von Innenaustattungen lag kein Begriff vom musealen Wert oder gezielte Sammelinteressen wie bei den anderen kaiserlichen Kunstsammlungen - zugrunde. Durch die weiterlebenden, nicht-musealen Funktionen des Ausstattens der ministeriellen Büros für die Repräsentanten der demokratischen Öffentlichkeit, der Vermietung und des Verleihens blieb das Mobiliendepot nach dem Ende der Monarchie bis heute auch eine „Gebrauchssammlung". Der Aussrattungsfundus das ehemaligen Hofes und der höfischen Bürokratie setzt sich aus den deponierten, oder aus dem unmittelbaren Gebrauchszusammenhang ausgesonderten, zurückgelassenen, nicht mehr aktuell brauchbaren oder ausgewechselten Resten des Zeremonialen wie Alltäglichen zusammen (neben den Möbeln sind das Teppiche, Lampen und Luster, Wandverkleidungen, Vorhänge, Thronarrangements, Vasen, Schreibzeuge, Bilder, Stiche, Skulpturen, Spielzeug, Kirchenmöblierung, Geräte, Jagdtrophäen, Orden, Gardeoffiziersausstattung wie Helme und Degen u.v.m.). Warum und was im Depot aufgehoben wurde, wegen welchen Bedeutungs- und Wertzuschreibungen etwas in diesem anwachsenden „Speicher der Geschichte" landete, ließ sich in vielen Fällen noch nicht wirklich eruieren. Zum Hofmobiliar des 18. und 19. Jahrhunderts kamen nach Republiksgründung Legate, Hinterlassenschaften an die Republik, aber auch „arisierte" Objekte, die die Geheime Staatspolizei 1938 hier deponierte. In den letzten zwei Jahren wurde dieser Bestand aufgearbeitet und wurde von einem staatlichen Beirat an 379