Tanulmányok Budapest Múltjából 29. (2001)
A BUDAI KIRÁLYI PALOTA MŰVÉSZETI, KULTURÁLIS SZEREPE - Barta-Fliedl, Ilsebill: Die Geschichte des Kaiserlichen Hofmobiliendepots in Wien : von den Hofdiensten zu den Museen des Mobiliendepots 377-380
die enteigneten Besitzer oder deren Erben zurückgegeben. Im Spannungsfeld des gesteigerten Interesses an den Gegenständen durch den Ausstellungsboom und andrerseits dem alltäglichen Gebrauch und Abnutzung in Büros trat die Tendenz zur Musealisierung seit 1980 langsam in den Vordergrund. Neben den nun schon - auch durch den gesteigerten materiellen Wert - eingeschränkten Leihverkehr für Staatsempfänge, Staatsdiners (Tische, Sessel, roter Teppich, Tafeldeckung), Botschaften, Vermietungen für Festivitäten und Filmproduktionen, nahm die Beteiligung an nationalen und internationalen Ausstellungen zwangsläufig immer mehr zu. Dies bedingte natürlich eine bis vor kurzem noch nicht geleistete wissenschaftliche Beschäftigung mit den Leihgaben, was den Prozeß der Musealisierung weiter vorantrieb. Besonders auf persönliche Gegenstände von bekannten Habsburger-Persönlichkeiten wird gerne zurückgegriffen, da die Aura dieser Objekte unabdingbarer Anziehungspunkt vieler Ausstellungen ist (z. B. der Bett- oder Testamentstisch und die ausgestopften Kanarienvögel Kaiser Franz II. (I.), das Kindergewehr Kronprinz Rudolphs und die Hufe von Kaiserin Sisis Lieblingspferd). Das neue Konzept Ein guter Teil der Faszination des Depots mit seinem „Gerümpelstil" hängt am Entdeckerinstinkt und an der nicht-musealen Wahrnehmung der Kindheitswelt„Dachboden": „ein »Depot« ist ein Ort, an dem man normalerweise nicht darf. Das Wort wird in der Regel mit »Speicher« assoziiert und vermittelt den Reiz des Verschlossenen, einer Szenerie, wo die Zeit stehengeblieben ist, wo der kühne Besucher überraschende Entdeckungen machen kann. Im Depot erwartet man auch »Massenhaftes« zu finden; gerade die Vielzahl ähnlicher Vergangenheitsrelikte und ihr Appell an die Kundigkeit des Besuchers/Entdeckers macht die Attraktion aus." (Christoph Stölzl) Diese Faszination des bloß Deponierten durch konventionelle museale Sehgewohnheiten oder überdidaktisierte Museumskonzepte in der notwendig gewordenen Neugestaltung zu zerstören, dagegen wandten sich vehement die Museumskollegen anläßlich des Symposiums über die Zukunft des Depots „Lust und Last des Erbens" 1991. Aber auch die internationale Jury einer Ideenkonkurrenz zur Neugestaltung des Mobiliendepots 1992 wollte die spezifische Aura der Sammlung erhalten wissen, um den immer schneller werdenden Wandel von Konsum- und Aneignungsgewohnheiten im Museum zu entgehen. Das Depot verlöre seinen Charakter, wenn es systematisierender Didaktik oder wissenschaftlichen Beurteilungskriterien ausgesetzt ist. Genauso läßt die Hervorhebung eines „Belegstückes", die der Massenhaftigkeit entgegenwirkt, das „Vormuseale" des Depots als Prinzip verschwinden. Vermieden werden müßte daher, daß das Depot szenisch zum bloßen Museum mutierte, weil damit die Singularität im museologischen Sinne verschwinden würde. Außerdem plädierten alle Gutachter für die Erhaltung der fünfzehn Biedermeierzimmer. Diese seinerzeit ahistorisch aufgestellten Interieurs bieten Inszenierungen der ersten Republik an und besitzen daher schon selbst historischen Wert für die Geschichte des Aussteilens, sie sind jetzt als „Museum im Museum" zu sehen. Daneben sollte nach Rat der Jury auch die Geschichte der Institution, deren Aufgaben und Spezifik durch den noch immer lebendigen Austausch mit der Außenwelt und den eigenen Werkstätten vermehrt der Öffentlichkeit vermittelt werden. Dadurch sollte der Gefahr, den historischen Museen ein weiteres hinzuzufügen, entgangen werden. Den zufälligen Arrangements des Depots, der Fülle des Materials und seinen fast unendlichen Variationen sollte das Augenmerk gelten. Es wurde also durch den im Laufe der Zeit entstandenen Vorrang der musealen Nutzung der Relikte kaiserlichen Schloßinventars vor der bloßen staatlichen Ausleihanstalt eine sensible Neudefinition und Neukonzeption der Institution notwendig. Die wegen der akuten Raumnot dafür angekauften zwei Nachbarhäuser schufen die Vorrausetzung für die Erweiterung der Schauräume auf 6000 m 2 . Der Umbau dauerte von 1994-1998, seitdem ist das neue Museum „Kaiserliches Hofmobiliendepot", um das dreifache erweitert, wieder dem Publikum zugänglich. 380