Tanulmányok Budapest Múltjából 29. (2001)

A BUDAI KIRÁLYI PALOTA MŰVÉSZETI, KULTURÁLIS SZEREPE - Barta-Fliedl, Ilsebill: Die Geschichte des Kaiserlichen Hofmobiliendepots in Wien : von den Hofdiensten zu den Museen des Mobiliendepots 377-380

len Nutzung der Residenzen an diese zurückgestellt, ein Teil wurde an das Kunstgewerbemuseum und das Kunsthistorische Museum abgegeben. Möbel, die für Bundeszwecke nicht geeignet erschienen, wurden bis vor fünfzehn Jahren Beamten auch für die Privatwohnungen geliehen, bzw. kurzfristig an Filmgesell­schaften, Theater oder Veranstaltungen vermietet (z. B. für die Sisi-Filme in den 50er Jahren). In dieses Erbe, das ca. 165 000 Objekte umfasst, war auch die größte Biedermeiersammlung der Welt integ­riert, die schon kurz nach 1902 mit der kunstwissenschaftlichen und geschmacklichen Wiederentdeckung des Empire und des Biedermeier ein paar Schauräume im Depot erhalten hatte, über die der prominente Journalist Ludwig Hevesi 1904 festhielt, daß „die interessanten Bestände des k. k. Hofmobiliendepots [...] von einer ver­meintlichen Rumpelkammer der Monarchie zu einem anziehenden Museum des Halbvergangenen aufgerückt" seien. Diese ersten Schauzimmer sind auch vor dem Hintergrund des Bemühens zu sehen, die Kunst um 1800 als Anregung der Wiener Moderne um 1900 zu sehen, als Gegengewicht zu dem im Kaiserhaus nach wie vor protegierten historisierenden Stilen. Vor allem der weiss-rot-goldene Rokokostil sollte den habsburgischen Repräsentationsgestus über die modernen Strömungen hinweg weitertradieren. Nach einer provisorischen Schau kurz nach dem 1. Weltkrieg erhielt das Gebäude 1924 offiziell eine aus­gedehnte Schausammlung über zwei Stockwerke, die bis 1994 bestehen blieb. Vor allem das Bedürfnis nach handwerklicher Information lag dieser großen Schaustellung zugrunde: „Aus diesem Grunde ist die Schau­sammlung auch nicht als Museum gedacht, sondern als eine nicht systematische Aneinanderreihung voll­ständiger Räume samt den dazugehörigen zeitgemäßen Teppichen, Tapeten, Bildern, Plastiken, Beleuch­tungskörpern, Textilien und sonstigem Hausrat. Es waren bei der Ausstellung technische Erwägungen, z. B. die Behandlung des Holzes oder die Technik der Furnier- und Einlegearbeiten usw., maßgebend". (Denk­schrift des Mobiliarverteilungsauschusses, 1930.) Eine ausgesprochene Museumsidee lag also der stufenweisen Öffnung für das Publikum nicht zugrunde; didaktisch sollte jedoch für die Rettung der Traditionen alter Kunsthandwerkszweige plädiert werden, die man durch die Zurschaustellung ihrer ästhetischen Qualitäten retten zu können glaubte. Für die Aufstellung der Möbel bediente man sich nicht der Ausstellungsästhetik der Kunstgewerbemuseen mit dem Augenmerk auf das Einzelobjekt oder Ensembles in historischer Rekonstruktion. Vielmehr wurde eine unbekümmerte Zusammenstellung unterschiedlicher Stile und Epochen mit dem Blick des Handwerkers auf technische Raffinessen und kleinbürgerlicher Szenarien in den „Biedermeierkojen" - aber mit höfischem Mobiliar aus der Zeit Kaiser Franz I. - vorgestellt. Der damalige Leiter schrieb über die Schaustellung: „Das Hauptmerkmal der Biedermeiersammlung ist der starke bürgerliche Einschlag, der diese Zeit kennzeichnet. Jedes dieser phantasievollen Biedermeier­zimmerchen hat seine eigene Note, so sehr, daß man glaubt, der Bewohner oder die Bewohnerin hätte soe­ben erst den Raum verlassen. [...] Ein Raum mit gedecktem Tisch endlich versetzt den Beschauer in die Zeit, da sich die gute Wiener Gesellschaft noch um den gemütlichen Jausentisch zusammenfand." (Denbchrift, 1930) Die republikanische Aneignung von feudalem Glanz und Größe ging also mehr spielerisch - nivellierend und nicht bilderstürmerisch vor sich: in der Uminterpretation des kaiserlichen historischen Ambientes in gemütliche Biedermeierzimmerchen, in Räume für Jedermann, lag eine so endgültige Festschreibung, daß noch heute beim Anblick dieser Zimmer kein Besucher „Kaiserliches" darin vermuten will. Die Demokratisierung des Erbes und seine Öffnung für das Publikum wurde vom Schriftsteller Alfred Polgar 1929 ironisch, aber auch kritisch beschrieben: „In der Wiener Mariahilfer Straße - durch die vorzei­ten so oft goldgeräderte Wagen fuhren, aus denen sichtlich erfreut gedankt wurde (damit meint er das Winken Kaiser Franz Josefs aus der Kutsche auf dem Weg von der Wiener Hofburg nach Schönbrunn ­1. B. F.) - steht das »Hofmobiliendepot«. Ein weitläufiger Bau, dessen Bestimmung war, den Reserve- und Ersatzmöbeln für die kaiserlichen Schlösser Quartier zu geben. Sozusagen die Rumpelkammer Seiner Majestät. Aber eine Rumpelkammer, die etwa dreißig langgestreckte Säle umfaßt und Werkstätten, so groß wie Bahnhofshallen. Hierher, in die Werkstätten... kamen die schadhaften kaiserlichen Möbel zur Reparatur. In den Depotzimmern, vollgestopft mit vornehmen Hausrat, mit Palastrat, ist es bitterkalt. Als ob der ein­378

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