Tanulmányok Budapest Múltjából 22. (1988)

VÁROSTÖRTÉNETI TANULMÁNYOK– STADTGESCHICHTLICHE STUDIEN - Kiss József: Tóth Gáspár, Petőfi "mecénása" : egy jeles polgári magyar szabómester a reformkorban és a forradalomban = Gáspár Tóth, Petőfis Mäzen : ein herrvorragender bürgerlich-ungarischer Schneidermeister im Reformzeitalter und in der Revolution 241-286

men Gültigkeit - mit jenem Sándor Petőfis verband. Im Frühjahr 1844 bot nämlich Tóth in einer Vorstandssitzung des sich damals schon eines großen ansehens erfreuenden Vereins „Nemzeti Kör" (Nationaler Kreis) eine beträchtliche Summe als Kredit für den damals noch fast unbekannten, aller materieller Mittel baren, jungen Poeten an, damit er sich bis dahin erhalten könne, bis sein erster Gedichtband mit Unterstützung des Kreises die Druckerei verläßt. Dies erfolgte auch innerhalb eines halben Jahres, und die Petőfi-Literatur bezeichnete später Tóth als Mäzen des Dichters. Und obwohl diese Behauptung — wie wir es gesehen haben — auch begründet war, ist es eine bedauer­liche Tatsache, daß dieses Epitheton ornans die bunte, vielfältige Gestalt dieses tüch­tigen ungarischen Schneidermeisters vor unseren Augen verdeckt hat. Bereits mit kaum 22 Jahren bestand er die Meisterprüfung und arbeitete sich innerhalb kaum eines Jahr­zehntes, dank seiner gefälligen Kleiderentwürfen, seinem Geschmack und seinem aus­gezeichneten Geschäftssinn in die erste Reihe der Pester Herrenschneider hinauf; von dieser Zeit an erschienen seine Modebilder regelmäßig als Beilage von Zeitschriften. In seiner Werkstatt in der Innenstadt erzielte er einen großen Umsatz und seit Beginn der 1840er Jahre verfügte er bereits über ein beträchtliches Lager von fertigen Anzügen. Seine Tätigkeit im öffentlichen Leben begann er als Presbyter der Pester reformier­ten Kirchengemeinde (Mitglied des weltlichen Rates), und dieses Amt bekleidete er so erfolgreich, daß er bis an sein Lebensende stets wiedergewählt wurde. Doch schon 1842 suchte er um Aufnahme in den erwähnten Nationalen Kreis an, wo er alsbald zum Aus­schußmitglied gewählt wurde, dadurch bot sich ihm nicht allein dazu Gelegenheit Petőfi in der weiter oben beschriebenen Weise einen Dienst zu erweisen, sondern er konnte in Gesellschaft von im ganzen Land bekannten Schriftstellern, Dichtern, gefeierten Schau­spielern, vorzüglichen Rednern die öffentlichen Angelegenheiten, die politischen Sorgen des Landes kennenlernen. Zugleich war er aber auch Mitglied des Gewerbevereines und nahm alljährlich an den Gewerbeartikel-Aussteüungen teil, einerseits als seine Erzeug­nisse darstellender Schneidermeister, andererseits als Organisator oder Mitglied der Jury. In den Ausschuß des im Herbst 1844 zwecks Förderung des heimischen Gewerbes ge­gründeten „Országos Védegylet" (Landesschutzverein) wurde er schon in der konstituie­renden Versammlung gewählt. Im Dienste der Zielsetzungen der neuen Vereinigung er­warb er sich solche Verdienste, daß ihm nach einem Jahr die silberne Medaille zuerkannt wurde. Als die alte Bürgermiliz der Hauptstadt im Jahr 1844 mit einer neuorganisierten un­garischen Einheit ergänzt wird, meldet sich Tóth als einer der Ersten, und nimmt am Fest der Fahnenweihe am 15. August schon als Hauptmann der „Pesti Magyar Polgári Őrhad" (Pester Ungarische Bürgermiliz) teil. Ihre Uniform stellt er als farbige Beilage des „Pesti Divatlap" (Pester Modeblatt) dem Publikum vor. Die ungarische Bürgermiliz hält regelmäßig ihre Übungen ab, erlernt die zu diesem Zweck geschaffene ungarische Kom­mandosprache und versieht den Wachdienst. So geschieht es, daß der biedere Schneider­meister, als Offizier der Pester Bürgermiliz, am 15. März 1848, am Tage des Ausbruchs der Pester Revolution, Mitglied jener aus dreizehn Männern bestehenden Kommission wird, die „zum Schutz der öffentlichen Ordnung" gebildet wurde, in der auch Petőfi, der Held des Tages, Verfasser des ersten Preßproduktes, das ohne Zensur gedruckt wurde, 275

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