Tanulmányok Budapest Múltjából 22. (1988)

VÁROSTÖRTÉNETI TANULMÁNYOK– STADTGESCHICHTLICHE STUDIEN - Kiss József: Tóth Gáspár, Petőfi "mecénása" : egy jeles polgári magyar szabómester a reformkorban és a forradalomban = Gáspár Tóth, Petőfis Mäzen : ein herrvorragender bürgerlich-ungarischer Schneidermeister im Reformzeitalter und in der Revolution 241-286

des „Nemzeti dal" (Nationallied) zugegen ist. Ihr Weg läuft also hier, unter durchaus veränderten Verhältnissen, abermals zusammen. Tóth ist jetzt so richtig in seinem Ele­ment: die Revolution bedarf dringend opferwilliger und energischer Organisatoren, ver­handlungsfähiger Vermittler. Er wird Mitglied zahlreicher Kommissionen dauernden Charakters oder ad hoc gebildeter Ausschüsse; er bekleidet verschiedene Ämter, aber keineswegs des Ranges, sondern der zu lösenden Aufgaben willen; er nimmt an der Organisierung der Nationalgarde, an der Aufrechterhaltung der Ordnung, an der Aus­arbeitung des sog. Stadtgesetzes, an der Durchführung des Pressegesetzes teil, sammelt Abonnenten für das geplante Volksblatt, das Anfang Juni in großer Auflage erschienen ist usw. Viele möchten ihn unter den Amtsträgern des Stadtrates oder als Abgeordneten zur Nationalversammlung sehen, er aber lehnt jedwedes ,,Amt" ab. Er ist Ausschuß­mitglied des Radikalkreises, der aus dem einstigen Nationalkreis (bzw. aus dessen Nach­folger, dem Oppositionskreis) zustandekam (auch hier zusammen mit Petőfi); vom Som­mer des Revolutionsjahres an nähert er sich der linksoppositionellen Gruppierung „Egyen­lőségi Társulat" (Gleichheitsvereinigung). Als die Regierung am Ende des Jahres ihren Sitz von der durch das österreichische Heer bedrohten Hauptstadt nach Debrecen verlegt, verläßt auch er Pest und tritt dem Honvédheer bei: als Hauptmann dient er bei der „Kleiderkommission" in Nagyvárad. Nach der Zurückeroberung von Pest organisiert er eine Sammlung zugunsten der Belohnung jener Honvéds, die sich gelegentlich der Be­stürmung der Burg von Buda durch besondere Tapferkeit hervorgetan haben. Im Juli ei­ferte er in einer Volksversammlung das Volk der Hauptstadt dazu an, sich gegen die einströmenden zaristischen Truppen zu erheben. Deshalb wurde er in den Schmutz ge­zogen und sein Familienhaus beschlagnahmt. Nach zwei Jahren wurde ihm Amnestie gewährt, danach arbeitete er bis zu seinem Tode in seiner alten Werkstatt. Gáspár Tóth war auch Petőfis Schneider. Allem Anschein nach liebte und schätzte ihn der Dichter: er erwähnt ihn in seinen „Uti jegyzetek" (Reisenotizen), und bezeichnet ihn in einem Gedicht als „aufrechten Herrn". Wie wir gesehen haben, geht aber seine Be­deutung weit über seine Beziehungen zu Petőfi hinaus. Außer dem, daß er ein mit Sinn für die nationale und hübsche Kleidung begnadeter Meister war, verdient er es wegen sei­ner vielfältigen Vereins-, sodann seiner immer mehr sichtbaren (liberal-oppositionellen) politischen Tätigkeit wie auch wegen seiner aufopfernden Arbeit im Revolutionsjahr, daß wir uns seiner erinnern. Abbildungen Abb. 1. Entwürfe von Offiziersuniformen von Gáspár Tóth. Stich: G. Kohlmann. Beilage zur Nr. 43, Jahrg. 1838 der Zeitschrift Honművész (Heimatskünstler) Abb. 2. Zuschauerraum des Nationaltheaters in den 1840er Jahren. Beilage zur Zeit­schrift Pesti Divatlap (Pester Modeblatt) vom 4. Juli 1846. 276

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