Tanulmányok Budapest Múltjából 14. (1961)
Nagy Lajos: Pest város XVII. század végi topográfiájának forrásai = Quellen zur Topographie der Stadt Pest am Ende des 17. Jahrhunderts 161-212
dienende Quellen berücksichtigt und von ihnen mit angemessener Kritik Gebrauch macht. In vorliegender Abhandlung sind vorerst die Karten und Ansichten in Betracht gezogen. Die erste Karte über die von den Türken befreite Stadt Pest, auf der außer dem Straßennetz auch die Grundstücke aufgezeichnet sind, stammt aus dem Jahre 1710. Über die von Romer gebrauchte Karte läßt sich feststellen, daß man sie in den 1710-er Jahren gezeichnet und darauf in der ersten Hälfte desselben Jahrhunderts fast alle Grundaufteilungen überführt hat. Infolge der starken Abnützung ist jedoch ihr Gebrauch in hohem Maße erschwert. Römer bediente sich nicht der zwischen den Jahren 1784—1789 durch Balla verfertigten Karte, die die erste auf Grund der genauen und ausführlich durchgeführten Vermessungen eines gewandten Ingenieurs zusammengestellte Karte von Pest darstellt. A. Balla vermaß die Stadt an seiner Karte von Parzelle zu Parzelle, genau im Fußmaß, wobei er außer den Grundstücken auch sämtliche Gebäude sorgfältig einzeichnete. Soll vom alten Pest eine genaue Karte entworfen werden, so muß diese Ka^-te als Gnmdlage dienen. Die am Ausgang des 17. und in de* ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigten Stadtansichten von Pest sind im allgemeinen nur von einer illustrativen Bedeutung, können jedoch zur ausführlichen und genauen topographischen Arbeit einige wichtige Angaben liefern. Die wichtigsten Quellen für die Topographie der Stadt Pest am Ende des 17. Jahrhunderts stellen die Grundbücher dar. Die Grundbuchführung der neuerworbenen Städte wurde am 25. Mai 1687 angeordnet. Die auf dieser Grundlage zusammengestellten Grundbücher von Pest (Zaiger, Urbárium und Gewöhrprotokoll) blieben erhalten und die darin festgelegten Daten verhelfen uns zur Aufklärung des topographischen Zustandes der Stadt Pest in den ersten Jahren nach der Befreiung von der Türkenherrschaft. Die bisherigen Forschungen ließen mit Ausnahme des Gewöhrprotokolls diese Bände außer acht, da sie ihre Angaben nicht an einen Ort binden und ihre Verfassungszeit nicht feststellen konnten. Das Gewöhrprotokoll I wurde vom 20. Juli 1687 bis 1696 geführt. Der Zaiger I stammt aus den Jahren zwischen 1688—1690. Vom topographischen Gesichtspunkt stellt er die wichtigste Quelle dar, da er einzeln für jedes Grundstück die Ortsbestimmungs-, Vermessungs- und Zustandsangaben anführt. Das Urbárium I wurde nach dem Zaiger I aufgelegt. Unter den drei Grundbüchern ist nur der Zaiger I vollständig. In diesem sind diejenigen Angaben enthalten, die auf die Karte projiziert uns ein genaues Bild über die topographischen Zustände von Pest in der zweiten Hälfte der 1680-er Jahre gewähren. Die Auskünfte des Zaigers I können an sich, ohne Zuhilfenahme späterer Angaben, wegen ihren zumeist ungenauen Größenangaben und Ortsbestimmungen nicht örtlich festgestellt werden. Die Identifizierung der Angaben des Zaigers mit den Daten der späteren Grundbücher ist unbedingt notwendig. Die neue Grundbuchführung der Stadt geschah im Jahre 1696. Im Zaiger II sind die Vermessungsangaben und die Reihenfolge der Aufnahmen völlig neu, natürlicherweise auch die Numerierung der Grundstücke. Im neuen Band wurden von Fall zu Fall alle eingetretenen Eigentums- und Größenänderungen der Grundstücke regelmäßig eingetragen. Da infolge der Grundaufteilungen und neuen Zuteilungen im Zaiger II kein Platz mehr für Eintragungen war, wurde in 1733 ein neuer Band aufgelegt (Zaiger III), den man bis zum Ende des 18. Jahrhunderts führte. Zur Zeit Josephs IL wurde auch ein neues Grundbuch aufgelegt, das bedauerlicherweise verloren ging, doch leistet sein in den letzteren Jahren zum Vorschein gekommenes Namensregister in der topographischen Arbeit eine sehr große Hilfe. Auf der Karte von Balla sind nämlich die Grundbuchnummern aus der Zeit Josephs IL angeführt. Mit Hilfe des Namensregisters können diese Nummern auf Grund der Namen der Besitzer mit den Nummern des Zaigers III und II identifiziert und auf einer genauen Karte dargestellt werden. Blättert man in den Zaigern chronologisch zurück, so lassen sich in der Erforschung der Geschichte der einzelnen Grundstücke die Größenveränderungen, die Grundaufteilungen und die Entstehung neuer Grundstücke auch verfolgen. Größere Schwierigkeiten verursacht indessen die örtliche Festlegung der Angaben des 14* 211