Tanulmányok Budapest Múltjából 12. (1957)
Nagy István: Buda város gazdálkodása és adósságai a XVIII. század első felében = Der Haushalt und die Schulden der Stadt Buda in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts 51-131
Durch Untersuchung der Verhältnisse in der städtischen Bewirtschaftung lassen sich wichtige Einzelheiten der Geschichte der Stadt im 18. Jahrhundert beleuchten. Dank den Privilegien, die Buda als königliche Freistadt besaß, verfügte sie über manche Berechtigungen und Nutzungsrechte, die nebst anderen wirtschaftlichen Gegebenheiten die Entwicklung einer ziemlich ausgedehnten städtischen Bewirtschaftung ermöglichten. Die Verhältnisse in der Kommunalwirtschaft geben stets ein treues Bild von der jeweiligen Entwicklungsstuffe einer Stadt in den verschiedenen kleineren Zeitabschnitten ihrer Geschichte. Während der sogenannten »neoacquistischen« Periode (1686—1705), also unmittelbar nach der Türkenherrschaft, war einer normalen Wirtschaftsentwicklung der Weg versperrt, weil Buda nicht im Besitz seiner Privilegien war, unmittelbar der Oberhoheit der Budaer Kammeradministration unterstand und überdies schwere, von der Wiener Hofkammer aufgebürdete Steuerlasten zu tragen hatte. Der überwiegende Teil der der Stadt gebührenden Einkünfte wurde von der Wiener kaiserlichen Schatzkammer »iure armorum« (»mit dem Recht der Waffen«) beschlagnahmt und der Rest genügte kaum, um die damals noch ganz anfänglichen Haushaltungskosten zu bestreiten. Als Buda seine freistädtischen Rechte im Jahre 1703 durch das Diplom Leopolds endlich zurückerhielt und sich als Gegenleistung zur Zahlung eines Lösegeldes (ius armorum) in der Höhe von 8600 Gulden als Beitrag zur Deckung der Kosten der Türkenkriege verpflichtete, war die Stadtkasse leer. Zwischen 1703 und 1711 wurde die weitere Entwicklung der städtischen Bewirtschaftung durch den von Rákóczi geführten nationalen Freiheitskrieg und auch durch die Kaisertreue Budas in jener Zeit ungünstig beeinflußt. Während des Freiheitskrieges verschlimmerten die Wirtschaftskrise, der Abbruch der Handelsbeziehungen, sowie die Unterhaltungskosten der in Buda einquartierten kaiserlichen Garnison nur noch mehr die wirtschaftliche Lage der Stadt, obwohl Buda eben im Jahre 1705 in den Besitz der mit den städtischen Privilegien verbundenen wichtigsten Einnahmequellen, wie z. B. Grundbuchtaxen, Schiffsbrückenzoll, Bierzoll und andere Nutzungsrechte, gekommen war. Inmitten der ungünstigen Verhältnisse genügten jedoch diese Einkünfte keineswegs zur Deckung der erwähnten Lasten und Verpflichtungen. Buda sah sich deshalb gezwungen, Anleihen zu machen. Bis 1711 stiegen die Stadtschulden bis auf einen Betrag von ungefähr 17—20 000 Gulden an. Erst in der Zeit nach dem Frieden von Szatmár (1711), der den Freiheitskrieg unter Rákóczi beendete, konnte eine allmähliche Entwicklung in de* Kommunalwirtschaft einsetzen. Als die Kriegszeiten vorüber, die Privilegien endgültig gewonnen waren und die wirtschaftliche Neubelebung das ganze Land durchpulste, war auch für Buda die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Entwicklung gegeben. Aber der unglückliche Ausgang des Freiheitskrieges brachte es mit sich, daß diese Entwicklung nur innerhalb der Schranken verlaufen konnte, die durch die anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Unterdrückungsmaßregeln des Wiener Hofes gesetzt wurden. Wohl hat die Stadt nebst ihren freistädtischen Privilegien auch ihren im ungarischen Staatsrecht anerkannten Rechtsstand wieder erhalten : sie war als Krongut nicht den Wiener Behörden, sondern den ungarischen Amtsstellen unterstellt ; da aber die städtischen Eigentümer — besonders in der Zeit der Budaer Kammeradministration (1686—1710) — von den Wiener Behörden enteignet worden waren und die Stadt auch weiterhin drückende Staats- und Kontributionsabgaben zu leisten hatte, konnten die zerrütteten Finanzangelegenheiten der Stadt auch in der Folge nicht geordnet werden. Die Stadteinkünfte wuchsen zwar in direkter Proportion mit der Stadtentwicklung, doch nahmen auch die Schulden in weit größerem Maße zu. Nach 1711 setzten sich im allgemeinen die städtischen Einkünfte folgendermaßen zusammen : Kommunalsteuer, die zusammen mit der Kontribution eingehoben wurde, andere Steuern (Gewerbesteuer, Schutzgeld), verschiedene Zölle (Marktzoll, Weinzoll, Bierzoll), Bürgertaxen, Grundbuchtaxen, endlich Einkünfte, die aus den Stadtgütern, Weinbergen, den Budaer Thermalbädern, der Bierbrauerei, aus 9 Tanulmányok Budapest múltjából 129