Tanulmányok Budapest Múltjából 12. (1957)

Nagy István: Buda város gazdálkodása és adósságai a XVIII. század első felében = Der Haushalt und die Schulden der Stadt Buda in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts 51-131

dem Brückenzoll der Donau-Schiffsbrücke und aus kleineren Pachten einflössen. Diese Kinnahmequellen waren der Stadt hauptsächlich durch die städtischen Privilegien gesichert. Im Interesse der Erwerbung gewißer Einnahmequellen (wie u. a. Ankauf von Gütern, Bau eines Brauhauses, Kauf der Thermalbäder) mußte die Stadt schwere Opfer bringen. Die administrativen Ausgaben bildeten den weitaus größten Teil der Kommunalauslagen. Große Summen hatte die Stadt auch für die Erwerbung der erwähnten Einnahmequellen auszugeben. Aber die drückendsten Lasten des Stadthaushaltes waren wohl die Staats- und Kriegs­abgaben. Nach diesen Ausgaben blieb der Stadt kaum mehr etwas für Zwecke der Stadtentwicklung, wie z. B. für den Bau von öffentlichen Gebäuden, Spitälern, Armenhaus, Straßenpflasterung usw. Diesen Anforderungen der Stadtentwicklung vermochte der damalige Haushalt Budas nur ungenügend zu entsprechen. Im allgemeinen genügten die Kommunaleinkünfte nicht einmal für die erwähnten Ausgaben. Neben dem steten Anwachsen der Einkünfte nahm Buda zu seinen in 1711 schon bestehenden Schulden immer weitere Anleihen auf. Diese Schulden erreichten in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts die Höhe von 100 000 Gulden, etwa das Dreifache der jährlichen Kommunaleinkünfte. Die große Schuldenlast ist der schreiende Beweis, wie außerordentlich kritisch die Lage der Budaer Kommunalwirtschaft war. Diese Eigenarten und Schwierigkeiten in der Entwicklung Budas sind aufs engste mit den damaligen geschichtlichen Verhältnissen in Ungarn ver­knüpft. Fragt man nach den Ursachen, denen die kritische Lage der Kommunal­wirtschaft zuzuschreiben war, so muß man vor allem die auch in Buda klar her­vortretenden Züge der Wiener Wirtschaftspolitik ins Auge fassen. Wie bereits erwähnt, verfügten die Wiener Ämter (die Hofkammer und die ihr unterstehende Budaer Kammeradministration) über die wichtigsten Einkunftsquellen der Stadt, verkauften sie aber im Laufe der Zeit, so daß diese Einnahmequellen, die auf Grund der königlich-freistädtischen Privilegien Buda gebührten, von der Stadt erst zurückerworben werden mußten. Diese Rückkäufe verwickelten die Stadt in weitere Schulden. Die großen Lasten der Kontribution und der Staatsabgaben vermehrten ebenfalls die Kommunalschulden. Für dieses Zeitalter ist übrigens im allgemeinen die Verschuldung der ungarischen Städte infolge der drückenden Steuerlasten kennzeichnend. Um den vielerlei Verpflichtungen, wie : Kontribution, Dieten­taxe, Quartiergeld, Instandhaltung der Offiziersquartiere und — in Budas beson­derem Fall — Wiederherstellung der in die Burg führenden beiden Wasserleitun­gen, Wasserversorgung der Soldaten (mittels Wasserwagen) u. a. m., nachkommen zu können, war die Stadt sozusagen immer auf Anleihen angewiesen. In der Verschlechterung der Lage der Kommunalfinanzen war auch der Umstand ausschlaggebend, daß der damalige Magistrat den Aufgaben keineswegs gewachsen war. Während der Stadtrat der Bevölkerung große Lasten aufbürdete, wirtschaftete er selbst gewissenlos, vergeudete die Einkünfte, ja bestahl die Stadt. Infolge der damals noch unvollkommenen städtischen Verwaltungsorganisation vermochte eine Ratsherrenclique zur Herrschaft zu gelangen und eine unbe­schränkte Macht über die Stadt auszuüben. Dem Beispiel der kaiserlichen Beam­ten folgend betrachteten die Ratsherren die Kommunaleinkünfte als eine Gold­grube und suchten aus ihrem Amt einen möglichst großen Nutzen zu ziehen. So ergaben sich in Buda in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr schlechte Verhältnisse. Wegen der Willkür des Rates, der Veruntreuung des Kommunal­vermögens und der Verschuldung der Stadt kam es zwischen der Bürgerschaft und dem Rat zu Streitigkeiten, die im ganzen Land Ärgernis erregten. Die kritische finanzielle Lage, in der sich die Stadt befand und die Streitigkeiten zwischen dem Rat und der Bürgerschaft zwangen die höheren Obrigkeiten des öfteren, Unter­suchungen in der Kommunal Wirtschaftsführung vorzunehmen. Zu diesen Unter­suchungen wurden königliche Kommissäre, in schwereren Fällen Kammer­kommissionen entsandt. Als man während der Untersuchungen im Jahre 1722—23 erstmalig versuchte, die Finanzen der Stadt von Grund auf zu ordnen, wurden 130

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