Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.3. Ägyptische und orientalische Götter und Kulte (Judit Topái)
allzu vermessen, daß C. lui. Filetio (und seine eventuellen Landsleute) auch irgendetwas mit den Mumienbestattungen in Aquincum zu tun gehabt haben dürften. In wesentlich größerer Zahl und mannigfaltigerer Form waren die Gottheiten orientalischen bzw. kleinasiatischen - syrischen bzw. persischen - Ursprungs und ihre Kulte in Aquincum vertreten. Das lag zum Teil darin begründet, daß weit mehr Soldaten und Zivilisten (Kaufleute, Sklaven, etc.) orientalischer als nordafrikanischer Abstammung hier weilten, 27 teilweise aber auch an der starken Verbreitung einiger Unsterblichkeit versprechender und daher sehr populär gewordener Mysterienreligionen in den westlichen Provinzen des Reiches. Am frühesten gelangte der Kult der KybeleMagna Mater zu uns. Die in der Eraviskersiedlung am Gellértberg (Blockberg, mons Teutanus?) gefundenen Steindenkmäler (CIL III 3471 =RD 337 28 sowie CIL III 10418 29 und CIL 10482?) mit den eingemeißelten Buchstaben M(agnae) D(evm) M(atri) der Göttin sowie I.O.M T (onitratori? T(eutano?) T(aviano?) (T. NAGY 1942, 426 f.; BÓNIS 1969, 215 f.; KÁDÁR 1962, 3; I. TÓTH 1984, 146, Nr. 85; I. TÓTH 1990, PÓCZY 1998/4, 29), mögen vielleicht von einem Heiligtum stammen. 30 Nach der im Nationalmuseum aufbewahrten Inschrift (CIL III 10393 = RD 47) stand in der Zivilstadt des 2. Jahrhunderts bereits ein templum des wesensverwandten Ebenbildes von Kybele, der Göttin Dea Syria und Balds (T. NAGY 1942, 429). Die im Ostteil der Zivilstadt gefundene Inschrifttafel 31 trägt den Namen der Dea Syria in Gesellschaft von Jupiter und Baltis (KUZSINSZKY 1934, 99; KUZSINSZKY 1937, 136, Abb. 59; AnÉp 1982, 803). Weitaus populärer allerdings war nach unseren archäologischen Zeugnissen der Gefährte der Göttin, der jung verstorbene, aber von den Toten 27 Die Syrer z. B. bildeten ein eigenes collegium: SZILAGYI 1968, 114, mit Beispielen. 28 UNM Inv. Nr. 31.1847.3. 29 UNM Inv. Nr. 70.888.1. 30 Dagegen: I. TÓTH 1987, Ulf. 31 Lapid. Aq. Alte Nr. 363 = 64.10.9. zurückgekehrte Hirtengott Attis. Unter den zahlreichen erhalten gebliebenen Darstellungen von ihm lassen sich in erster Linie die selbständigen Skulpturen mehr oder weniger mit seinem Kult verbinden, und zwar insbesondere die nicht aus Gräberfeldern stammenden Exemplare. 32 Zwei Stücke 33 kamen sekundär in der Kastellmauer am Eskü (Március 15.) tér verbaut zu Tage, so dass sie aus unserer Sicht nicht verwendbar sind. Zusammen mit einer Attis-Skulptur (KUZSINSZKY 1907, 56) fand man am östlichen Tor der Zivilstadt mehrere andere halbfertige Kultgegenstände, was zweifellos das Vorhandensein einer prosperierenden Steinmetzwerkstätte beweist (BRELICH 1938, 132). Weniger direkt kann man jene Reliefs und Steindenkmäler der Begräbnisstätten an den Attis-Kult anschließen, die Elemente der Grabmäler in Form einer aedicula bilden und den Hirtengott in einer mit der obigen übereinstimmenden Körperhaltung darstellen. 34 Die an den Grabsteinen und Sarkophagen 35 dargestellten Attisfiguren sind in erster Linie dekorativer Art. Doch selbstverständlich kann man ihnen auch ihre symbolische Bedeutung innerhalb des Totenkults nicht ganz absprechen. Von Adonis, Attis' wesensverwandtem Ebenbild, kennen wir aus Aquincum bislang lediglich einen 32 Terrakotten: Aq. Mus. Inv. Nr. 33753, 33754; Steinplastiken aus der Militärstadt: 50944, 51087; aus dem Nordteil der canabae: I. TÓTH 1984, Kat. Nr. 68; aus dem Nordostteil der Zivilstadt: Lapid. Aq. alte Nr. 365 = Vermaseren 1795 = I. TÓTH 1984, Kat. Nr. 69; aus dem nördlichen Mithräum der Zivilstadt: Lapid. Aq. alte Nr. 391 = 64.11.45; KUZSINSZKY 1897, 121-122. Nr. 24-25; KUZSINSZKY 1934, 93, Abb. 41 = I. TÓTH 1984, Kat. Nr. 66 sowie Lapid. Aq. alte Nr. 392 = 64.11.68. 33 Lapid. Aq. alte Nr. 377 = KUZSINSZKY 1934, 179; KUZSINSZKY 1934, 181 sowie Lapid. Aq. Inv. Nr. 64.11.31 = NÉMETH 1971, Nr. 181. 34 Lapid. Aq. alte Nr.504 = KUZSINSZKY 1937, 80, Abb. 9, alte Nr. 497 = KUZSINSZKY 1937, 81, Abb.ll, alte Nr. 320 = KUZSINSZKY 1937, 82, Abb. 12; neuerdings in der Nähe des westlichen Gräberfeldes (Aranyárok) der Zivilstadt: LapidAq. Inv. Nr. 64.11.32 sowie KABA 1991, 56, Abb. 95. 35 I. TÓTH 1984, Kat. Nr. 63-64, 70, 71, 72 = Lapid. Aq. Inv. Nr. 63.10.136, 73 = Inv. Nr. 63.10.137, 74 = RD 128 im Nationalmuseum, 75 = Lapid.Aq. alte Nr. 345 sowie I. TÓTH 1989, 92-96, Kat. Nr. 63-79, alle mit ausführlicher Literatur.