Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.3. Ägyptische und orientalische Götter und Kulte (Judit Topái)

Altar (CIL III 10392=RD 48), 36 und da ihn haupt­sächlich Frauen verehrten, ist es wohl kein Zufall, daß an der Spitze der stiftenden Personen, in übri­gens ungewohnter Weise, eine Frau, Septimia Mar­cella, steht (T. NAGY 1942, 429, Taf. LXII.4). Während die Anhänger der oben geschilderten Kulte vorwiegend Zivilisten waren, gelangte im Kreise des Militärs der Sieg versprechende und gewährende Hauptgott der Stadt Doliche in Com­magene in der Erscheinungsform Jupiters (luppiter Dolichenus) zu großer Popularität. Schon im 2. Jahrhundert widmete Aur. Secundus dem I.O.M. Dulcenus (sie!) und Heliopolitanus einen Altar (CIL III 3462 = 13366). 37 Der Veteran der legio II Adiutrix hatte sich offenbar mehrmals im Ori­ent aufgehalten. Die Form des Steins läßt darauf schließen, daß zu dem Altar auch ein Götter­Standbild gehörte. Ebenfalls gemeinsam erscheinen die Götter an dem von sämtlichen Hohepries­tern (sacerdotes, darunter sind am ehesten die Dolichenuspriester zu verstehen) der Provinz für das Heil der beiden Kaiser gestifteten Altar von Sárpentele (CIL III 3343=RD 30). 38 Der Altar könnte auch zum Dolichenum in Vetus Salina, Brigetio (oder vielleicht in Gorsium?) gehört haben, die meisten Forscher bringen ihn jedoch mit Aquincum in Verbindung (ALFÖLDI 1940, 198 ff.; ALFÖLDY 1961, 122; MÓCSY 1962/1, 738 f.; SZILÁGYI 1968, 119). Ein fragmen­tierter Altarstein 39 (CIL III 10606=RD 342) kam wahrscheinlich im Nemesis-Heiligtum des Amphitheaters der Zivilstadt zum Vorschein. Der aus der Gegend von Doliche (ex regioné Dolica) stammende, von HAR[TA]? gestiftete Altar (CIL III 3490) 40 wiederum ist wahrscheinlich nicht dem einheimischen Hauptgott, sondern dem in Panno­nién außerordentlich beliebten Silvanus geweiht (T. NAGY 1942, LXII/4). 41 Man sieht also, daß 36 Im Nationalmuseum. 37 Lapid. Aq. Inv. Nr. 64.10.24. 38 Im Nationalmuseum. 39 Im Nationalmuseum. 40 UNM Inv. Nr. 78.1903.1. 41 Zu einem von der abweichenden Lesung der Inschrift dieses Steins gänzlich anderen Ergebnis gelangte I. TÓTH 1976, 95 ff., Anm. 47, 62, mit detaillierter Literatur. der große Popularität genießende Kult in Aquin­cum etwas unterrepräsentiert war. Nicht einmal sein Heiligtum kam bis jetzt zum Vorschein. Der populärste von allen in Aquincum im 3. Jahrhundert vertretenen orientalischen Gottheiten war ohne Zweifel Mithras. 42 (Abb. 5.) Allein im Gebiet der Zivilstadt sind bislang fünf Heiligtümer (MÓCSY 1962/1, 737, 30, 50) 43 seines aus Syri­en über Italien hierher gelangten Kults bekannt. Das früheste Heiligtum entstand im Handwer­kerviertel am Donauufer, nördlich der römischen Töpfer Siedlung 44 und wurde zur Zeit der Mar­kommanenkriege zerstört (T. NAGY 1942, 433). Géza Alföldy vertrat jedoch die Meinung, daß es erst nach dem Krieg errichtet wurde (ALFÖLDY 1961, 113, Anm. 86). Hier fand man vier Altar­steine, die an ihrem ursprünglichen Platz in einer Reihe an einer Mauer standen (KUZSINSZKY 1934, 207). Der erste war sicherlich dem felsge­borenen Mithras geweiht, wie auch seine Inschrift: Petrae / genetric(i) belegt (KUZSINSZKY 1937, 120, 39, Abb. 43). 45 Der zweite große Altar mag auch als Postament eines Standbildes gedient haben (KUZSINSZKY 1937, 121, 40, Abb. 44) , 46 Der dritte kleine Altar gilt wegen seiner Inschrift: Leoni /..us / (ar) am oder [N] ama?, die den mithraischen Einweihungsgrad leo (Löwe) im Dativ verwendet, als einzigartig (KUZSINSZ­KY 1937, 122, 41, Abb. 45; I. TÓTH 1974-75, 151-154). 47 Den vierten Altarstein verdanken wir dem decurio bzw. Duumvir von Aquincum und gleichzeitigen praefectus des collegium fabrum, der einer der allerersten ranghohen Mithrasgläubi­gen in der noch munizipalen Stadt gewesen sein dürfte (KUZSINSZKY 1937, 122-124, 42, Abb. 46) , 48 Nach seiner Zerstörung wurde das Heilig­tum nicht wieder aufgebaut. Statt dessen schuf 42 Letzte Zusammenfassung der Mithrasdenkmäler aus Aquin­cum: TOPÁL 2001. 43 Mit vier Heiligtümern: NÉMETH 1993/2, Abb. 15. 44 KUZSINSZKY 1932, Karte am Ende des Bandes, Grund­fläche: 7,10x4,09 m. 45 Lapid. Aq. alte Nr. 328, Vermaseren 1742. 46 Lapid. Aq. alte Nr. 331, Vermaseren 1743. 47 Lapid. Aq. alte Nr. 329, Vermaseren 1745. 48 Lapid. Aq. alte Nr. 330 = Inv..Nr. 63.10.104, Vermaseren 1746.

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