Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.1. Die einheimischen Kulte (Klára Póczy, Krisztina Szirmai)

8.1. DIE EINHEIMISCHEN KULTE Ein wesentlicher Zug der römischen Religionspra­xis war, daß man die lokalen Gottheiten der dem Imperium angegliederten Gebiete anerkannte und sich bemühte, sie durch Verpflichtungen bzw. Opfergaben gnädig zu stimmen. Dessen unge­achtet ist es auch heute noch problematisch, die auf eraviskische Wurzeln zurückgehenden einhei­mischen Kulte Aquincums zu erkennen. Das liegt einerseits darin begründet, daß die ausgesprochen illyrischen oder keltischen einheimischen Namen erst ab der Wende des 2.-3. Jahrhunderts erschei­nen. Die frühesten schriftlichen Offerten dieser Art stammen von den nach Aquincum abgestell­ten Beamten oder hochrangigen Offizieren des Heeres (ALFÖLDY 1994, 34). In diesen Fällen verneigte sich die Führung der Provinz vor dem lokalen Genius. Deshalb ist unser Bild über die einheimischen Kulte sehr allgemein und bezieht sich nur auf deren Pflege ab dem 3. Jahrhundert. Zahlreiche Denkmäler in Verbindung mit den einheimischen Kulten in Aquincum kamen in der vorangehenden Forschungsperiode zum Vorschein und wurden meist auch publiziert. Das Vermächt­nis zerfällt in drei Gruppen: die Astralsymbole, die einheimischen Gottheiten keltischen Ursprungs und keltischen Namens sowie die in römischer Form dargestellten Göttergestalten lateinischen Namens, die sich aber in Folge der interpretatio Romana auf irgendeine lokale Gottheit beziehen lassen. Verehrung der einheimischen keltischen Gottheiten Der wichtigste Gott der einheimischen Bevöl­kerung Aquincums war Teutates. Eines seiner Heiligtümer stand, bevor die Römer kamen, in der keltischen Siedlung auf dem Gellértberg. Nach der römischen Eroberung identifizierte man ihn mit dem höchsten Gott der Römer und verehrte ihn unter dem Namen Jupiter Optimus Maximus Teutanus Conservator. (Abb. 1.) Im Heiligtum auf dem Gellértberg müssen - nach einhelliger früherer Meinung der Forschung - zahlreiche Altäre gestanden haben, die im 3. Jahrhundert n. Chr. von hochgestellten Beamten gestiftet wurden und die das Datum des 11. Juni erwähnen. Ähn­liche Denkmäler aus Carnuntum 1 deuten darauf hin, daß es dieser Tag war, an dem um das Jahr 124 beide Städte in den Rang eines Muni­cipiums erhoben wurden, und den man jährlich mit religiösen Feierlichkeiten in den alten Teu­tates-Heiligtümern beging (ALFÖLDY 1994, 35; KOVÁCS 1997-1998, PÓCZY 1998/3, PÓCZY 1999, SOPRONI 1993/1, Á. SZABÓ 2001, 60; Religions 1998, 54, Nr. 1). In letzter Zeit warfen teils der gewachsene Umfang des Fundmaterials (SOPRONI 1990), 2 teils unsere erweiterten topo­graphischen Kenntnisse über Aquincum - neben anderen Meinungen - die Möglichkeit auf, daß sich der dem Teutanus-Kult dienende heilige Bezirk auf einer Hügelkuppe südlich der Militär­stadt von Aquincum befand (PÓCZY 1999), wo auch eine Skulptur der Gottheit zum Vorschein kam (T. NAGY 1973, 171). An zahlreichen steinernen Votivdenkmälern des 2.-3. Jahrhunderts tritt Jupiter auch gemeinsam mit Juno auf. Der Art der Darstellungen ist zu entnehmen, daß man ursprünglich zwei lokalen Gottheiten Votivdenkmäler errichtete (T. NAGY 1942, 408). 1 Zu erwähnen ist an dieser Stelle unbedingt, daß an beiden Fundorten Jupiter köpfe aus Stein gefunden wurden, die mit Attributen aus Eisen versehen waren: W. Jobst-G. Kremer, luppiter Optimus Maximus K(ARNUNTINUS). Der Herr des Pfaffenberges und sein Heiliger Bezirk. Carnuntum I. Das Erbe Roms an der Donau. Katalog der Ausstellung des Archäologischen Museums Carnuntum in Bad Deutsch­Altenburg, 1992. 163-170. 2 Publikation des Inschriftmaterials von Bölcske mit einer Stu­die über die Kultstätte im Druck, Redaktion E. Tóth.

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