Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.4. Amphitheater und Theater (Klára Póczy)
Abb. 1. Bruchstück eines Gußmodels einer Theatermaske aus dem Handwerkerviertel der Zivilstadt (Gasfabrik) 0 fem. Abb. 2. Bruchstück einer Theatermaske aus der Zivilstadt der Kothurnus mit dicker Sohle den Schauspieler über die Realität hinaushob, war es Aufgabe der Maske, ihn seiner eigenen Persönlichkeit zu berauben und ihn im Laufe der Vorstellung in die von ihm verkörperte Person zu verwandeln. Über die zuvor erwähnte Maske hinaus ist aus dem Material der nordöstlich der Zivilstadt gelegenen (sog. Papföldi-) Töpferwerkstatt ein Bruchstück eines zur Maskenherstellung dienenden Models bekannt, 5 (Abb. 1.) und erst kürzlich wurde auch in einer außerhalb der südlichen Stadtmauer der Zivilstadt freigelegten Abfallgrube das Fragment einer sicher tragbaren Terrakottamaske geborgen (BUGÁN 2002/2, 174). (Abb. 2.) Die in Aquincum zum Vorschein kommenden und von den Töpferwerkstätten in Serie produzierten Terrakottamasken entstanden nur in seltenen Fällen für das Theater. Meist dienten sie als Giebelschmuck der ziegelgedeckten Häuser und sollten mit ihrem tragischen Gesichtsausdruck das Böse von den Hausbewohnern fernhalten. Wie man allerorts im Gebiet des Imperium Romanum beobachtet hat, war das 1. Jahrhundert in den Städten Italiens und der Provinzen die Blütezeit der Theater. Vom Beginn des 2. Jahrhunderts an eroberten sich an Stelle der klassischen Dramen und Lustspiele sehr rasch die mehr Spannung versprechenden Gladiator- und Tierkämpfe oder Zirkusspiele die Sympathien des Publikums. 6 Im 2. Jahrhundert wurden in den meisten Provinzialstädten nur noch selten Theater, dafür aber mehr Amphitheater gebaut. Wo zwei Zivilsiedlungen nebeneinander existierten, baute man sogar zwei Amphitheater, wie beispielweise in den Residenzstädten der Provinzen mit Legionslagern entlang des Limes. Das zweite wurde vom Heer auch zum Exerzieren genutzt. Die beiden Amphitheater von Aquincum entstanden, auf Grund der bekannten Befunde, im zweiten Drittel des 2. Jahrhunderts (SZILÁGYI 1956, 10). 7 Im Zeitraum zwischen 1968 und 1998 kam es im Amphitheater der Zivilstadt mehrfach zu dringenden Not- und Nachgrabungen, 8 unter deren als unerwartet zu bezeichnenden Ergebnissen ich nur zwei hervorheben möchte. Unter anderem konnte geklärt werden, daß man das Niveau der Arena - bei der Gebäuderenovierung im 3. Jahrhundert, über deren Zeitpunkt eine aus dem Jahr 259 datierende Inschrift informiert - um mehr als einen Meter angehoben hatte. Die aus der 5 Aq. Mus. Inv. Nr. 41624. 6 FUGMANN op. cit. 8. 7 Vgl. den Abschnitt „Baugeschichtliche Skizze der Zivilstadt" (5.4.3.). 8 Vgl. den Abschnitt „Die Bebauung außerhalb der Stadtmauer" (5.4.4.4.).